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Alternative Energie:Feldafing wird Stromproduzent

Gemeinde plant Photovoltaik-Anlage und zwei Blockheizkraftwerkskessel

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Feldafing

Mit dem Projekt "Energie-Quartier" will die Gemeinde Feldafing einen aktiven Beitrag zur Energiewende leisten. Einstimmig genehmigte der Gemeinderat jetzt ein Energiekonzept, wonach mehrere kommunale Gebäude gemeinsam mit regenerativer Energie versorgt werden, die gänzlich ohne CO₂-Ausstoß auskommt. Neu ist auch, dass das Kommunalunternehmen PEWU nicht nur als Bauunternehmen fungiert. Es wird zudem Dienstleister, also auch die Versorgung der gemeindeeigenen Gebäude mit Strom und Wärme übernehmen.

Anstoß für das umfassende Energiekonzept war, dass die Heizungsanlage in der Turnhalle ausgetauscht werden muss. Zunächst sollte lediglich der Gaskessel ersetzt und im Rahmen des Energie-Quartiers in eine Gesamtanlage für Feuerwehr, Kindergarten, Bücherei sowie das Betreute Wohnen integriert werden. Das Konzept mit einer Blockheizkraftwerk-Gaskessel-Lösung hat der Gemeinderat im vergangenen Jahr verabschiedet. Nun wurde das Projekt erneut überarbeitet und dem Gemeinderat vorgestellt. Demnach sollen jetzt zwei neue Blockheizkraftwerkskessel sowie eine Photovoltaik-Anlage gebaut und statt Erdgas Biomethangas eingesetzt werden. Nach Angaben von Arthur Dornburg von der Bluemove Consulting GmbH erhöht sich dadurch die CO₂-Einsparung von 30 Prozent auf 130 Prozent, denn die neue Anlage produziert mehr Strom als benötigt wird. Dornburg betonte, dass aber keinesfalls Energie produziert werde, für die es keine Abnehmer gibt. Der Überschuss könnte aber beispielsweise zum Laden von Elektrofahrzeugen verwendet werden.

Wie Bürgermeister Bernhard Sontheim erläuterte, soll die Anzahl der kommunalen E-Fahrzeuge ohnehin sukzessive erhöht werden. Die Nachbarschaftshilfe, die das Betreute Wohnen betreibt, wolle ebenfalls komplett auf E-Autos umstellen. Zwar ist das neue Energieversorgungskonzept teurer als das bislang geplante. Der Vorteil sei jedoch, dass es dafür einen Zuschuss aus dem Förderprogramm "Kommunaler Klimaschutz" von bis zu 70 Prozent gibt. Laut Sontheim muss die Gemeinde daher "keinen Euro mehr" ausgeben.

Für die Umsetzung des Projekts sind in diesem Jahr Kosten in Höhe von 250 000 Euro veranschlagt und im kommenden Jahr 650 000 Euro. Eine entsprechende Kreditaufnahme für heuer von 250 000 Euro hat das Gremium ebenfalls einstimmig befürwortet. Den Kredit könnte die Gemeinde aus ihren Liquiditätsreserven gewähren. Ein Kfw-Kredit könnte derzeit jedoch billiger sein, sagte Sontheim, der das geplante Energie-Quartier als "wegweisendes Projekt" bezeichnete. Die weiteren Vorteile seien, dass der Gemeindehaushalt nicht belastet werde und kein zusätzliches Personal dafür erforderlich sei.

© SZ vom 18.09.2020

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