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Städtischer Klinik-Konzern:Protest gegen Sparkurs

Klinikum Neuperlach

Die Gewerkschaft Verdi hat die Mitarbeiter der städtischen Kliniken für Donnerstag zu einer Demonstration gegen den Sparkurs aufgerufen.

(Foto: Robert Haas)

"Es ist ein Hilfeschrei": Verdi klagt über den planlosen Stellenabbau und die steigende Arbeitsbelastung bei den städtischen Kliniken - und übt heftige Kritik an der Geschäftsführung. Die Beschäftigten wollen am Donnerstag demonstrieren.

Von Dominik Hutter

Der Sparkurs beim städtischen Klinik-Konzern führt zunehmend zu Unmut unter den 6800 Mitarbeitern. Angesichts des forcierten Personalabbaus seien die Belastungsgrenzen für die verbliebene Belegschaft erreicht, warnt die Gewerkschaft Verdi. Viele Beschäftigte klagten über ein stark angestiegenes Arbeitspensum, Schlafstörungen seien keine Seltenheit mehr.

Münchens Verdi-Chef Heinrich Birner übt heftige Kritik an der Geschäftsführung um Klinik-Chefin Elizabeth Harrison, die den auch aus Gewerkschaftssicht unumgänglichen Personalabbau "ohne erkennbaren Plan" betreibe. Statt die Aufgaben neu zu verteilen, würden einfach frei werdende Stellen nicht mehr besetzt. "Das führt zwangsläufig zu einer Arbeitsverdichtung." Am Donnerstag wollen die Klinik-Beschäftigten vor dem Schwabinger Krankenhaus gegen ihre Arbeitsbedingungen demonstrieren.

"Es ist ein Hilfeschrei", sagt Birner - mit Rücksicht auf die Belegschaft könne der Sanierungskurs nicht weitergehen wie bisher. Die Kundgebung um 16 Uhr steht unter dem Motto "Gerechte Stellenbemessung statt kaputt sparen" und ist, dessen ist sich der Verdi-Chef bewusst, eine Gratwanderung: "Wir wollen keine Patienten verschrecken", beteuert er.

Ärzte, Pfleger und Therapeuten täten zum Wohle der Patienten alles, was in ihrer Macht stehe. Aber die Belegschaft müsse an der Ausgestaltung des künftigen Sparkurses beteiligt werden. Daran hapere es gewaltig - Birner führt das auf die "amerikanische Managementschule" zurück, in der die in Deutschland übliche Mitbestimmung ein Fremdwort sei. Klinik-Chefin Harrison ist US-Amerikanerin, allerdings lebt sie seit gut 25 Jahren in Deutschland und war bereits an mehreren deutschen Kliniken tätig. Verdi fordert zudem eine Zusage der Geschäftsführung, auch über 2014 hinaus auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

"Notbremse bei Personal- und Sachkosten"

Dem allerdings wollen die Klinik-Chefs zum jetzigen Zeitpunkt nicht nachkommen. Schließlich stünden die entsprechenden Verhandlungen über eine Betriebsvereinbarung erst am Anfang. Die Geschäftsführung bestätigt, dass man angesichts der drohenden Insolvenz Anfang 2012 die "Notbremse bei Personal- und Sachkosten" ziehen musste. Bislang seien 315 Vollzeitstellen abgebaut worden. Dabei sei es unvermeidbar gewesen, auf die natürliche Fluktuation zu setzen und offene Stellen nicht mehr zu besetzen.

Den Vorwurf der Planlosigkeit weist Harrison jedoch zurück. Eine "fachbereichsbezogene, individuelle Personalplanung" sei seit Monaten auf den Weg gebracht, aktuell seien mehrere Stellen ausgeschrieben. Der Personalstand sei vergleichbar mit dem des Jahres 2009. Man nehme die Fürsorgepflicht gegenüber den Beschäftigten sehr ernst, beteuern die Krankenhaus-Chefs. Ungerechtfertigt seien auch die Vorwürfe in puncto Mitbestimmung. Sowohl der Betriebsrat wie auch die Verdi-Vertreter im Aufsichtsrat seien in den Sanierungsprozess von Anfang an eingebunden gewesen.

Kritik an der zunehmenden Überlastung der Klinik-Mitarbeiter kommt auch von der konkurrierenden Gewerkschaft Marburger Bund, die nicht an der Organisation der Kundgebung beteiligt ist. Die zunehmende Arbeitsverdichtung setze eine "Negativspirale" in Gang, warnt Christoph Emminger, Arzt und Betriebsratsvorsitzender im Klinikum Schwabing. Durch den zeitweisen Ausfall überlasteter Kollegen nehme der Druck auf den Rest der Belegschaft noch zu. Auch Emminger versichert jedoch, dass die Versorgung in den städtischen Häusern nach wie vor sehr gut sei.

© SZ vom 23.01.2013/afis
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