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Ammersee:Beglückender Baustau in Inning

Inning Marktplatz

Weil ihre Ortsdurchfahrt so stark befahren ist, wünschen sich die Inninger eine Querungshilfe am Marktplatz.

(Foto: Georgine Treybal)

Die Ortsdurchfahrt kann erst im kommenden Jahr saniert werden. Das freut die Gemeinde, denn sie kann sich davor noch einmal für Tempo 30 stark machen.

Was sich zunächst wie eine schlechte Nachricht für die Inninger anfühlen könnte, ist am Ende vielleicht sogar eine gute: Mit der Sanierung der Ortsdurchfahrt wird nicht mehr heuer, sondern erst im kommenden Jahr begonnen. Dies wurde erstmals in der Sitzung der Planungs- und Verkehrsausschusses am Dienstag bekanntgegeben. Traurig darüber wirkt Bürgermeister Walter Bleimaier aber nicht. Denn die Verzögerung der Bauarbeiten an der Staatsstraße mitten durch den Ort bringt einen wertvollen Zeitgewinn mit sich: Die Gemeinde will sich noch einmal massiv für eine Reduzierung auf Tempo 30 auf der stark befahrenen Durchfahrtsstraße einsetzen - und notfalls sogar den Klageweg beschreiten.

Monatelang war unklar, wann die Arbeiten an der Ortsdurchfahrt in Angriff genommen werden. Denn die staatlichen Zusagen darüber, wie viel Geld dem Staatlichen Straßenbauamt Weilheim für die Sanierung von derlei Straßen zur Verfügung stehen würde, waren lange Zeit ausgeblieben. Wie der für den Landkreis Starnberg und damit auch für Inning zuständige Abteilungsleiter Raphael Zuber in der Sitzung verkündete, ist das Budget für die Ortsdurchfahrt nun aber gesichert. Damit dies so bleibt, muss die Gemeinde schnell Entscheidungen treffen: zum Beispiel, welche Ausbauvariante sie bevorzugt.

Das Staatliche Bauamt Weilheim hat eine Variante gefunden, wie sie eine Querungshilfe trotz mehr Bushaltepunkte realisieren könnte. Auf ungeteilte Begeisterung stoßen die Pläne aber nicht. Visualisierung: Staatliches StrassenBauamt

In der gesamten Planungsphase wurden sechs Varianten durchgespielt, fast alle jedoch wiesen einen entscheidenden Nachteil auf: Platz für eine Querungshilfe, wie von den Inninger gewünscht, konnte nicht gefunden werden. Der Grund dafür liegt in den Bushaltepunkten, die im Laufe der Zeit durch die Verbesserungen im öffentlichen Personennahverkehr von zwei auf vier erhöht werden mussten. Am Ende, in Variante sechs, gelang zwar der Spagat zwischen Wünschen und Anforderungen, auf ungeteilte Begeisterung stieß dies bei den Ausschussmitgliedern jedoch nicht.

Die beiden Gemeinderätinnen der Grünen, Barbara Wanzke und Sibylle Gerhardt, fürchteten angesichts des wenigen Platzes, der an den Haltestellen verbleiben soll, um die Sicherheit der Kinder, die dort auf ihre Busse warten. Es sei nicht wie an der S-Bahn, bei der es Linien gebe, die nicht überschritten werden sollten und bei der der Zug in einer festen Spur bleibe: "Autofahrer, gerade wenn sie einen Bus überholen, weichen auch mal aus, kommen vielleicht auf den Bürgersteig", so Gerhardt. Aus diesem Grund sei zu überlegen, lieber auf die Querungshilfe zu verzichten, "auch wenn ich sie grundsätzlich gut finde, aber das macht mir Bauchschmerzen", sagte sie. Johann Ritzer vom Freien Bürgerblock Inning betonte hingegen, wie wichtig die Querungshilfe sei. Mit der Variante sechs habe man zumindest eine gangbare Lösung gefunden: "Einen Tod werden wir immer sterben müssen, aber die Querungshilfe sollte bleiben."

Eine Entscheidung, ob die Variante sechs realisiert wird, wird aber erst der Gemeinderat in seiner Sitzung am kommenden Dienstag treffen. Ebenso soll das Gremium dann auch darüber befinden, ob der Wunsch nach einem lärmmindernden Straßenbelag aufrechterhalten wird. Denn möglicherweise könnte dieser Belag die Chancen auf Tempo 30 auf der Staatsstraße im Ort wieder mindern. Wenn ein solcher Belag verbaut werde, würde von der tatsächlich gemessenen Lärmbelastung für die Anwohner wieder etwas abgezogen, so Bleimaier. Je höher der Wert jedoch ist, desto besser sind die Chancen auf die Geschwindigkeitsreduzierung, die bislang immer von den zuständigen Behörden abgelehnt worden ist.

Anlass zur Hoffnung für die Inninger gibt nun eine Berliner Anwaltskanzlei, die im Nachbarlandkreis Wolfratshausen Tempo 30 auf einer Staatsstraße durchgesetzt hat und die die Gemeinde nun mit der Sache betraut hat. Bleimaier: "Wir werden kämpfen bis zum bitteren Ende und auch vor Gericht ziehen, wenn es sein muss."

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