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Stadtsparkasse München:Zurück zum Schalter

Sparkasse

Die Stadtsparkasse betreibt 80 Geschäftsstellen in München, auf dem Foto ist eine Filiale in der Maxvorstadt zu sehen.

(Foto: M. C. Hurek)
  • Gegen den Trend: Obwohl immer mehr Bankgeschäfte im Internet getätigt werden, will die Stadtsparkasse wieder stärker auf den direkten Kontakt zu ihren Kunden setzen.
  • Die Münchner Sparkasse plant, die kleinen Filialen zu stärken, damit diese Leistungen anbieten können, die derzeit nur an zentralen Standorten und in den Büros der Privatkundenbetreuung möglich sind.

Von Inga Rahmsdorf

Wer zu einer der 80 Filialen der Münchner Stadtsparkasse geht, um ein Girokonto zu eröffnen, dem kann es passieren, dass er weggeschickt wird. Weil die Mitarbeiter ihn an das nächste Privatkundenbüro verweisen oder sie keine Zeit haben, um ihn ohne Termin zu bedienen. So etwas soll künftig nicht mehr vorkommen, das verspricht zumindest der Münchner Sparkassen-Chef Ralf Fleischer, der eine große Umstrukturierung plant. Ziel sei es, die kleinen Geschäftsstellen, die über die ganze Stadt verteilt sind, wieder zu stärken. Viele Leistungen, die man derzeit nur an den zentralen Standorten oder in den Büros der Privatkundenbetreuung erhält, sollen dann in jeder der kleinen Sparkassen-Filiale angeboten werden.

Die Stadtsparkasse steht - wie andere Kreditinstitute auch - wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase unter Druck. "Wir haben ein gutes Standing in München", sagt Fleischer zwar, dennoch sieht sich die Bank mit sinkenden Erträgen konfrontiert. Und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Zinsen auch in nächster Zeit niedrig bleiben werden. In welchen Bereichen kann die Sparkasse in dieser Situation wieder Gewinne einfahren? Vor dieser Frage steht Fleischer, der seit Anfang 2014 das Münchner Geldinstitut leitet.

Zu der niedrigen Zinslage kommt hinzu, dass die Anzahl der Kunden steigt, die ihre Bankgeschäfte im Internet erledigen. Daher rentieren sich die klassischen Filialen für viele Kreditinstitute nicht mehr. In den vergangen zehn Jahren hat bundesweit bereits mehr als jede zehnte Filiale ihre Türen geschlossen. Auch die Münchner Sparkasse hat die Anzahl ihrer Geschäftsstellen reduziert, zuletzt im Herbst 2013, als sie neun der damals 89 Filialen schloss.

Andere Banken schließen Niederlassungen

Die Konsequenzen sind bei vielen Banken bereits sichtbar: Sie reduzieren Kosten, bauen Personal ab oder schließen Niederlassungen wie die Hypo-Vereinsbank, die ihr Filialen-Netz derzeit kräftig ausdünnt. Oder sie drehen an den Gebührenschrauben, wie die Postbank, die von April an 99 Cent für Überweisungen erhebt, die Kunden auf dem Papier vornehmen (die Münchner Sparkasse erhebt bereits seit zehn Jahren 75 Cent für jede Überweisung, die nicht online getätigt wird). Und bei der Deutschen Bank stehen Umstrukturierungen an, die schon zu Spekulationen führen, ob das Institut sein Privatkundengeschäft zurückfahren wird.

Münchens Sparkassen-Chef Fleischer will einen anderen Weg einschlagen. Es werde keinen Personalabbau geben und alle Münchner Filialen bleiben erhalten, versichert er. Auch an der Gebührenordnung werde nicht gedreht. Die Gerüchte, dass die Sparkasse ihre Konditionen für Giro-Konten ändere, träfen nicht zu. Stattdessen sollen die 80 über das Stadtgebiet verteilten Standorte gestärkt werden. Anfang Mai soll der personelle und räumliche Umbau beginnen. Eine komplette Kursänderung für die Münchner Sparkasse?

