Brauchtum in der FastenzeitHier wird kräftig eingeschenkt: Münchens beste Starkbierfeste

Lesezeit: 7 Min.

„Das ist nichts, wo man Nein sagen kann“: Stephan Zinner wird Fastenprediger auf dem Nockherberg.
„Das ist nichts, wo man Nein sagen kann“: Stephan Zinner wird Fastenprediger auf dem Nockherberg. Florian Peljak

Weil nach kirchlichem Recht „Flüssiges das Fasten nicht bricht“, starten mit dem Beginn der Fastenzeit die Starkbierfeste. Das auf dem Nockherberg erfundene „Derblecken“ durch kabarettistische Fastenprediger ist inzwischen weitverbreitet. Der große Überblick.

Von Oliver Hochkeppel und Matthias Deuring

Der Neue: Stephan Zinner auf dem Nockherberg

Die Starkbierprobe auf dem Nockherberg ist gewissermaßen die Mutter aller satirischen Fastenpredigten. Die Besetzung des „Bruder Barnabas“, der den Politikern die Leviten liest, ist genau wie das Singspiel längst selbst zum Politikum geworden. Wichtiger als so mancher Ministerposten scheint vielen Bayern zu sein, wer die von Jakob „Papa“ Geis 1891 gegründete und von so populären Figuren wie dem Weiß Ferdl, dem Roider Jackl, Walter Sedlmayr, Bruno Jonas oder – als bisher einzige Frau und „Mama Bavaria“ – Luise Kinseher fortgeführte Rolle bekommt.

Und so war der Wirbel groß, als die Brauerei im vergangenen Jahr bekannt gab, dass sie sich nach sechs Jahren und fünf Predigten von Maxi Schafroth trennt. Eine „klassischere“ Fastenrede ohne Gesangseinlagen und Appelle wolle man wieder haben, war die Begründung. Entsprechend kurios ist die Neubesetzung mit Stephan Zinner. Denn das Multitalent aus Trostberg singt, spielt Gitarre und hat im Gegensatz zu Schafroth schon mehrere Musikalben veröffentlicht.

Immerhin ist die Schauspielerei sein erlernter Beruf. Zinner begann seine Karriere am Landestheater Salzburg und als Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. Sein Kino-Debüt gab er 2006 in der preisgrönten Low-Budget-Produktion „Shoppen“; es folgten Rollen in den Rosenmüller-Filmen „Beste Zeit“, „Räuber Kneissl“ und „Die Perlmutterfarbe“ sowie in Matthias Kiefersauers „Baching“. Richtig populär wurde er seit 2013 als Metzger Simmerl in den Rita-Falk-Verfilmungen der Eberhofer-Krimis. Auch in vielen TV-Krimi-Serien war er zu sehen, seit 2021 stellt Zinner mit Johanna Wokalek das Münchner Ermittlerteam beim „Polizeiruf 110“.

Dass die Paulanerbrauerei nun ihn als neuen Barnabas auswählte, liegt aber wohl außer an seinem mehrfach ausgezeichneten Kabarettisten-Nebenberuf – mit sechs Solo-Programmen und diversen Duetten seit 2000 – an seiner Nockherberg-Vorgeschichte. Denn Zinner gehörte ja schon von 2006 bis 2019 fest zum Nockherberg-Team, als Markus-Söder-Darsteller. Als jetzt das Angebot für den Fastenprediger kam, überlegte er nicht lange: „Das ist nichts, wo man Nein sagen kann. Das fragen sie dich sicher nur einmal.“

Dass mancher Vorgänger den Posten schnell oder unfreiwillig wieder los war, wie man an seinem Vorgänger Schafroth sehen kann, hat ihn nicht abgeschreckt: „Das ist der schleuderigste von allen Sitzen. Du kannst es da sowieso nie allen recht machen. Aber das ist auch genau das, was mich reizt.“ Man darf gespannt sein, was er daraus macht. Und wie die meist vollzählig versammelten Politiker darauf reagieren. Schlimmer als veräppelt zu werden, ist nur, gar nicht erwähnt zu werden.

Starkbierprobe auf dem Nockherberg, Mittwoch, 4. März, 19 Uhr, BR-Fernsehen; Starkbierfest vom 6. bis 29. März.

