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50 Jahre Mondlandung:Starnberger Apollo-Mission

Starnberg Söcking, Mondkapsel

Ferdinand, Kurt und Susanne Scheuer (v. li.) aus Söcking hatten die Idee für die Mondmission in einer sternenklaren Nacht im Urlaub.

(Foto: Georgine Treybal)

Knapp 40 Kilometer hoch in die Stratosphäre soll die nachgebaute Mondkapsel fliegen, die eine Starnberger Familie am Samstag an einem Heliumballon steigen lässt - und die irgendwo in der Region wieder aufsetzen wird.

Die Mission kann beginnen. Die Familie Scheuer und Ulrich Krzyminski haben ihr den Namen "Apollo reloaded" gegeben. 50 Jahre nachdem Neil Armstrong den Mond betreten hat, wollen sie dem Trabanten so nahe kommen, wie es Hobbytüftlern möglich ist. "Eine Rakete zu bauen, haben wir schnell verworfen, zu viel Aufwand und auch luftrechtlich schwierig", sagt Krzyminski. "Wir sind ja auch keine Raketenwissenschaftler." Wohl aber Ingenieure und als solche "immer mit einem günstigen, effizienten Wirkungsgrad im Kopf", sagt der 53-Jährige. Die zündende Idee hatten sie Anfang des Jahre, bei einem gemeinsamen Urlaub in Argentinien, als sie in den klaren Nachthimmel blickten: ein Wetterballon! Die Familie aus Söcking und der Unternehmer aus Kronberg im Taunus planen den Start für diesen Samstagabend auf einer Wiese am Starnberger Ortsrand.

Um 18 Uhr lassen sie eine im Maßstab 1:10 nachgebaute Mondkapsel mit einem Gewicht von etwa zwei Kilogramm an einem Heliumballon etwa 40 Kilometer weit in den Himmel steigen. Das entspricht zwar lediglich einem Zehntausendstel des Abstands zum Mond, der Ballon erreicht indes schon die sogenannte "Near Space"-Region. Flugzeuge fliegen gewöhnlich auf einer Höhe von etwa zehn Kilometern. Der Ballon wird sich auf dem etwa zweistündigen Flug auf bis zu fünf Meter Durchmesser ausdehnen, bis er schließlich zerplatzt und die Kapsel an einem Fallschirm langsam zurück zur Erde segelt. Hit Hilfe eines integrierten, blinkenden GPS-Trackers wollen die Crewmitglieder die Kapsel dann aufspüren und die Bilder zweier hochauflösender Kameras an Bord auswerten, von denen sie sich spektakuläre Bilder von Seen und Bergen, von Erde und All erwarten. Die Kapsel aus Balsaholz, einer rohrförmigen Verpackung einer Whiskyflasche, Klebestreifen, Schaumstoff und Silberlack hat Krzyminski in den vergangenen Tagen "in gar nicht so vielen Stunden" gebaut.

Nachgebaute  Mondkapsel von ´Apollo reloaded`

Die Kapsel im Maßstab 1:10.

(Foto: Privat/oh)

Auch eine Startgenehmigung des Luftamtes der Regierung von Oberbayern liegt vor - "jetzt müssen wir nur noch die Windverhältnisse am Starttag berechnen", sagt Ferdinand Scheuer. Der 27-Jährige studiert Produktdesign in Wien und hat die Zeichnungen für die Mission angefertigt. Er hofft, dass alles klappt. Größtes Risiko ist die Landung, weil sich nicht genau vorhersagen lässt, wo die Kapsel wieder auf die Erde trifft. "Das können wir nur grob eingrenzen auf einen Bereich zwischen 30 und 150 Kilometer." Die Kapsel kann also im Gebirge landen, im Starnberger See einschlagen oder aber in einen Privatgarten segeln. Für letzteren Fall sowie für Spaziergänger, die das vermeintliche Ufo finden, steht eine Telefonnummer auf der Konstruktion. "Wir werden jedenfalls alles versuchen, die Mondkapsel zu finden", versichert Ferdinand Scheuer.

Nachgebaute Mondkapsel startet anlässlich des 50. Jahrestags  der Mondlandung in Starnberg

Einmal fast ins All und zurück: Diese Zeichnung von Ferdinand Scheuer beschreibt die Mission "Apollo 11 reloaded" über Starnberg.

(Foto: Privat/oh)

Er ist genauso begeistert von dem Mondprojekt wie seine Eltern Susanne und Kurt. Letzteren faszinieren dabei vor allem die technischen Aspekte, wie er sagt. Ulrich Krzyminski lernte er im Maschinenbaustudium an der TU München kennen, "er war der jüngste Student, ich der älteste", erzählt der 61-Jährige. Wenn sie in diesen Tagen telefonieren, dann als "Flight Director" und "Payload Engineer", also der für die Ladung zuständige Ingenieur, so steht es auf den Plastik-Chipkarten, die sie sich haben machen lassen. Auch aufnähbare Buttons und Aufkleber mit Mondkapsel gibt es. Das Ganze erinnert ein bisschen an einen Detektivclub, wie ihn Grundschüler erfinden - nur dass die Mitstreiter erwachsen und über die ganze Welt verteilt sind. Die Initiatoren haben ihre Idee nämlich im Frühjahr auf der Crowdfunding-Plattform "Kickstarter" beworben. 30 Unterstützer haben sie dort gewonnen, die insgesamt 1393 Euro gezahlt haben. Etwa zehn der Mitstreiter sind Freunde aus dem Raum Starnberg - die anderen kommen aus aller Welt, darunter ein Investor aus dem Silicon Valley und ein Satelliten-Ingenieur aus Kanada. Ein amerikanischer Freund von Ulrich Krzyminski, der für den Nasa-Lieferanten Kodak an Weltraumprojekten mitgearbeitet hat, sei ebenfalls ein begeisterter Mitstreiter.

Am Küchentisch der Scheuers laufen derweil die letzten Vorbereitungen. Mutter Susanne präpariert ein Gummibärchen mit Hosenträgern, das in der Kapsel mitreisen soll - das war der Wunsch von Helmut Rösele. In seinem Starnberger Kopierladen wurden die Pläne für die Mission ausgedruckt. An Bord wird zudem ein Homburg-Hut-Anstecker in Richtung Mond reisen sowie ein paar Gramm Schokolade eines Bad Homburger Chocolatiers. Kurt Scheuer kann theoretisch auch etwas mitgeben, als "Payload Engineer" steht ihm ein Ladekapazität von 50 Gramm zu. Doch was soll er ins All schicken? Schmuck? Oder eine persönliche Botschaft? "Wer eine gute Idee hat: Ich bin bereit, meinen Platz abzutreten", sagt er. Interessenten können sich bei ihm unter Telefon 0176/27652905 melden. Over and out.

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