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Plage:Rechtsanwalt startet Petition gegen Stechmücken am Ammersee

Der Herrschinger Stephan Seiz will Landratsamt und Rathaus zwingen, die Insekten zu bekämpfen. Ein "traumatischer Ausnahmezustand" sei erreicht.

Biergärten bleiben trotz schönen Wetters abends leer, Gartenarbeit macht keinen Spaß mehr, Räucherspiralen und Sprays sind gefragt wie nie: Eine Mückenplage verleidet Anwohnern des Ammersees seit Wochen den Aufenthalt im Freien. So kann es nicht weitergehen, meint der Herrschinger Rechtsanwalt Stephan Seiz und will mit juristischen Mitteln erzwingen, dass die Behörden etwas gegen die Plagegeister unternehmen. Er hat Petitionen an das Herrschinger Rathaus und das Landratsamt in Starnberg geschickt und beruft sich auf das Grundgesetz. Seiner Ansicht nach sind Seeanlieger und Gäste "durch die Untätigkeit der zuständigen staatlichen Stellen" in ihrem Recht auf körperliche Unversehrtheit beeinträchtigt. Notfalls will er vor Gericht ziehen.

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Seit Jahrzehnten wohnt der Familienvater am Ammersee; sein Wohnhaus, in dem sich auch seine Kanzlei befindet, ist nicht weit von der Seepromenade entfernt. "Es ist unerträglich. In dieser Intensität ist das völlig neu", sagt Anwalt Seiz. Die Kinder in der Nachbarschaft gingen mit Schutz nach draußen, eingesprüht und eingecremt. Mückenplagen habe es auch früher gegeben, aber nicht so stark und häufig wie jetzt. Ursache sei der Klimawandel mit höheren Temperaturen und häufigeren starken Regengüssen. Die Niederschläge im Frühjahr hatten Felder und Wiesen überschwemmt, so dass die Mückenlarven ideale Brutbedingungen hatten. Seiz befürchtet außerdem, dass durch eingeschleppte Arten tropische Krankheiten übertragen werden. Nun sei ein "traumatischer Ausnahmezustand erreicht, der unzumutbar ist".

Auf seinem Schreiben zieht der Anwalt alle Register, verweist auf Grundgesetzartikel und bemüht sogar das Eigentumsrecht, weil Grundstücke nicht mehr bestimmungsgemäß benutzt werden könnten, der Aufenthalt auf Terrassen, Wegen und Grünflächen nicht mehr möglich sei. Seiz beantragt "geeignete Maßnahmen", um diesen Zustand zu beenden. Ohne den Wirkstoff BTI zu nennen, meint er damit den Einsatz biologischer Mittel. Der Anwalt geht davon aus, dass Gemeinde und Kreis verpflichtet sind, sich mit seiner Eingabe zu befassen. Der Herrschinger Bürgermeister Christian Schiller kündigte an, das Schreiben erst einmal der Rechtsaufsicht vorzulegen.

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