Stadtversammlung Die Welle reiten

"Wenn ihr das auch wollt": Katrin Habenschaden, hier im Gespräch mit dem früheren Grünen-Fraktionschef Siegfried Benker, will OB-Kandidatin werden.

(Foto: Florian Peljak)

Katrin Habenschaden als OB-Kandidatin? Das findet bei den Grünen viel Zustimmung

Von Heiner Effern

Die "green wave" rollt gerade über den Kontinent hinweg. So berichten es Parteifreunde aus Berlin, die dort über die Europawahl beraten. Diese Welle möchten bei der Kommunalwahl 2020 auch wieder die Münchner Grünen mitsurfen, die sich nach dem sensationellem Stadtergebnis bei der Landtagswahl ohnehin fühlen wie ein Wellenreiter nach einem dreimonatigen Hawaii-Trip. Ganz vorne will Rathaus-Fraktionschefin Katrin Habenschaden mit dabei sein, als Kandidatin der Grünen für das Amt der Oberbürgermeisterin. "Das möchte ich gerne, wenn ihr das auch wollt", mit diesen Worten erklärte sie am Sonntag ihre Kandidatur nun auch der Basis offiziell auf einem Stadt-Parteitag.

Der Beifall dafür fiel laut und herzlich aus, ebenso wie die Reaktionen etablierter Parteifreundinnen. Die Bundestagsabgeordnete Margarete Bause ließ zum Beispiel nicht den mindesten Zweifel daran, wen sie gerne als OB-Kandidatin hätte. "Wir setzen bei der Kommunalwahl voll auf Sieg, liebe Katrin", sagte sie. Bauses Nachfolgerin als Fraktionschefin im Landtag, Katharina Schulze, äußerte sich am Rande des Parteitags ähnlich deutlich: "Katrin Habenschaden ist die richtige, ich unterstütze sie zu 100 Prozent." Sie sei kompetent, klar in der Sache und zeige Haltung. Dass die Sprecherin der Rathausgrünen für ihre Partei so ungewohnt früh ihr Interesse öffentlich gemacht hatte, spreche eben genau für diese Qualitäten, sagte Schulze. "Sie macht der Partei ein Angebot, nichts anderes ist passiert. Da muss sie nicht um den heißen Brei herumreden."

Habenschaden hatte Ende vergangener Woche nach einer Klausur der Stadtratsfraktion erstmals öffentlich erklärt, gegen Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) antreten zu wollen. Der Zeitpunkt war strategischen Überlegungen geschuldet. Die Grünen wollten am Dienstag unbedingt eine eigene Kandidatin haben, wenn der Stadtrat das Amt des Zweiten Bürgermeisters neu besetzt, das seit dem Einzug von Josef Schmid (CSU) in den Landtag vakant ist. "Wir wollten nicht nur Nein zum CSU-Vorschlag sagen, sondern ein eigenes, selbstbewusstes Angebot machen", sagte Habenschaden. Da sich die Fraktion dabei einstimmig für sie ausgesprochen hatte, wäre die Frage der OB-Kandidatur ohnehin gekommen. Deshalb habe sie sich zur frühen Offensive entschieden.

Kritik daran gibt es, sie fiel am Sonntag aber sehr leise aus. Als man auf dem Parteitag um den internen Weg zur OB-Kandidatur der Grünen debattierte, fragte Jakob Schmidt vom Ortsverein Schwabing nach, ob es schon ausgemacht sei, "dass es nur eine OB-Kandidatin gibt". Später sagte er, dass er das Prozedere falsch finde, was nichts mit der Person Habenschadens an sich zu tun habe. Durch deren frühen Vorstoß aber würden andere Kandidaten möglicherweise entmutigt. Dadurch hätten die Parteimitglieder gar nicht mehr die Möglichkeit, aus einem vielfältigen Angebot die beste Persönlichkeit auszuwählen.

Dabei sind die Grünen mittlerweile schon ziemlich weit entfernt von einer Partei der Spontanbewerbungen und chaotischen Versammlungen. Für alle Interessenten an einer OB-Kandidatur beschlossen sie am Sonntag deutliche Hürden: Jeder Bewerber muss demnach bis Ende Januar von 100 Unterstützern oder drei Ortsvereinen vorgeschlagen werden. Danach soll es ein öffentliches Forum geben, auf dem sich die Kandidaten vorstellen können. Sollten mehrere im Spiel sein, wird es eine Mitgliederbefragung geben. Voraussichtlich am 23. März wird sich die Partei endgültig festlegen. Die formale Aufstellung soll im Herbst erfolgen.