"Auf eine fremde Baustelle eindringen und Transparente aufhängen. Das grenzt ja schon an Nötigung", ärgert sich Bürgermeister Christian Schiller. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hatten Unbekannte das umstrittene Baugrundstück neben dem Tengelmann an der Mühlfelder Straße betreten und ein sechs Meter langes Transparent mit der Aufschrift: "Herr Danner: Wir Herrschinger wollen diesen Schwarzbau nicht" am eingerüsteten Rohbau aufgehängt.

Auch für die Polizei ist diese Art der Meinungsäußerung nichts anderes als Hausfriedensbruch. Anzeige ist bereits erstattet worden. Die Beamten haben Ermittlungen aufgenommen und suchen nach Zeugen. Der Rohbau war im Sommer erstmals in die Schlagzeilen geraten. Bauinspektoren des Landratsamts hatten erhebliche Abweichungen vom Bauplan festgestellt und den Bau eingestellt.
Das Gebäude, in dem die Tochter des Bauherrn, Physiotherapeutin Melanie Danner, eine Praxis eröffnen möchte, war um einiges größer geworden als genehmigt. Damit sie mit der Krankenkasse abrechnen könne, müsse das Gebäude eine bestimmte Größe haben, auch wurde nachträglich der Schacht für einen Außenaufzug, den später die Patienten benutzen sollten, errichtet, rechtfertigte sich der Bauherr. Allerdings fehlten diese Änderungen auf dem genehmigten Bauantrag. Seit dem Baustopp rührt sich auf der Baustelle nichts mehr.
Im November 2010 hatte der Bauherr einen Änderungsantrag für den Bebauuungsplan in den Herrschinger Bauausschuss eingebracht. Dieser wurde einstimmig abgelehnt. Außerdem hat der Bauherr gegen den Baustopp eine Klage vor dem Verwaltungsgericht eingereicht.
Vergangenen Mittwoch hat der Bauherr seinen Bauantrag beim Starnberger Landratsamt zurückgezogen. Er wolle ein klärendes Gespräch mit der Gemeinde Herrsching führen, war laut Behördensprecher Stephan Diebl die Begründung. Das Gespräch möchte das Landratsamt abwarten. "Wenn es ergebnislos bleibt, ordnen wir den Rückbau an."