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Abschied nach sechs Jahren:"Ja red's halt miteinander"

Bruno Habersetzer geht in den Ruhestand; Am Tutzinger Gymnasium

„Wenn man vernünftig mit den Leuten gesprochen hat, sind Konflikte nie eskaliert“: Bruno Habersetzer, scheidender Direktor des Gymnasiums Tutzing.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Bruno Habersetzer, Direktor des Tutzinger Gymnasiums, versteht sich als Kommunikator. Vor seinem letzten Tag spricht er über das Schulklima, Handys, Abistreiche und seine eigenen Pläne für den Ruhestand

Der Direktor fühlte sich am wohlsten, wenn er Schülern seine geliebten Fächer Deutsch und Französisch nahe bringen konnte. Bruno Habersetzer gewann als Leiter des Tutzinger Gymnasiums aber auch der überbordenden Schulbürokratie mit all ihren juristischen Fallstricken Positives ab - im Bestreben, der Schulfamilie Freiräume zu erhalten. Wenn er jetzt nach sechs Jahren in den Ruhestand geht, sieht er das beliebte Gymnasium direkt am Ufer des Starnberger Sees in gutem Fahrwasser. Welche neuen Herausforderungen der scheidende Direktor für die 750 Schüler und knapp 70 Lehrer erwartet, was ihm in Tutzing besonders gefallen hat und was er persönlich vorhat, verrät der 63-Jährige, bevor er am 24. Juli offiziell verabschiedet wird.

SZ: Sie haben als Lehrer an der Europäischen Schule in Brüssel gearbeitet. . .

Bruno Habersetzer: . . . das ist die Schule, auf der auch Frau von der Leyen als Schülerin war. Und übrigens auch Boris Johnson.

Kaum zu glauben. Sie beenden nun ihre Karriere am Tutzinger Gymnasium, am Dorf. Was fanden Sie da reizvoll?

Ich war zuvor stellvertretender Schulleiter in Würzburg, dann am Maria-Theresia-Gymnasium in München. Eine reine Stadtschule, enger Pausenhof hinten raus, vorn fährt die Straßenbahn. Ganz starker Kontrast zu Tutzing. Die Lage am See ist einmalig, die Schüler sind viel entspannter als die Kinder mitten in der Großstadt.

Wie sind die Eltern? Sind die kritischer und drohen mal schnell mit ihrem Anwalt?

Nein, das ist so ein Ruf, der Tutzing vorauseilt. Wenn man vernünftig mit den Leuten gesprochen hat, sind Konflikte nie eskaliert. Mein Motto war immer das des früheren Münchner Schulrats Anton Fingerle: "Ja red's halt miteinander".

Also ein gutes Schulklima?

Ein sehr harmonisches und konstruktives Klima, mit dem Kollegium, mit dem Elternbeirat. Der ist sehr aktiv, hat den Stein ins Rollen gebracht mit der Übernahme des Gymnasiums durch den Landkreis.

Ein langwieriges Verfahren. . .

Wir hatten ja im Juni einen Runden Tisch, bei dem das Procedere abgesteckt wurde. Jetzt ist der Kreistag am Zug. Ich hoffe sehr, dass bis Ende Schuljahr 2019/20 die Trägerschaft wasserdicht gemacht ist. Allerdings kommt die Kommunalwahl dazwischen. Das ist ein großes politisches Fragezeichen: Wie steht der neue Landrat oder die neue Landrätin dazu? Aber im letzten Jahr ist mehr erreicht worden als alle fünf Jahre zuvor. Darüber freue ich mich.

Was sind die speziellen Akzente, die das Gymnasium jenseits der Schwerpunkte Wirtschaft und Sprachen setzt?

Ich bin sehr stolz auf die Schulküche unter Leitung von Margit Kleber, Stichwort "Kulturmanagment". Eine ziemlich einmalige Sache, dass Schüler gesundheitsbewusst und regional kochen und gemeinsam essen. Sie machen auch Catering für Veranstaltungen. Der Wahlkurs ist sehr gefragt, 50 bis 60 Schüler belegen ihn. Er gehört zum Gesamtkonzept "Ganzheitliche Erziehung" bei uns, genauso wie das Projekt "Zehn für Zukunft". Da erarbeiten besonders interessierte Zehntklässler aus mehreren Gymnasien zwischen München und Garmisch Zukunftsthemen mit der Akademie für Politische Bildung.

Viele Schüler erinnern sich später vor allem an die Wassersportwoche.

Das ist eine tolle Sache für unsere Siebtklässler. Mit den örtlichen Vereinen bieten wir direkt an der Schule Segeln, Surfen, Rudern. Die Wasserwacht ist dabei. Und der Direktor schaut mit Sorge auf den Wetterbericht. Bitte kein Sturm, kein Gewitter!

Was kommt in Zukunft auf die Schule zu?

Wichtiges Thema ist Digitalisierung. Das geht beim Handyverbot los - ja oder nein. Ich denke, dass mein Nachfolger (der bisherige Stellvertreter Andreas Thalmaier, Anm.d.Red.) das sehr bewährte und akzeptierte Handyverbot an der Schule beibehält. Das grenzt einfach auch Cybermobbingfälle ein.

Sie hatten welche?

Die gibt's heute leider an jeder Schule, so unschön das ist.

Also Handy nein, aber E-Unterricht?

Das ist die Zukunft. Die Schüler lernen ja heute schon immer mehr mit Youtube-Videos. Wir werden 60 Tablets erhalten mit Wlan, die kommen aus dem bundesweiten Digitalpakt Schule. Noch fehlt aber der nötige Breitbandausbau. Ich hoffe, dass auch bald etwas mit dem Speichern von Lehrbüchern auf Laptops voran geht.

In Tutzing haben sich bei den Abiturienten wie an anderen Schulen Flugreisen etabliert. Ist das zeitgemäß?

Man sollte sich tatsächlich was Neues zu den Abiturfahrten überlegen. Statt wie bisher nach Lissabon oder Barcelona zu fliegen wäre meine Idee, dass die Schüler, die sich bei "Fridays for Future" engagieren, Alternativen entwickeln.

Abiturienten melden heute ihre Abiturstreiche brav im Direktorat an. Wo bleibt da noch die Überraschung?

Leider sind die Abi-Streiche teilweise aus dem Ruder gelaufen. Letztes Jahr auch bei uns, als wir trotz Absprachen unschöne Erfahrungen machen mussten. Schüler hatten im Schulgebäude Schnüre gespannt und Schikanen aufgebaut. Wir mussten in zwei Fällen den Notarzt holen, weil sich ein Schüler den Fußgebrochen hat und ein Lehrer von einem herabfallenden Gegenstand im Genick getroffen worden war. Diesmal wurde deshalb alles nach draußen verlagert. Wir hatten ein prachtvolles, sehr gelungenes Fischerstechen, ohne Aggressionen, sehr lustig. Das tollste Erlebnis, das ich an dieser Schule hatte.

Was planen Sie für Ihren anstehenden Ruhestand?

Ich werde mein Waldhorn wieder hervorholen. Der Kulturkalender füllt sich schon mit Besuchen in außergewöhnlichen Konzertsälen wie der Elbphilharmonie. Außerdem wird mich unser sieben Monate alter Labrador auf Trab halten. Statt Schulpädagogik ist jetzt Hundeerziehung angesagt.

© SZ vom 17.07.2019
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