Der Alte: Maibockanstich mit Django Asül

Seit 2008 predigt Django Asül, hier bei seinem Auftritt 2025, im Hofbräuhaus.
Seit 2008 predigt Django Asül, hier bei seinem Auftritt 2025, im Hofbräuhaus. Robert Haas

In Gegensatz zum Schleudersitz auf dem Nockherberg herrscht im Hofbräuhaus Kontinuität seit 2008. Dort darf sich Django Asül als „dienstältester Starkbierphilosoph des Freistaates“ bezeichnen. Der niederbayerische Kabarettist mit türkischen Wurzeln wurde zunächst schon 2007 auf dem Nockherberg Bußprediger ohne Mönchskutte. In der Presse wurde er für seine Rede gefeiert: „derb, boshaft, unberechenbar – eine Belebung“. Manche Politiker beschwerten sich freilich über „zu viel Schwert und zu wenig Florett“, was zusammen mit einem Machtkampf in der Brauerei dazu führte, dass Asül gleich nach dieser einen Predigt schon wieder gehen musste.

Asül nahm es sportlich – und wurde schon im Jahr darauf von der Konkurrenz im Hofbräuhaus angeworben. Man munkelt, dass der damals auch für den Staatsbetrieb Hofbräuhaus zuständige Finanzminister Kurt Faltlhauser nicht so unglücklich über Asüls Attacken gegen Parteifreunde war. Seither hat Asül das letzte Wort der Münchner Fastenprediger. Denn der trotz des Namens immer Anfang April stattfindende Maibock-Anstich ist so ziemlich die letzte Starkbierprobe vor der Wiesn.

Nicht zuletzt durch seine auch schon seit 2009 praktizierten satirischen Jahresrückblicke („Rückspiegel“), für die er kontinuierlich Material sammelt, ist Django Asül stets auf dem Laufenden und in Übung, was das Derbleckn angeht. Seine Pfeile sind breit und gerecht gestreut. Nicht nur der Ministerpräsident und die Staatsregierung bekommen ihr Fett ab, auch die Oppositionsparteien.  Regelmäßig befinden Rezensenten nun, Django Asül gehe eher mit dem Florett als mit dem Schwert zu Werke. Wer sich selbst davon überzeugen will, kann die Rede im Bayerischen Fernsehen mitverfolgen. Und sich auch die älteren Maibockanstich-Reden in der ARD-Mediathek anschauen.

Django Asül: Maibock-Anstich im Hofbräuhaus, der genaue Termin Anfang April samt Sendung im BR wird erst kurzfristig bekannt gegeben

Die Herausforderin: Corinna Binzer im Augustiner am Platzl

Mehr „Bavarettistin“ als Kabarettistin: Corinna Binzer.
Mehr „Bavarettistin“ als Kabarettistin: Corinna Binzer. Markus Wagner

Was bei den Strömen an Starkbier in der Fastenzeit oft zu kurz kommt: das Fasten. Corinna Binzer dagegen scheut sich nicht vor dem auch in der Politik leidigen Thema des Verzichts. Von der Politik selbst nimmt die Münchnerin Binzer in ihrer/ihrem „Fasten(ge)rede“ aber Abstand. Viel zu aufregend ist die in dieser Zeit, und da liegt es nahe, der Aufregung mit Enthaltsamkeit zu begegnen – doch mit mäßigem Erfolg. „Ich rege mich darüber auf, dass ich mich immer noch aufrege, wobei ich das Aufregen doch eigentlich ‚fasten‘ wollte“, sagt Binzer.

Fasten bleibt also eine Herausforderung, nicht nur in Ernährungsfragen. Bei der Schauspielerin und Wiesn-Reporterin bekommen selbsternannte Ernährungsgurus genauso ihr Fett weg wie übermäßig selbstbewusste Verkehrsteilnehmer. Die Eigenheiten der Bayern liefern Binzer dabei mehr als genug Stoff, um einen vollen Abend durchzugranteln – ganz ohne beleidigte Politiker-Gesichter.

Binzer sieht sich deshalb auch nicht als klassische Kabarettistin, sondern als „Bavarettistin“. An zwei Abenden in Folge gibt sie ihr(e) „Fasten(ge)rede“ im Augustiner am Platzl zum Besten, „durchgehend in bayerischer Sprache“, selbst geschrieben gespielt und gesungen. Musikalisch begleitet wird Binzer von Michael „Da Michi“ Muggesser.

