Adrienne Akontz (Grüne) Runter vom Gas

Vor mehr als 20 Jahren ist die gebürtige Münchnerin Adrienne Akontz, 47, nach Krailling gezogen. Hier engagiert sie sich für die Grünen, zehn Jahre lang war sie im Gemeinderat. Im vergangenen Sommer gab sie ihr Ehrenamt ab, das neben Beruf und Familie zuviel Zeit beansprucht habe. Nun gesteht sie: "Ich habe es schon ein bisschen vermisst."

(Foto: Georgine Treybal)

Die gebürtige Münchnerin will eine Phase der Konsolidierung einleiten

Von Carolin Fries

Für Adrienne Akontz war klar, dass sie um das Bürgermeisteramt in Krailling kämpfen würde, da hatte die Wahl noch niemand auf dem Schirm. 2020 wollte die Landschaftsplanerin antreten, "ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet, dass es jetzt schon so weit ist", sagt die 47-Jährige. Akontz hatte sich erst im Juli 2018 nach zehn Jahren aus der Kommunalpolitik verabschiedet, das ehrenamtliche Arbeitspensum war ihr neben Beruf und Familie zuviel geworden. Dann musste sie zu ihrer eigenen Überraschung feststellen, dass es ihr fehlte. "Ich interessiere mich einfach für kommunale Themen bis hin zur Friedhofssatzung", sagt sie mit einem Lächeln. Deshalb will sie nun zurück - und zwar als Chefin.

Für das Treffen zum Interview hat sie die Sanatoriumswiese gewählt, die grüne Lunge Kraillings. Sie sitzt auf einer Bank, genießt die erste Frühlingssonne. Wer sie aus dem Gemeinderat kennt, der weiß: Adrienne Akontz ist kein lauter und dominanter Mensch. Sie schätzt die sanften Töne. Das mag dazu führen, dass man sie unterschätzt. Denn was sie tut, macht sie mit großer Überzeugung und Beharrlichkeit. Im Gemeinderat galt sie als "das grüne Gewissen", war auch mit komplexen Thematiken schnell vertraut.

Vor allem aber ließ sie nicht locker. Wer ihren Fragen auswich, bekam sie erneut gestellt. Wer versuchte, ihr das Wort abzuschneiden, musste sich mit dem Versuch zufriedengeben. Die 47-Jährige hatte sich in ihren vielen Gemeinderats-Jahren Respekt erarbeitet, fachlich glänzte sie vor allem, wenn es um den Arten- und Naturschutz ging. In diesem Bereich ist sie beruflich als Sachverständige beratend für Kommunen oder Landschaftsarchitekten tätig. Doch auch ihre ruhige Art und ihr stets versöhnlicher Ton beeindruckten, mögen die Debatten auch noch so hitzig gewesen sein.

Nun blinzelt die gebürtige Münchnerin, die seit mehr als 20 Jahren mit ihrem Mann in Krailling lebt und hier ihre zwei Söhne, zwölf und 16 Jahre alt, großzieht, in die Sonne und sagt: "Die vorgezogene Wahl hat einen großen Vorteil. Vieles ist nicht zu Ende entschieden. Es sind noch Korrekturen möglich." Vor allem beim geplanten Betreuten Wohnen, welches das Altenheim Maria Eich in einem Anbau ergänzen soll. Aktuell laufen Untersuchungen zur Erfassung vorhandener Arten auf dem Gelände - Zeit, die Akontz gerne nutzen würde, um offene Fragen zu klären. "Wie hoch ist der Bedarf in Krailling tatsächlich, wie viele Plätz fehlen in der Tagespflege, wo ist die Not am größten?" Sie sagt, sie habe im Gemeinderat immer das Gefühl gehabt, dass die Planung durchgedrückt werden sollte. Dabei seien längst noch nicht alle Fragen geklärt.

