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Ammersee:Streit um Angelkarten

Angler am Ammersee; Geruhsame Zeiten

Hobbyangler zieht es verstärkt an den Ammersee. Hier versuchen zwei ihr Glück an der Herrschinger Uferpromenade.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Immer mehr Menschen wollen ihren Fisch selbst aus dem See ziehen - zu viele, nach Meinung einiger Berufsfischer. Sie überlegen, die Zahl der Hobbysportler zu beschränken.

Eigentlich könnten die Berufsfischer mit der Entwicklung im Ammersee zufrieden sein: Ihr "Brotfisch", die Renke, ist seit 2016 zu respektabler Größe herangewachsen, im vergangenen Jahr gingen 31 Tonnen Fische in die Maschen. Heuer aber schwankten die Fänge stark, "in den letzten zwei Wochen war es eher unbefriedigend", sagte Bernhard Ernst, Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Ammersee am Montag auf dem traditionellen Fischertag. Und noch immer forderten die Kormorane einen hohen Tribut: Auf 24 Tonnen schätzt der Biologe ihren jährlichen Konsum - den die Plagegeister vor allem an den Netzen der Fischer deckten.

Erstmals seit vielen Jahren wurde heuer beim eigentlich zum Feiern und Totengedenken gedachten Treffen auch kontrovers diskutiert. Martha Perchthold brachte die Klagen von Anglern vor: Sie befürchteten, kaum mehr Gelegenheit zu erhalten, am See ihrem Hobby nachzugehen. Perchthold fische kaum noch aktiv, sie verkaufe aber jährlich in Breitbrunn 600 Angelkarten und bekomme dabei den Ärger der Freizeitsportler zu spüren. Sie warf Ernst vor, dass die Genossenschaft hinter verschlossenen Türen über eine Beschränkung der Angelkartenvergabe berate. Ernst entgegnete, die Zahl der Hobbyfischer an den Seen habe stark zugenommen und man könne die Anglerei "nicht endlos ausweiten". Die interne Diskussion dazu sei längst noch nicht abgeschlossen. Zur Entscheidung wolle man "auch die sieben Angelkartenaussteller mit ins Boot nehmen".

Mehr Konkurrenz als durch die Hobbyfischer entstehe den Genossen durch Kormorane. Zwar sei es jetzt möglich, sie direkt am Netz vom Boot aus zu vergrämen. Doch sowie die Fischer abrückten, fielen die Vögel wieder über die Fänge her: "Der Staat hat die Pflicht, unser Eigentum zu schützen", fand Ernst - das beträfe außer dem Inhalt auch die Netze selbst, die oft von Kormoranen beschädigt werden. Wenn sich die Lage nicht bessere, müsse man über Maßnahmen reden, deren Bestand einzudämmen - die Forderung nach Schadenersatz griffe zu kurz. Sorge bereiten den Fischern auch die Gänsesäger, die zwar nur kleinere Fische in Ufernähe fressen, aber davon doch fünf Tonnen im Jahr - was sich dann auf künftige Fangerträge auswirke.

Weiter verwies Ernst auf den Mangel an Schilfzonen im Ammersee, die als Reinigungszonen für das Seewasser sowie Haubentauchern und Fischen als Kinderstube dienten. Hauptverantwortlich dafür seien die bis zu 1500 Gänse am See, die praktisch nichts mehr zu befürchten hätten: Seitdem die Jagd an Auswärtige vergeben wurde, sei eine effektive und nachhaltige Bejagung nicht mehr gegeben. Ernst kritisierte weiter, dass über die seit langem beantragte Ausweisung von Fischschonbezirken immer noch kein Bescheid vorläge: "Den Worten müssen nun Taten folgen."

Mit dem letztjährigen Ertrag von fast sieben Kilogramm pro Hektar Seefläche auch heuer zu rechnen, sei "utopisch", warnte Ernst. Die fetten Fänge seien auch der nachhaltigen Bewirtschaftung durch die Fischerei zu verdanken, die im See einen Besatz mit Jungfischen "in einem Umfang wie nie zuvor" ausgebracht hat und die Renkenfangsaison 14 Tage vorzeitig beendet. Im Frühjahr wurde dem Zander drei Wochen Schonfrist zugebilligt, für ihn und den Barsch wurden je 150 Laichhilfen versenkt. Sehr erfreulich aber sei, dass die regionalen Produkte der Binnenfischer beim Verbraucher viel beliebter sind als noch zehn Jahre zuvor und als "schmackhaftes Stück Heimat" hohes Ansehen genießen.

© SZ vom 02.07.2019
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