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925-Jahr-Feier in Krailling:Spektakel für Tausende

Zum Jubiläum präsentiert sich Krailling von seiner besten Seite. Es gibt einen lustigen, zweisprachigen Gottesdienst und ein großes Kinderprogramm. Nur die Kunsthandwerker sind unzufrieden

Christiane Bracht

Warum gab es 900 Jahre kein Jubiläum in Krailling? Die Gemeinde musste warten, bis Christine Borst Bürgermeisterin wurde. Das ist jedenfalls die Antwort, die dem evangelischen Pfarrer Bernhard Liess und seinem katholischen Kollegen Anicet Mutonkole in einem witzigen Dialog beim Festgottesdienst der 925-Jahrfeier einfällt. Die Gläubigen haben anders als sonst viel zu Lachen während der ökumenischen Feier auf der Sanftl-Wiese, auch wenn sich schwarze Wolken über ihnen zusammenbrauen, die manch einen bang zum Himmel schauen lässt. Mutonkole hält sogar einen Teil des Gottesdienstes für die Gäste aus der Partnerstadt in Französisch. Immerhin 50 Paulhaner sind angereist, darunter auch einige Künstler, die auf dem Kult-Art-Festival erstmals eine Ausstellung präsentieren.

Kraillinger Festzug

Kraillinger Festzug Krailling Festzug

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Zusammen mit ihrem französischen Amtskollegen Bernard Soto und den Würmtalbürgermeistern Annemarie Detsch und Christoph Göbel führt Borst den langen Festzug durch den Ort an. Fahnenabordnung aller Vereine aus Krailling und den Nachbargemeinden laufen mit, meist in Tracht oder Uniform. Die Grundschüler halten Strohgirlanden und Blumengestecke in den Händen. Der Spielmann- und Fanfarenzug aus Gilching hat teilweise mittelalterlicher Tracht an und zieht eine kleine Schatztruhe hinter sich her. Die Waldkirche hat ein Modell ihres Gotteshauses gebastelt, das bei dem starken Wind auf der Sanatoriumswiese allerdings fast umgeweht wird, und ein Wagen mit zwei Flößern, die einst auf der Würm unterwegs gewesen sein sollen, begleitet den Zug ebenfalls. An den Straßenrändern winken die Leute begeistert mit Fähnchen, andere haben sich sogar Stühle auf den Gehweg gestellt, um in Ruhe den Zug anschauen zu können. Sie machen zahlreiche Schnappschüsse von dem seltenen Spektakel. Viele begleiten den Zug zum Festgelände, wo sie von den ohrenbetäubenden Salven der Böllerschützen begrüßt werden.

Passend zum Beginn des Festes reißt der Himmel auf und die Sonne strahlt. Das Festzelt füllt sich schnell, und vor den Essens und Getränkeständen bilden sich lange Schlangen. Borst freut sich über das gelungene Festival: "Am Samstag waren so viele Besucher da wie noch nie zuvor", schwärmt sie. Als Initiatorin hat sie das Kult-Art immer besonders im Blick. Besonders stolz ist sie, dass die Sanftl-Wiese ausnahmsweise für die 925-Jahrfeier geöffnet wurde - "zum zweiten Mal überhaupt, und das erste Mal ist schon sehr lange her", sagt sie.

Die etwa 60 Kunsthandwerker sind indes nicht ganz so begeistert vom neuen Konzept des Festivals. "Früher waren wir integriert, jetzt sind wir abgeschoben", klagt Susan Bekking aus Berlin, die schon sieben Mal ihre Taschen auf dem Kult-Art verkauft hat. Diesmal sind die Stände der Kunsthandwerker im so genannten Theaterstadl an der Pentenrieder Straße und hinter dem südlichen Bauhofgebäude aufgebaut. Von der lauten Blasmusik im Festzelt bekommt man dort kaum etwas mit. In den Jahren zuvor war es den meisten zu laut gewesen, nun klagen sie, dass es "zu ruhig" sei. Nur etwa die Hälfte der Besucher komme überhaupt an die Stände, moniert Roland Hurle, der auch schon zum sechsten Mal in Krailling ist. "Die Tore an der Rückseite des Bauhofgebäudes müssten offen sein", sagt Gudrun Driller aus Planegg, die auch schon zum dritten Mal Keramik auf dem Kult-Art anbietet. Außerdem müsse der Markt viel besser ausgeschildert sein. "Viele finden ihn gar nicht erst", klagt sie. Eine andere Händlerin ist wenig begeistert von der großen Konkurrenz. Denn die meisten Stände verkaufen Schmuck.

Das umfangreiche Kinderprogramm hinter dem Festzelt kommt dagegen sehr gut an und das nicht nur bei den Familien. Die Kinder sind voller Eifer dabei: Gemüsesuppe kochen über dem offenen Feuer, Wäsche waschen wie vor 100 Jahren mit Waschbrett und Zuber, Trommeln basteln oder Vasen töpfern auf einer Drehscheibe. Wildes Hämmern ist die ganze Zeit zu hören. Die Kinder versuchen, aus einem Stück Kupfer einen Schöpflöffel herzustellen. Manchmal freilich treffen sie nicht das Kupferstück, sondern den Finger.

Erstmals ist es der Gemeinde heuer auch gelungen, Jugendliche auf das Festival zu locken. Auf der Sanatoriumswiese ist eine große Hochseilkletterwand aufgebaut. Eine echte Attraktion, wie das ganze Festival.

© SZ vom 09.07.2012
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