Ähnlich geht es ihr mit der Neugestaltung der Ortsmitte, die nun nach gescheiterter Submission zumindest gestalterisch wieder zur Diskussion steht. In den umstrittenen Fragen zur Nutzung und Gestaltung des Paulhanplatzes schlägt sie ein schrittweises Vorgehen vor: "Erst einmal sollte man was probieren ohne Wege und Bäume", sagt Akontz, "um zu sehen, wie die Fläche genutzt wird". Das Problem neu angelegter Plätze sei ja oft, dass die Menschen fehlen. Gleiches gilt für den Wochenmarkt, der vom Brauerei-Parkplatz auf den Paulhanplatz umziehen soll. "Ich finde es schon gut, dass auf dem Platz was stattfindet." Doch sollte sich zeigen, dass der Markt hier nicht funktioniere, dann könne man zurück auf den Parkplatz.

Soviel zu den laufenden Prozessen im Rathaus. Doch Akontz denkt bereits weiter. Sie treibt der Flächenverbrauch in der Region um, der kaum bezahlbaren Wohnraum hervorbringt. Mit der EOS-Erweiterung in der KIM, wo knapp 700 neue Arbeitsplätze entstehen, verschärfe sich die Lage auch in Krailling. Deshalb gelte es, mehr auf städtebauliche Verträge zu setzen, "sparsamer, vorausschauender und generationengerecht" zu handeln. Deshalb ist ihr vor allem die Haushaltspolitik der Gemeinde ein Dorn im Auge. "Immer wieder hat die Gemeinde Flächen für teures Geld verkauft, es gibt keine Bevorratung", kritisiert sie, auch nicht finanziell. Für die Sanierung der Grundschule muss die Gemeinde in den kommenden Jahren wohl Schulden machen.

Das ärgert Akontz. Ebenso wie die immer wieder auflodernde Debatte, ob die KIM womöglich in den Kreuzlinger Forst hinein erweitert werden kann. Sie will das nicht ausschließen, irgendwann, "wenn die Rahmenbedingungen passen". Die nächsten Jahre aber gelte es noch, die erfolgten Eingriffe auszugleichen. Sie will grundsätzlich weg von den vielen Bauprojekten, die die Gemeindeverwaltung und den Gemeinderat blockieren. Den hektischen Jahren des Höher, Schneller und Weiter müsse eine Konsolidierungsphase folgen. Andere Themen gehörten ins Zentrum gerückt, etwa die Energiewende. "Entgegen unserer Absicht ist der Stromverbrauch in Krailling laut Energiebericht seit 2013 gestiegen", sagt sie. Die Zahl der Autos habe zugenommen, der Anteil erneuerbarer Energien sei mit 9,7 Prozent viel zu gering. Hier müsse die Gemeinde Anreize schaffen, gerade bei der Sonnenenergie sieht Akontz noch viel Potenzial. Die zwei existierenden Bürgersolaranlagen seien sehr beliebt - warum gibt es nicht mehr? Sowohl die Gemeinde selbst als auch das Regionalwerk müssten sowohl für den Privatmann als auch für die Gewerbetreibenden mehr Anreize und Angebote schaffen, "eine Energieberatung im Rathaus ist zu wenig".

Letztlich, so Akontz, stehe doch der Mensch im Mittelpunkt. Sie beobachtet das rege Treiben auf der Sanatoriumswiese, auf der in der Vergangenheit schon manche Traumschlösser gebaut wurden. Jogger, Spaziergänger und Radfahrer begegnen sich hier an diesem Nachmittag auf dem Sonnenweg, der tatsächlich so heißt. Und was die Begegnung betrifft: Für den abgelegenen Ortsteil Pentenried will sich Adrienne Akontz für die Einrichtung eines Dorfladens einsetzen, der zugleich Treffpunkt sein soll. Das wäre ihr sehr wichtig. Dann unterbricht die sanfte Melodie ihres Handys: "Für Elise".