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Klimawandel:Hier werden die Bäume der Zukunft gepflanzt

Utting, bei der Alte Villa, Elsbeeren Pflanzung

Drei Elsbeeren haben (von links) Sebastian Klais und Johannes Leicht von der Schlösser- und Seenverwaltung sowie Tilo Scholze, Projektmanager der Initiative Zukunftswald, im Park bei der Alten Villa in Utting gepflanzt.

(Foto: Georgine Treybal)

Die widerstandsfähigen Elsbeeren wachsen südlich der Donau nur im Fünfseenland. Die Seenverwaltung setzt aus Andechs stammende Exemplare nun in Utting.

Von Armin Greune

So weitgereiste Bäume trifft man selten. Dabei sind die Elsbeeren, die am Dienstag im Uttinger Freizeitgelände nördlich der Alten Villa gepflanzt wurden, gerade erst mal fünf Jahre alt. Die Eltern stehen jenseits des anderen Ammerseeufers: 2015 waren im Andechser Klosterwald die Früchte in Handarbeit von Baumkletterern geerntet worden. Weiter ging es zum Pflanzgarten der Staatsforsten in Laufen an der österreichischen Grenze und nach Schleswig-Holstein, wo die zarten Pflänzchen von einer professionellen Baumschule aufgezogen wurden. In den beiden vergangenen Jahren wurzelten sie in Schrobenhausen, von dort wurden am Dienstag 66, inzwischen drei bis vier Meter hohe Elsbeeren mit dem Lkw ausgeliefert - unter anderem drei an die Schlösser- und Seenverwaltung des Freistaats sowie acht an die Gemeinde Utting.

Dass im Rahmen der "Initiative Zukunftswald" das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck (AELF) so viel Aufwand für eine Handvoll Bäume betreibt, hat einen Grund: Elsbeeren sind südlich der Donau extrem selten. Nur im Fünfseenland gibt es ein isoliertes natürliches Vorkommen der wärmeliebenden Baumart. Dort hat sich eine genetische Variante entwickelt, die an das härtere, von Spätfrösten geprägte Klima angepasst ist. 700 Exemplare sind bisher registriert worden, auf 1000 Stück schätzen die Förster den Gesamtbestand. Dabei wäre die Elsbeere in Zeiten des Klimawandels eine "Zukunfts-Baumart" und wichtiges Element stabiler Mischwälder, auch das dichte und harte Holz wird hoch geschätzt.

Ihre Aufzucht verlangt freilich monatelange Prozeduren, denn die Samen werden im Wald erst keimfähig, nachdem sie den Darm von Vögeln passiert haben. Die aus autochthonem Saatgut gezogenen Elsbeeren erfreuen sich so großer Wertschätzung, dass sie nicht im Handel erhältlich sind. Seit 2015 verfolgt das AELF ein spezielles Nachzuchtprogramm, in den beiden vergangenen Jahren wurden 2300 Exemplare in den Wäldern des Fünfseenlandes ausgebracht. Nun verteilte das AELF erstmals größere Bäume an ausgewählte Interessenten. In Utting hatte man im Vorjahr Elsbeeren im Gemeindewald gepflanzt; die neuen Bäume sollen an Verkehrswegen, in öffentlichen Grünanlagen und an der Schule wurzeln. So wolle man beobachten, wie sich die Waldbäume als Solitäre in Parks entwickeln, sagt AELF-Abteilungsleiter Gero Brehm.

© SZ vom 02.12.2020
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