Corinna Binzer, „Fasten(ge)rede“, Donnerstag und Freitag, 19. und 20. März, 19.30 Uhr, Augustiner am Platzl; Sonntag, 22. März, 19 Uhr, Kleines Theater Haar

Der Böseste: Aus Holger Paetz wird Pater Paetz

Der Standpauker Holger Paetz lehrt Politiker das Fürchten.
Der Standpauker Holger Paetz lehrt Politiker das Fürchten. Erik Dreyer

Er hat kein Mandat einer Brauerei oder eines Festwirtes, Holger Paetz reiht sich sozusagen freiberuflich in die Riege der kabarettistischen Fastenredner ein. Dabei nimmt er sich die Freiheit, seine Predigt nicht nur einmal zu halten, sondern damit durch ganz Bayern auf Tour zu gehen. Und schon vor Beginn der Fastenzeit damit loszulegen. Heuer war sein erster Termin bereits am 6. Februar, in München ist er am 28. Februar im Kulturzentrum Trudering und – als traditionell letzte Vorstellung – am 3. April im Schlachthof zu sehen, im Münchner Raum auch in Garching (Theater im Römerhof, 26. Februar) und Tutzing (Akademie für Politische Bildung, 15. März).

Kaum ein anderer bringt ähnliche Qualifikationen für den Job mit wie Paetz. Nicht nur war er mal Mitglied des Lach- und Schieß-Ensembles, er hat zehn Jahre lang das Singspiel beim Nockherberg-Derbleckn geschrieben und darin den Guido Westerwelle gespielt. Seit vielen Jahren haut auch er in Jahres- und sogar Monatsrückblicken den Mächtigen auf die Finger. Und so mutiert Holger Paetz seit nun auch schon elf Jahren zum Pater Paetz.

Unter dem Titel „Fürchtet Euch!“ teilt er als wohl Strengster unter den Bußpredigern gegen „politische Pappnasen und Sich-selbst-Erhöher“ aus, wie er sie nennt und über die er befindet: „Solchen Elementen gehört standgepaukt und heimgeleuchtet. Mag der Zorn des Herrn ungewiss sein, der des Paetz ist es mitnichten!“

Holger Paetz: „Fürchtet Euch!“, Samstag, 28. Februar, 19.30 Uhr, Kulturzentrum Trudering;  Freitag, 3. April,  20 Uhr, Schlachthof

Zweite Runde: Das Giesinger Bräu Starkbierfest

Auf dem Gelände von Giesinger Bräu an der Detmoldstrasse wird gefeiert.
Auf dem Gelände von Giesinger Bräu an der Detmoldstrasse wird gefeiert. Catherina Hess

Zum zweiten Starkbierfest bei Giesinger Bräu wird bereits expandiert. Statt vormals 800 bietet das Festzelt im Werk 2 nun bis zu 1200 Gästen Platz. Vom 19. Februar an bis zum 15. März gibt es dort Live-Musik von wechselnden Bands, unter anderem vom 5. bis 7. März von der Münchner Band Nachtstark, bekannt vom Münchner Oktoberfest. Jeden Sonntag gibt es zudem ab 11.30 Uhr Live-Blasmusik und ein Kinderprogramm mit Kinderschminken und Zauberkünstlern. Gezapft wird der „Giesinger Innovator“, ein untergäriger Doppelbock mit laut Brauerei fein-würziger Hopfennote. Ein Shuttle-Service bringt die Besucher von der Bushaltestelle Frankfurter Ring, an der geleichnamigen U-Bahn-Haltestelle, Richtung Moosach/Petuelring/OEZ zur Brauerei.

Giesinger Bräu, Detmoldstraße 40, 80935 München; Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag 17 bis 23 Uhr, Samstag und Sonntag zudem 11 bis 16 Uhr

Der Chef predigt selbst: Starkbieranstich im Ayinger Bräustüberl

Ebenfalls zum zweiten Mal feiert man im Ayinger Brauereistüberl den Starkbieranstich mit einem Fest. Am 13. und 14. März im Sixthofstadl eröffnet der Chef der Ayinger Privatbrauerei Helmut Erdmann selbst mit einer Fastenrede die Feierlichkeiten. Ausgeschenkt wird der Ayinger Celebrator, ein untergäriges Doppelbock, aber schon ab 6. März bis 29. März für 11,80 Euro pro Maß. Mit laut der Brauerei 97 von 100 möglichen Parker-Punkten, ein internationales System zur Bewertung von Bieren und Weinen, gehört das Bier unter Kennern zur Weltspitze. Insgesamt 200 Menschen finden im Brauereistüberl Platz, aktuell ist gut die Hälfte der Plätze bereits reserviert.

