Ammersee Rutsche und Floß in Dießen kommen weg, Herrsching rettet Sprungturm

Die gute Nachricht aus Herrsching lautet: Auch in diesem Sommer können Groß und Klein vom Turm hüpfen, die Gemeinde stellt eigens einen Bademeister ein. Die schlechte: Das neue Floß (hinten rechts) wird es nicht wieder geben, weil die genaue Aufsicht laut Bürgermeister niemandem zuzumuten ist.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die ersten Gemeinden ziehen Konsequenzen aus der Debatte um die Sicherheit an den Seen. Dießen baut Strandbäder zu Badeplätzen um, Herrsching stellt einen Bademeister ein.

Von Armin Greune und Patrizia Steipe

In der Debatte um die Sicherheit in Strandbädern ziehen die ersten Gemeinden Konsequenzen: Während Dießen Wasserrutsche und Badeinsel in St. Alban entfernt und das Strandbad zum Badeplatz zurückbaut, will Herrsching den Sprungturm erhalten, indem die Gemeinde zumindest für dieses Jahr einen Bademeister einstellt. Das Floß aber wird nicht mehr für Sprünge in den Ammersee und Sonnenbäder bereitstehen.

Der Herrschinger Gemeinderat war sich einig, dass der Sprungturm im Seewinkel vorerst nur durch eine Festanstellung bei der Gemeinde zu retten ist. Bei sechs Gegenstimmen hat sich das Gremium dafür ausgesprochen - sonst hätte der erst im vergangenen Jahr erneuerte Turm abgebaut werden müssen. Solche Anlagen dürfen nach einem höchstrichterlichen Urteil nur unter Aufsicht benutzt werden, sonst müsste die Gemeinde nach einem Unfall wegen ihrer Verkehrssicherungspflicht strafrechtliche Konsequenzen fürchten.

Wie die Aufsicht im kommenden Jahr sichergestellt werden soll, ist offen. Dann soll nämlich ein neuer Pächter das Badegelände übernehmen. Die Ausschreibung läuft gerade, allerdings fehlt darin der Hinweis auf die Aufsichtsperson, da das Thema neu ist. Die Gemeindeverwaltung prüft nun, ob ein künftiger Pächter auch einen Bademeister stellen kann und ob die Gemeinde die bislang geforderte Pacht von 1700 Euro inklusive Nebenkosten im Monat reduzieren muss.

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Einige Gemeinderäte befürchteten jedoch, dass sich ein Pächter mit den Kosten der Aufsicht übernehmen könnte. Leicht wird es nicht werden, die Aufsichtspflicht zu erfüllen, sagte Bürgermeister Christian Schiller. Noch gibt es keine Antworten auf Fragen, wie der Sprungturm außerhalb der Arbeitszeit des Bademeisters gesperrt wird, wie viele Stunden er geöffnet bleiben soll und wie Urlaubs- oder Krankheitstage der neuen Aufsicht kompensiert werden könnten. "Das zieht einen ganzen Rattenschwanz nach sich", stöhnte Schiller. Am liebsten wäre ihm, wenn es einen Dienstleister gebe, der als neues Geschäftsmodell einen "Sprungturmbademeisterbetrieb" anbieten würde.

Keine Chance gibt es für die Badeinsel, die erst im vergangenen Jahr eingeweiht worden war. Nach den Dezemberstürmen wurde sie an das Land gespült und soll auch nicht wieder in den Ammersee gebracht werden. Eine Badeaufsicht müsste nämlich nicht nur die Schwimmer auf dem Floß im Auge behalten, sondern auch den See beaufsichtigen, wie es in einem Urteil des Bundesgerichtshofs zu einem Badeunfall heißt, der von der Gemeinde als Referenzfall herangezogen wurde.

"Diese Verantwortung kann keiner übernehmen", sagte Schiller. Er hofft jetzt auf qualifizierte Bewerber für die neue Stelle. Neben einer Festanstellung kann die Gemeinde mit einem Arbeitsplatz auf dem Badegelände mit dem "schönsten Sonnenuntergang am Ammersee" locken.

In Dießen hat der Gemeinderat erwartungsgemäß den Rückbau der Strandbäder St. Alban und Riederau zu bloßen Badestellen beschlossen. Damit wird es künftig kein Badefloß und keine Wasserrutsche mehr geben. Nachdem das Thema bereits intensiv in nicht öffentlicher Sitzung diskutiert worden war, fiel die Entscheidung am Montagabend einstimmig.

Ebenso unisono wurde in allen Redebeiträgen abermals die gesellschaftliche Entwicklung weg von der Eigenverantwortung beklagt, die der Kommune keine andere Wahl lasse: "Mich ärgert's sehr", meinte etwa Michael Hofmann (Bayernpartei), der wie alle Kollegen "hart mit dieser Entscheidung gerungen" hatte. Keiner sah in der neuen Regelung eine Verbesserung der bisherigen Praxis.

Im über den letzten Sitzplatz hinaus gefüllten Rathaussaal beauftragte man schließlich die Verwaltung, eine neue Badeordnung zu entwerfen und mit den Pächtern der Bäder über die neuen Konditionen zu verhandeln. Die sollen bei freiem Eintritt tägliche Öffnungszeiten von 6 bis 22 Uhr und eine Saison von Ostern bis Oktober umfassen. Für den Unterhalt der Grünanlage, die Pflege der sanitären Einrichtungen und den Kioskbetrieb blieben die Pächter zuständig, von der Badeaufsicht sind sie künftig befreit. In die Nutzungsordnung sollen Verbote gegen Radfahrer und Hunde aufgenommen werden.

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Den Erhalt des Beachvolleyballplatzes fand Verwaltungsleiter Karl Heinz Springer "ganz geschickt", um die Anlagen mit Duschen und Stegen als Gelände "zur Freizeitgestaltung mit Badestellen" auszuweisen und weiter vom Charakter eines reinen Strandbads abzurücken. Die Umzäunung und zeitweise Absperrung der Areale ließe sich mit dem Schallschutz für die Anlieger rechtfertigen, denn direkt neben St. Alban liegt das Kinderheim der Benediktinerinnen. Zudem will die Gemeinde nächtlichem Vandalismus vorbeugen.

Alle Regelungen sollen zunächst für ein Jahr gelten: "Da will ich auch Erfahrungen sammeln", meinte Bürgermeister Herbert Kirsch. 2020 könne man über eine Verlängerung der Öffnungszeiten oder Parkgebühren nachdenken. In St. Alban entgehen der Gemeinde künftig etwa 100 000 Euro an Eintrittsgeldern, doch den Gebäudeunterhalt muss sie weiter tragen.

Hofmann steuerte noch eine Idee bei, wie das Freizeitgelände wieder aufgewertet werden könnte: Er plädierte vehement dafür, dort oder südlich des Campingplatzes eine Sauna einzurichten und witterte da ein "Alleinstellungsmerkmal für Dießen" und "lukratives Geschäft". Kirsch will bei der Seenverwaltung des Freistaats das Prozedere erfragen.