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Werbespot der Stadtwerke:Die Biomünchner lieben sich

Die Stadtwerke haben einen neuen Werbespot. Dafür haben sie einen ziemlich prominenten Sänger gewonnen - und ziemlich provinzielle Bilder gedreht.

Verlässt Boris Palmer jetzt seine schwäbische Heimat und zieht nach München? Ausschließen sollte man nichts. Seit dieser Woche wissen wir, dass auch im Münchner Rathaus Undenkbares möglich ist - der Tübinger Oberbürgermeister, bekannt als grüner Rebell vom Neckar, ist immer für eine Überraschung gut, und Werbung hat ja manchmal unbeabsichtigte Nebeneffekte. Der neueste Spot der Stadtwerke München, der seit Donnerstag in den Kinos läuft, dürfte jedenfalls ganz nach dem Geschmack des Multikulti-Skeptikers sein.

Im April hatte Palmer die Deutsche Bahn kritisiert, weil sie in ihren Anzeigen seinem Empfinden nach zu viele Menschen mit nichtweißer Hautfarbe zeigte. Zum Beispiel den Fernsehkoch Nelson Müller und die Moderatorin Nazan Eckes. "Welche Gesellschaft soll das abbilden?" fragte Palmer und schaffte es damit in die Talkshows. Dabei war die Antwort banal: So sieht deutsche Realität aus.

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Die Stadtwerke zeigen nun, dass es auch anders geht: Ein blondes Madl und ein blond gelockter Bub herzen sich im Sonnenlicht auf einer Blumenwiese unter dem Monopteros zu dem Lied "Munich was my first love". John Miles hat seinen Welthit von 1976 extra für die Stadtwerke noch einmal eingesungen. Nicht mehr die Musik ist die erste Liebe und wird es für immer bleiben, sondern "Munich".

So viel Internationalität ist erlaubt und erwünscht für die Weltstadt mit Herz. Aber bitte nicht übertreiben. Zwar besitzt ein Drittel der Bürger in dieser Stadt den Pass eines anderen Staates und mehr als 40 Prozent haben Eltern oder Großeltern, die nicht in Deutschland geboren wurden. Aber für sie ist in dem einminütigen Clip kein Platz. Stattdessen strahlende Biobayern vor Oper, Olympiapark und Oktoberfest. Und viele bunte Lichter, die wohl Energie und Dynamik symbolisieren sollen.

Man muss nicht gleich die Rassismus-Keule rausholen, aber ein Liebesschwur an ein Leben unter Bayern zwischen Maximilianstraße und Gärtnerplatz, ist das nicht vielleicht ein ganz klitzekleines bisschen provinziell? Und weiß nicht jeder Münchner, dass junge Menschen auf der Wiese unterhalb des Monopteros viel häufiger als Gänseblümchen ganz andere Kräuter austauschen? Ein Imagespot ist kein Dokumentarfilm, aber mit ein wenig Bezug zur Wirklichkeit würde auch Werbung glaubwürdiger.

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