Süddeutsche Zeitung

Umfrage:Bürger sollen Wertstoffhöfe bewerten

Die Abfallwirtschaft im Landkreis startet eine umfassende Untersuchung - mit offenem Ergebnis.

Von Manuela Warkocz

Wer demnächst auf dem Wertstoffhof Flaschen und Kartons loswerden will, trifft womöglich auf einen freundlichen Menschen, der danach fragt, wie zufrieden man mit der Einrichtung ist und welche Verbesserungen man sich wünschen würde. Denn das Kommunalunternehmen für Abfallwirtschaft im Landkreis Starnberg (Awista) startet im März eine groß angelegte Untersuchung. Die 17 Wertstoffhöfe, zwei Grüngutsammelstellen und das Kompostierwerk in Hadorf, die unter Awista-Regie laufen, soll ein externes Büro begutachten.

Das Ergebnis der Kundenbefragung könnten zusätzliche Abgabemöglichkeiten für weitere Wertstoffe sein oder auch einheitliche Öffnungszeiten, wie Awista-Sprecher Sebastian Roth sagte. Da die Wertstoffhöfe früher in der Hand der Gemeinden waren, haben sich bis heute unterschiedliche Strukturen erhalten. Nicht ausgeschlossen ist aber auch, dass es zu Schließungen einzelner Einrichtungen kommt. Er wolle dem Ergebnis nicht vorgreifen, sagte Roth, jedoch: "Wir erwarten uns von diesem Wertstoffhof-Screening Synergieeffekte", formuliert Roth in schönem Unternehmensberater-Deutsch. Die Untersuchung ist über den ganzen Sommer geplant, Ergebnisse soll der Awista-Vorstand im Herbst diskutieren.

Anlass für die Nachfrage, was der Awista in nächster Zeit plant, war ein Vorstoß der CSU in Tutzing. Dort wurde die Überlegung laut, den Wertstoffhof zu verlegen. "Rathaus, Kirche, Wirtshaus" - so sehe doch der klassische Dreiklang in der Mitte bayerischer Dörfer aus, sagte CSU-Gemeinderat Thomas von Mitschke-Collande im Umweltausschuss an, um dann auf die verkehrte Welt in Tutzing zu sprechen zu kommen. Da heiße es nämlich: "Rathaus, Kirche, Wertstoffhof". Ob man letzteren nicht woanders ansiedeln solle, regte er an. Immerhin habe man schon unter Bürgermeister Stefan Wanner (2008 bis 2014) begonnen, nach einem Alternativgrundstück zu suchen. Bürgermeisterin Marlene Greinwald äußerte deutlich, dass sie dem Wertstoffhof derzeit keine Priorität gibt, das Thema aber durchaus für diskussionswürdig erachtet. Ihrem Eindruck nach dürften Tutzinger durchaus unterschiedlicher Meinung sein: Die einen fänden den Standort an der Oskar-Schüler-Straße in der Ortsmitte attraktiv, vor allem wenn sie zu Fuß kämen; andere würden eher die Sicherheit der Schulkinder gefährdet sehen, wenn Container dort morgens an- und abtransportiert würden.

Diese Situation hat auch der Awista auf dem Schirm. Zwar gäbe es auch in anderen Kommunen die Problematik mit Wertstoffhof und Schulweg, "aber nicht so krass wie in Tutzing", räumt der Awista-Sprecher ein. Dennoch sei von Awista-Seite derzeit nicht an eine Verlegung gedacht, mittel- bis langfristig eventuell, "da sind wir im selben Tenor wie die Bürgermeisterin". Die gab mit Hinweis auf die geplante Untersuchung zu bedenken, dass im Ergebnis vielleicht mehrere Wertstoffhof-Standorte zusammengelegt werden und Tutzing womöglich gar keinen eigenen Wertstoff mehr zugesprochen bekommt. Im Tutzinger Ortsteil Traubing bringen viele Bürger ihre Abfälle sowieso schon lieber zu den Wertstoffhöfen nach Pöcking und Feldafing.

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Quelle:
SZ vom 01.03.2021
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