Sparkassen-Chef: "Es ist kein Kosten-Senkungsprogramm"

Nein, wohl eher eine Orientierung an der Vergangenheit. Denn 2002 speckte die Sparkasse ihre Filialen ab, lagerte Kompetenzen und Zuständigkeiten aus in spezialisierte Beraterbüros. Mit der Konsequenz, dass die Auswahl der Angebote innerhalb der kleinen Filialen stark beschränkt wurde und dementsprechend auch der Aufgabenbereich der Mitarbeiter. Wer sich beruflich weiterentwickeln wollte, der musste die kleine Filiale verlassen, so beschreibt Fleischer selbst das Problem, das sich dadurch ergeben hat.

Mit der Folge, dass es eine starke Fluktuation unter den Angestellten der kleinen Filialen gab - und Kunden sich immer wieder auf neue Berater einstellen mussten. Doch gerade in diesem Bereich sieht Fleischer die Stärken der Sparkasse: die Nähe, die Bindung und das Vertrauen zwischen Kunden und Berater. Daher sollen Mitarbeiter künftig auch in jeder Filiale den Karriereweg vom Auszubildenden bis zum Geschäftsstellenleiter durchlaufen können.

800 000 Kunden hat die Münchner Stadtsparkasse, ihr Marktanteil ist in den vergangenen 15 Jahren leicht gesunken. Sie betreibt 80 Geschäftsstellen, hinzu kommen 225 Automaten und 45 SB-Servicestellen. Derzeit gibt es außerdem noch 15 Privatkundenbüros, die von Mai an in die bestehenden Filialen integriert werden. Auch das, so bestätigt Fleischer, ohne eine einzige Stelle der insgesamt 2400 Mitarbeiter und 300 Auszubildende abzubauen. "Es ist kein Kosten-Senkungsprogramm", sagt er. "Sondern wir wollen wachsen und so die Fläche stärken."

Zukünftig acht große Beratungszentren

Die Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken haben zwar in der Bevölkerung einen guten Ruf als sichere Institute, die weniger auf riskante Finanzgeschäfte setzen, doch sie leiden besonders unter der Krise im Privatkundengeschäft, weil sie zu einem Großteil davon abhängen. Manche Finanzexperten warnen schon davor, dass die Existenz von Sparkassen, Volks- und Reiffeisenbanken langfristig gefährdet sei. Das weist Alexander von Schmettow, Sprecher des bundesweiten Sparkassen- und Giroverbands, entschieden zurück. In Deutschland seien sehr unterschiedliche Trends zu verzeichnen, in einigen Gebieten sei die Sparkasse auf dem Rückzug, in anderen wachse das Filialnetz sogar und werde aufgewertet. Insgesamt könne man solide Zahlen präsentieren.

Während also vielerorts das Filialnetz ausgedünnt wird, wächst gleichzeitig das Bewusstsein dafür, dass zwar immer mehr Kunden die Online-Angebote nutzen - bei der Münchner Sparkasse sind es schon mehr als 50 Prozent -, dass sie aber für bestimmte Angelegenheiten weiterhin lieber einem Berater gegenübersitzen wollen. Das will auch die Münchner Sparkasse stärker berücksichtigen: Jeder Kunde soll einen festen Berater haben, der ihn sowohl in der Filiale als auch im Internet berät.

Die Münchner Sparkasse will künftig acht große Beratungszentren betreiben. Dort sollen alle Leistungen angeboten werden. Diesen Standorten werden jeweils acht bis elf weitere Filialen angehören, in denen man als Privatkunde auch die komplette Anlageberatung erhält. Für komplexere Themen wie Immobilien, Versicherungen sowie auch für größere Firmenkunden ist eines der acht Beratungszentren zuständig. Das Girokonto soll man dann aber in jeder Filiale umgehend eröffnen können.

© SZ vom 07.02.2015/mmo/mest
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