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Beliebtes Ausflugziel am Ammersee:So sollen sich die Dießener Seeanlagen verändern

Die Dießener Seeanlagen sollen attraktiver gestaltet werden, die "Rialto"-Brücke über den Mühlbach wird dabei durch einen Neubau ersetzt.

(Foto: Arlet Ulfers)

Nach zwei Jahrzehnten steht fest, wie das Gelände umgestaltet wird - auf dem unter anderem auch der Töpfermarkt abgehalten wird.

Von Armin Greune

Der Uferbereich mit Dampfersteg, Pavillon der Arbeitsgemeinschaft Dießener Kunst (ADK), Kiosk, Minigolf, Bootsverleih und reichlich Gelegenheiten zu flanieren oder sich auszuruhen gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen im Fünfseenland. Vor Corona fanden sich dort zu Töpfermarkt oder Sommer-Flohmarkt täglich bis zu 25 000 Besucher ein. Seit der Jahrtausendwende macht man sich in Dießen intensiv Gedanken darüber, wie die Seeanlagen noch an Attraktivität gewinnen könnten. Viele ambitionierte Ideen standen in der Zwischenzeit zur Debatte, darunter etwa ein Neubau für Kultur und Gastronomie und ein öffentlicher Biergarten - und wurden wieder fallengelassen. Am Montagabend aber hat nun der Gemeinderat die konkreten Pläne für die Umgestaltung festgelegt und im kommenden Frühjahr soll mit den Arbeiten angefangen werden.

Ursprünglich sollte der Baubeginn noch heuer im Bereich der Ufermauern an den Stegen erfolgen, doch im neu formierten Gemeinderat bestand noch viel Informationsbedarf. Im Juni hatte man den groben Rahmen der Planung abgesteckt, in einem Workshop hinter verschlossenen Türen Ende Juli wurden die Details festgelegt, die nun auch an die Öffentlichkeit gelangten. Auch wenn keine großen Gebäude mehr geplant sind und der bisherige Charakter von Uferpromenade und dem als Boxler-Anlagen bekannten Park weitgehend beibehalten wird, müssen voraussichtlich 5,5 Millionen Euro investiert werden. Dießen kann mit staatlichen Zuwendungen von 3,7 Millionen Euro rechnen- aber nur, wenn die auf zwei Jahre angelegten Arbeiten rechtzeitig bis Ende 2023 abgeschlossen sind.

Als erster Bauabschnitt ist nun vorgesehen, entlang der Boxler-Anlagen die schrägen Ufermauern zu erneuern und mit Sitzstufen aus Stein zu ersetzen, die teilweise von Stauden unterbrochen und gesäumt sind. Am Dampfersteg soll der Uferbereich nun erst nach Ende der Schifffahrtssaison 2021 angegriffen werden. Die Wegeführungen für Fußgänger und Radler im Boxler-Park werden nicht verändert, ebenso wie der Minigolfplatz. Auf einen zunächst anvisierten Barfußpfad wird völlig verzichtet, aber westlich der Brücke über den Mühlbach soll ein Schachfeld angelegt werden.

Nach einigem Hin und Her hat sich der Gemeinderat nun darauf geeinigt, die zentrale "Rialto"-Brücke zwischen Boxler-Anlagen und dem Platz vor dem Dampferanleger abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Sie soll nun mit 4,30 Meter um 1,80 Meter breiter werden als ihr Vorgänger und auf bis zu 15 Tonnen Gewicht zugelassen sein, damit sie auch von Bauhof-Lkws und Rettungswagen befahren werden kann. Die Konstruktion mit monolithischen Betonunterbau soll wie die alte Brücke leicht geschwungen über den Mühlbach führen, aber die Steigung soll minimal ausfallen, damit sie auch Menschen mit Behinderung bewältigen können. Die Stahlgeländer werden mit Holzauflagen zum Aufstützen versehen, in die eine insektenfreundliche Beleuchtung integriert ist.

Die reparaturbedürftige Bach-Überführung für Radler und Flaneure neben den Bahngleisen hinter dem Kiosk bleibt künftig Fußgängern vorbehalten - doch vor der Sanierung des Wegs muss man sich erst mit der Bahn als Grundeigentümer einigen. Die Unterführung darunter soll möglichst tief gelegt werden, so weit es Technik, Mühlbach und Hochwasserschutz erlauben. Die eiligeren Radfahrer werden künftig ohnehin durch den Ort geleitet.

Nicht angetastet werden die Fläche vor dem ADK-Pavillon und der von Bäumen überschattete Boule-Platz daneben. Die Wege sollen mit großen, bunten Natursteinen belegt werden, wie sie sich jetzt auch vor dem Café Goldammer in der Dießener Fischerei finden. Die rechteckige Wiese vor dem Anleger, auf der der geschützte Kriechende Sellerie wächst, wird nach Süden erweitert. Der Weg an der Nordseite soll mit drei Bäumen zu einer kleinen Allee gestaltetwerden, die allerdings nur kleine Kronen entwickeln dürfen, damit der Sellerie nicht zu sehr beschattet wird. Außerdem sind neue Sportgeräte am Kinderspielplatz vorgesehen. Ob das anvisierte Amphitheater realisiert werden kann, lässt sich erst nach Klärung der Eigentumsverhältnisse - auch hier ist die Bahn beteiligt - entscheiden.

Der lange Planungsprozess für die Seeanlagen - 2004 hatte der Wessobrunner Kreis einen Ideenwettbewerb veranstaltet, 2008 die Gemeinde - erklärt sich zum Teil mit dem komplizierten wasserrechtlichen Genehmigungsprozess. Zwischenzeitlich musste auch der Kiosk-Neubau vorgezogen werden. Ob und wie der Töpfermarkt während der Arbeiten 2021 stattfinden kann, ist derzeit nicht nur wegen der Corona-Lage völlig offen.

© SZ vom 16.09.2020

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