Ayinger Bräustüberl, Münchener Straße 4, 85653 Aying; Öffnungszeiten: ab 18 Uhr

Musik und Maximator: Starkbierfest im Augustiner-Keller

Münchens älteste Brauerei lädt vom 26. Februar bis 28. März zum Starkbierfest. Das hauseigene Starkbier nennt sich Augustiner Maximator (10,20 Euro pro Maß), ein Doppelbock mit 7,5 Prozent Alkohol und laut Brauerei mit leichter Kakao-Note. Immer Donnerstag bis Samstag spielt die Harthauser Musi im Lagerkeller auf, in dem bis zu 300 Gäste Platz finden. Freitag und Samstag gibt es im größeren Festsaal (bis 500 Gäste) zusätzlich Programm von wechselnden Bands, unter anderem den Cagey Strings, bekannt auch aus dem Hacker-Festzelt auf dem Münchner Oktoberfest, und den Wuidara Pistols. Laut Veranstalter gibt es nur noch vereinzelt Plätze.

Augustinerkeller, Arnulfstraße 52, 80335 München; Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag 19 bis 23 Uhr, Einlass 17 Uhr

Gut gebrüllt, Triumphator: Starkbierzeit im Löwenbräukeller

Im Löwenbräukeller gibt's das Triumphator.
Im Löwenbräukeller gibt's das Triumphator. Robert Haas

Die traditionsreiche Löwenbräu Brauerei feiert die Fastenzeit mit dem Triumphator, ein kraftvolles Dunkles für 14,80 Euro die Maß. Vom 20. Februar bis 21. März, Donnerstag bis Samstag, ist der Löwenbräukeller für bis zu 2000 Gäste geöffnet. Der Eintritt ohne Tischreservierung kostet ebenfalls 14,80 Euro, wobei eine Maß (oder ein alternatives Getränk) inklusive ist. Für die musikalische Unterhaltung sorgt das Quartett De Wadlbeisser.

Löwenbräukeller, Nymphenburger Straße 2, 80335 München; Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag 18 bis 23 Uhr

Stimmung mit „Gerry & Gary“: Starkbierfest im Hofbräukeller

Der Hofbräukeller schenkt mit dem Delicator einen Doppelbock aus.
Der Hofbräukeller schenkt mit dem Delicator einen Doppelbock aus. Andreas Gebert / dpa

Der Hofbräukeller lädt am 27. und 28. Februar zum Starkbierfest am Wiener Platz. Für Stimmung sorgen erneut Gerry & Gary, die über ein Jahrzehnt Erfahrung aus dem Käfer-Zelt beim Oktoberfest mitbringen. Das ausgeschenkte Starkbier nennt sich Delicator und enthält als Doppelbock stolze 8,4 Prozent Alkohol. Der Festsaal im ersten Obergeschoss bietet 350 Plätze, für den 28. Februar sind  nur noch wenige Tickets verfügbar.

Hofbräukeller, Innere Wiener Straße 19, 81677 München; Öffnungszeiten: 19 bis 24 Uhr, Einlass: 18 Uhr

„Isarpower“ und Brauereiführung: Bio-Bockbieranstich im Haderner Bräu

Die Haderner Bio-Brauerei bietet zum Bockbieranstich am 13. März nicht nur Unterhaltung, sondern um 18 Uhr auch eine Führung durch die Brauerei an. Danach gibt es beim Bockbieranstich ab 18.30 Uhr bis Mitternacht Live-Musik von Isarpower mit Sigi Hinkhofer. Gezapft wird ein vollmundiges Bio-Bockbier (6,30 Euro die Halbe).

Haderner Bräu, Großhaderner Straße 56a, 81375 München; Öffnungszeiten: ab 18 Uhr, Einlass 17.30 Uhr

Denkmalschutz versus Zugänglichkeit
:Die Posse um den Umbau des Karl-Valentin-Museums

Das „Valentin-Karlstadt-Musäum“ hat sein Zuhause im Isartor. Seit anderthalb Jahren ist es geschlossen und ausgeräumt, wegen millionenteuren Brandschutz-Einbauten. Doch noch bevor es wiedereröffnet ist, entscheidet der Stadtrat bereits einstimmig den nächsten Umbau.

SZ PlusVon Susanne Hermanski

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