AbschiebungenJeden Tag ein Kind zu viel

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Gegen die Abschiebung einer Mutter und ihrer Kinder aus Berg nach Nigeria demonstrieren auch zahlreiche Familien.
Gegen die Abschiebung einer Mutter und ihrer Kinder aus Berg nach Nigeria demonstrieren auch zahlreiche Familien. (Foto: Nila Thiel)

Fast täglich wird ein Kind aus Bayern abgeschoben. Viele kennen nur Deutschland als Heimat, sprechen die deutsche Sprache, gehen hier zur Schule. Dann kommt die Polizei – meist nachts. Die Unmenschlichkeit gehört zur alltäglichen Praxis.

Kommentar von Jessica Schober

Eine Mutter springt nachts aus dem Fenster. Was wie ein grotesker Romananfang klingt, ist in der Region München bittere Realität geworden. Die Verzweiflung über ihre bevorstehende Abschiebung trieb eine Alleinerziehende zum Sprung. Ihre beiden Kinder wurden dennoch mit ihr nach Nigeria ausgeflogen – in ein Land, das sie noch nie gesehen haben.

Dieser Fall ist kein Einzelschicksal, sondern macht eine systematische Praxis sichtbar: 2024 wurde im Durchschnitt fast täglich ein Kind oder Jugendlicher aus Bayern abgeschoben. Bis September 2025 waren es bereits 278 Schul-, Kindergarten und Kleinkinder – und somit 278 Biografien, die eine radikale Wendung erfuhren. Viele dieser Kinder sind in Deutschland oder Europa geboren, wie die elfjährige A. und der siebenjährige D. aus Berg. Nach der europäischen Menschenrechtskonvention müssten sie besonderen Schutz genießen.

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Die nächtliche Abschiebung der Familie O. offenbart die Unmenschlichkeit des Behördenhandelns: Kindeswohl wird ignoriert, Integration zunichtegemacht, menschliche Würde bleibt auf der Strecke. Kein Kind kann sich selbst eine Bleibeperspektive erarbeiten. Doch Einzelfälle werden offenbar nicht mehr geprüft: Auch in Deutschland geborene Kinder hängen vom Aufenthaltsstatus ihrer Eltern ab.

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Besonders zynisch: Da Nigeria als „sicheres Herkunftsland“ gilt, interessiert die Behörden nicht, dass etwa das elfjährige Mädchen dort womöglich Opfer von Genitalverstümmelung werden könnte, wie es schon andere Geflüchtete aus dem Landkreis Starnberg befürchteten. Auch ökonomisch ist diese Politik kurzsichtig: Abschiebungen sind teuer, risikoreich und schaffen junge Menschen außer Landes, die als Fachkräfte fehlen werden. Es ist nicht nur bitter für Ehrenamtliche, wenn der Sitzplatz eines Schulkindes, mit dem sie lange Deutsch geübt haben, plötzlich leer bleibt. Es ist verstörend für eine Gesellschaft, wenn alle Bemühungen um Teilhabe derart zunichtegemacht werden. Der Linke-Politiker Dietmar Bartsch hat recht: Kinder gehören in die Schule, nicht in den Abschiebeflieger.

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