Starkbierfest:"Trudering first"

Lesezeit: 2 min

Wie mache ich eine Marke aus mir? Beim "Ventil", dem Starkbierfest im Münchner Osten, serviert Fastenprediger Winfried Frey den Politikern als "Wicki Lügs" Tipps aus Donald Trumps Amerika

Von Renate Winkler-Schlang, Trudering

Winfried Frey, der Bayer, klingt, als hätte er einen Riesenkaugummi im Mund: "Trudering" spricht er aus wie ein Ami. Genau dort, in den USA, ist der Stadtteil ja bestens bekannt, seit Kanzlerin Angela Merkel ausgerechnet im Bierzelt bei der Truderinger Festwoche der Welt erklärt hat, wie Europa reagieren muss auf Donald Trump. Nun muss Trudering seinem Ruf gerecht werden. Hiesige Politiker müssen alles tun, um ihre Bekanntheit zu steigern, meint "Wicki Lügs", der von drüben in die alte Heimat zurückgekehrte Berater für "Trudering first" - eine Rolle, die Winfried Frey sich fürs 18. Starkbierfest des Kulturzentrums, das "Truderinger Ventil" wieder auf den Leib geschrieben hat.

Truderinger Ventil, der Nockherberg des Münchner Ostens, im Kulturzentrum, Wasserburger Landstraße 32

Konservativ ist das neue Sexy: Markus Blumes Spruch wird verkörpert von Julian Wittmann.

(Foto: Florian Peljak)

Zu beraten gibt es in dieser besonderen Zeit zwischen Regierungsbildung in Berlin und Landtagswahl in Bayern eine Menge Kandidaten. Claudia Tausend zum Beispiel, die SPD-Bundestagsabgeordnete, habe ja ein ganz nettes Pseudonym: "Schon mal besser als Hundert." Neunhunderttausend aber klänge schöner. Wolfgang Stefinger, ihr Pendant von der CSU, hätte aus seinem nichtssagenden Wahlkampfplakat mit dem "Schöne Ferien-Wunsch" eine Single-CD für die volkstümliche Hitparade machen sollen. Die Angesprochenen tun, was Pflicht ist: Sie lächeln beim Derblecktwerden. Das machen auch die Landespolitiker Markus Blume, Markus Rinderspacher und Natascha Kohnen. Der Redner schaut aber auch auf die Niederungen des Bezirksausschusses, wenngleich er diesen für "unnötig wie einen Blinddarm" hält. "Bauen, bauen, bauen", das sei nun mal das Thema der lokalen Politik. "Das alte kleine Austragshäusl weg, der moderne energieeffiziente Mehrfamilienwohnklotz hin", so laute das Truderinger Bauherrenmodell.

Truderinger Ventil, der Nockherberg des Münchner Ostens, im Kulturzentrum, Wasserburger Landstraße 32

Winfried Frey liest den versammelten Politikern die Leviten im Mafioso-Outfit.

(Foto: Florian Peljak)

Manchmal aber solle auch nicht gebaut werden: Die Bürgerinitiativen gegen Wohnen für alle auf der Unnützwiese und gegen Wohnblöcke an der Fauststraße kriegen von Frey ihr Fett weg. Und erst recht die Beteiligten beim immer noch nicht geglückten Grundstückstausch Altes Rathaus gegen eine Fläche am Rappenweg. Dass Frey selbst durch und durch begeisterter Truderinger ist, merkt man noch deutlicher, als er den jahrzehntelangen Konkurrenzkampf der Truderinger Buam mit den Truderinger Burschen aufs Korn nimmt.

Applaus fürs Singspiel, wo sich Landespolitiker und solche, die es werden wollen wie Bürgermeister "Beppi" Schmidt oder Gabriele Neff von der FDP in der Bar des Landtagscasinos treffen, wo Kohnen auf "Rouge" setzt, Blume sexy ist, Markus Rinderspacher groß kariert und Stadtrat Herbert Danner von Schwarz-Grün träumt.

Am Ende kommt Merkel, schimpft auf die Groko und alle sind sicher, dass Bavaria viel besser ist als Amerika. Frey hat fürs Ventil wieder eine super Truppe zusammengestellt, die Doubles haben sich hineingefühlt und -gespielt in ihre Rollen, ihre Songs waren auf den Punkt gebracht. Mit den Kleeblatt Showgirls und dem Dixie Sauhaufen alles sehr gelungen. "Heute war es so gut wie noch nie", das haben die Zuschauer bei jedem Ventil gesagt. So auch dieses Mal. "Ganz großes Kino", fand CSU-Vizegeneralsekretär Blume. Aber ihm wurde ja auch angeraten, schnell Ministerpräsident zu werden. Besser sei er als "Der-dessen-Name-man-nicht-nennen-soll".

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