Altenheim Maria Eich:Verbindung nach draußen

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Die Modelle der Studenten zeigen, wie "Kommunikationsarchitektur" im Kraillinger Caritas-Altenheim aussehen könnte. (Foto: Arlet Ulfers)

Architektur-Studenten entwickeln Ideen, wie sich Altenheime öffnen können. In Krailling soll das umgesetzt werden

Von Sophia Linnenbrink, Krailling

Alte Menschen sind oft Meister der Erinnerung. Das können etwa Geräusche, Materialien oder Farben sein; zum Teil sind das auch Bestandteile von Architektur. Diese Gemeinsamkeit wollen die Münchner Architektinnen Jana Wunderlich und Victoria Schweyer nutzen, um das Wohnen im Alter zu verändern.

Sie arbeiten als Gastdozentinnen an der Technischen Universität in München am Lehrstuhl für Entwerfen und Gestalten und haben im vergangenen Semester ein Master-Projekt für 22 Studierende geleitet. "Gute Orte" nennt sich der Kurs und hat nach einer Zusammenarbeit mit dem Kraillinger Caritas-Altenheim Maria Eich Entwürfe angefertigt. Dort sollen sie dann umgesetzt werden. Heimleiterin Diana Sturzenhecker ist begeistert von den Plänen und bezeichnet das Vorhaben als ein "Projekt mit viel Zug".

Im Zentrum der Arbeit steht die Frage, wie sich Altenheime nach außen öffnen können, um die Kommunikation zwischen den Generationen zu erleichtern. Der daraus entstandene Begriff "Kommunikationsarchitektur" soll Schwachstellen der Baukunst beseitigen. "Architektur geht leider oft am Nutzer vorbei", erklärt Victoria Schweyer. "Der soziale Mehrwert hat uns dabei immer gefehlt", ergänzt Jana Wunderlich. Mit ihrem Projekt wollen sie die Lücke mittels direktem Austausch schließen.

Die Entwürfe sind das Ergebnis aus 150 Gesprächen mit Seniorinnen und Senioren aus Altenheimen, der Nachbarschaft und dem privaten Umfeld der Studierenden. Dabei stand die Frage im Fokus, mit welchen Orten die Altenheimbewohner gute Erinnerungen verbinden. Daraus sollen wiederum neue Orte entstehen, die diesen Erinnerungen ähneln.

Die Architektinnen Wunderlich und Schweyer wollen mit ihrer "Kommunikationsarchitektur" Orte schaffen, die man gerne besucht, die nicht gefürchtet werden müssen. "Es soll eine Verbindung von innen und außen entstehen, nicht auffordernd sondern einladend", beschreibt Masterstudent und Mitwirkender Johann-Tariq Schlingensiepen einen der Entwürfe. Der Entwurf der Studentin Li Jiang soll an geschwungenen Bauelementen zeigen, dass das Leben im Alter nicht stillsteht, sondern ein Leben in einer sich "bewegenden Landschaft" ist.

Die Erinnerungsorte aus den vielen Gesprächen wurden aufgezeichnet, in Kategorien unterteilt und eingeordnet. Zum Ende der Entwurfsphase wurde schließlich eine Arbeit ausgewählt. Dieser Entwurf zeigt einen überdachten Laubenweg mit einem Sinnesgarten. Dabei soll der Laubenweg Erinnerungen an Naturerfahrungen wecken, das Dach an Momente der Geborgenheit und Wasserelemente an einen weiten Blick aufs Meer erinnern. So finden sich die Geschichten der Heimbewohnerinnen und Heimbewohner an einem Ort wieder.

Durch die Corona-Pandemie sei den Architektinnen noch bewusster geworden, wie wichtig der Außenbereich als Erweiterung der Wohnfläche in den Altenheimen sei, berichten sie. Aus diesem Grund bietet sich in ihren Augen der Innenhof des Caritas-Altenheims als Ort der Umsetzung besonders gut an. Im kommenden Semester soll die Umsetzbarkeit geprüft werden, bevor die Umgestaltung im Altenheim beginnen kann.

"Schade, dass es nicht möglich ist, alle Ideen umzusetzen", bedauert Heimleiterin Sturzenhecker. Um den geplanten Bau zu realisieren, ist das Kraillinger Altenheim nun auf der Suche nach Sponsoren.

Die Ausstellung "Gute Orte" ist bis Mittwoch, 28. April, im Altenheim Maria Eich in Krailling zu sehen

© SZ vom 03.04.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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