Ambitioniertes Programm:Immer in Bewegung

Zehn Tage lang wird in Gilching an 16 Spielorten Kunst- und Kultur präsentiert. Die Bandbreite reicht vom Jazz über Tango und Ballett bis hin zum Schuhplatteln

Von Patrizia Steipe, Gilching

16 Spielorte, 24 Veranstaltungen - zehn Tage lang gilt bei der Kunst- und Kulturwoche in Gilching das Motto "Gemeinsam bewegen". Von null auf 100 ging es beim Auftakt noch nicht. Das von Live-Auftritten entwöhnte Publikum musste allmählich wieder auf Touren kommen. Viele reagierten verhalten als die finnische Jazz-Sängerin Tuija Komi beim Auftaktkonzert zum Mittanzen aufforderte und dazu ihre Hüften auf der Bühne des Rathaussaals schwang. Dabei hatten die Bewegungskünstler des Christoph-Probst-Gymnasiums zur Einstimmung mitreißende Jonglage und Akrobatik gezeigt. An der Musik der Finnin lag die Zurückhaltung nicht - der "finn-tastische Weg" auf den die Wahlmünchnerin die rund 50 Zuhörer mitnahm, war hochmusikalisch und voller Tempo.

In der Toskana hatte Komi voller Heimweh das Lied "Land of the Midnightsun" komponiert. Melancholisch besang sie Seen und Mitternachtssonne. Dann wechselte das Stück von Moll auf Dur und die perfekt aufeinander eingestimmte Band mit Peter Cudek (Kontrabass), Stephan Weiser (Piano) und Martin Kolb (Percussion) jazzte, dass es nur so eine Freude war. Viele Stücke sang Komi auf Finnisch, was dem Ganzen eine besondere Note verlieh.

Wer den Tango nur in Argentinien verortet habe, liege völlig falsch, klärte die Sängerin auf. Finnland sei zumindest "die gute Nummer zwei", wenn es um diese Musikart gehe. Als Beweis präsentierte sie einen Tango, der beim finnischen Tangofestival den ersten Preis gewonnen hat. Miksi juuri hän (warum ausgerechnet er) lautet der Titel. Finnland ist in diesem Jahr übrigens beim "World Happiness Report" auf den ersten Platz gekommen. Angesichts des strahlenden Gesichts der Sängerin konnte man dieses Ergebnis gut nachvollziehen.

Gilching, Gymnasium, 50 Jahre Musikschule Gilching e.V.

Im Rahmen der Gilchinger Kunst- und Kulturwoche präsentieren Lilli Knieb und Daniel Fischer in der Aula des Gymnasiums das "Lied ohne Worte".

(Foto: Georgine Treybal)

Zwei Tage später beging die Musikschule Gilching mit einem Festakt in der Gymnasiums-Aula ihren 50. Geburtstag. Mit 100 Schülern hatte der Musikunterricht im Jahr 1971 begonnen. Heute werden fast 1000 Schüler in 22 Instrumental- und Vokalfächern sowie in Ballett unterrichtet. Viele Fächer seien "komplett voll und es gibt Wartelisten", informierte Musikschulleiter Roland Siegel. Lediglich bei den Blechbläsern gebe es noch freie Plätze. Vor einem Jahr konnte die Schule in der Rosenstraße ein eigenes Gebäude beziehen.

Roland Siegel, der seit 1987 die Musikschule leitet stellte im Rahmen des Festakts seinen Nachfolger Bernhard Huber vor, der derzeit stellvertretender Leiter der Musikschule Grünwald ist. Siegel wird nächsten März in Rente gehen.

In seiner Festansprache warb Marcel Huber, Präsident des Bayerischen Musikrats, für musikalischen Nachwuchs, ausgebildet in einer Musikschule. Das gemeinsame Spielen würde Spaß machen und Softskills wie Teamfähigkeit fördern. Huber forderte, dass Grundschul- und Kita-Pädagogen ein Instrument erlernen sollte, um mit den Kindern musizieren zu können.

Gilching, 7.Gilchinger Kunst-und Kulturwoche

Vor dem Rathaus stellen die Bewegungskünstler des Christoph-Probst-Gymnasiums unter Beweis, dass sie Körperbeherrschung haben.

(Foto: Georgine Treybal)

Die musikalische Bandbreite des Unterrichts bewiesen die kleinen und großen Instrumentalisten mit ihren Auftritten. Flötenlehrer Mikhail Khvostikov zeigte Virtuosität auf der Querflöte. Maximilian Sendlinger und Thomas Wegler beeindruckten durch ihr synchrones Spiel der rasanten "Erinnerungen an Zirkus Renz" auf dem Hackbrett. Es gab ein Streicher- und ein Harfenensemble, den Song "Helpless" aus dem Musical Hamilton und zwei Eleven der Ballettabteilung, die zur Musikschule gehört, Lilli Knieb und Daniel Fischer, tanzten ein Pas de deux. Am Dienstag, 12. Oktober, zeigt die Riesenband der Musikschule unterstützt von sechs Sängern die Ergebnisse des Bandworkshops.

Bis zum 17. Oktober finden weitere Konzerte, Kabarett, Kino, Tanz, Brauchtum, Literatur, Ausstellungen und Ortsgeschichte statt. Der Verein Guichinger Brauchtum lädt zu Goaßlschnoizer-, Schuhplattler- oder Volkstanzkursen ein. Unter dem Motto "Schnurrpfeifen" kann man den Klang der drei Gilchinger Orgeln kennenlernen. Das "Wanderbuch" mit Geschichten unterschiedlicher Autoren wird mit Musik am 16. Oktober im Kultcafé vorgestellt. Am 14. Oktober treten im Rathaussaal die Poetry-Slammer Max Osswald, Meike Harms und Katrin Freiburghaus mit poetischen und politischen Texten auf und die Malerinnen Manuela Hagn (Rathaus) und Lia Fischer (Schichtwerk) stellen Bilder aus.

Für die Jugend stehen Mitmachangebote bereit. "Mukuna" lädt zur Druck- und Trickfilmwerkstatt, am Abenteuerspielplatz kann man ein Kunstwerk kreieren, die Schule der Fantasie bemalt Fahnen und im Jugendtreff werden Skateboarddecks gestaltet. Außerdem hat der Zeitreise-Verein eine Schnitzeljagd über die Gemeinde verteilt. Zum Abschluss der Woche findet am Sonntag, 17. Oktober, ab 10 Uhr, ein Festumzug statt, bei dem Vereine vom Altdorf bis zum Rathaus marschieren und an verschiedenen Standorten Tanzen und musizieren. Informationen über das Programm gibt es unter kulturwoche-gilching.de im Internet.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB