Die entscheidende Botschaft steht gleich im Betreff des Schreibens, das zahlreichen Kunden der Stadtsparkasse München in diesen Tagen zugeht. Dieser lautet: „Angebot zur Weiterführung Ihres Kontos in einem neuen Kontomodell und formaljuristisch notwendige Kündigung Ihres bisherigen Kontos.“
Das Geldinstitut, das von der Stadt München getragen wird und gemessen an der Bilanzsumme die größte Sparkasse Bayerns ist, kündigt damit an, die Geschäftsbeziehung mit Kunden einzustellen, die sich nicht auf neue Kontomodelle einlassen. Das könnten Zehntausende sein.
Vor zwei Jahren hatte die Sparkasse, deren Verwaltungsrat von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) geleitet wird und in dem auch seine Stellvertreter Dominik Krause (Grüne) und Verena Dietl (SPD) sitzen, neue Preismodelle eingeführt. Die Kunden haben mehrere Möglichkeiten, zwischen denen sie wählen können. Insgesamt aber erhöhen sich die Grundgebühren und die Zahlungen für einzelne Leistungen.
An diesem Vorgehen hatte es Kritik gegeben. Einige geplante Änderungen wurden auf Drängen des Oberbürgermeisters nicht umgesetzt: Fürs Geldabheben am Automaten musste man dann beispielsweise doch nicht extra bezahlen. Trotzdem rieten Verbraucherschützer den Sparkassen-Kunden zeitweise, die Bank zu wechseln.
Die Stadtsparkasse München betont, dass ihre Gebühren im Vergleich zu anderen Anbietern und den Sparkassen bundesweit nicht hoch seien. Der monatliche Basispreis für ein Girokonto beträgt für Erwachsene 2,95 Euro. Zu diesem Angebot sind verschiedene Pakete hinzubuchbar: Die Option „Kompakt“ kostet monatlich 4,95 Euro, „Extra“ 9,95 Euro und „Premium“ 11,95. Dabei sind unterschiedlich viele Buchungsposten inbegriffen: bei „Kompakt“ 20 pro Monat, bei „Extra“ 50, bei „Premium“ alle. Darüber hinaus werden pro Buchung 35 Cent fällig.
90 Prozent ihrer Kunden, so die Sparkasse, hätten sich inzwischen für eines der neuen Modelle entschieden. Bei annähernd 500 000 Girokonten, die vor der Umstellung registriert waren, dürften es aber immer noch mehr als 40 000 Kunden sein, für welche die im Schreiben fett gedruckte Zeile gilt: „Wir kündigen daher hiermit Ihr Girokonto mit der Nr. xxxxxxxx zum 31. Mai 2025.“
Wer die Bank nicht wechselt, stimmt schon fast automatisch zu
Die Betroffenen haben nun mehrere Möglichkeiten: Sie wechseln das Kontomodell (in dem Schreiben der Stadtsparkasse wird ihnen hierfür bereits ein neues vorgeschlagen). Sie wechseln die Bank. Oder sie benutzen ihr Konto im Juni wie bisher weiter. In diesem Fall tritt dann in Kraft, was Juristen eine konkludente Zustimmung nennen, also ein Ja durch Schweigen.
Diese konkludente Zustimmung tritt ein, wenn die Kunden nach der für den 31. Mai ausgesprochenen Kündigung und vor dem 30. Juni mit ihrer Sparkassen-Card bezahlen, Bargeld einzahlen oder abheben, einen Dauerauftrag einrichten oder ändern oder einen Überweisungsauftrag erteilen. Dadurch wird den Kunden ein neues Kontomodell zugeteilt, das die Stadtsparkasse anhand des Nutzerverhaltens für sie vorschlägt. Dieses neue Modell und der entsprechende Preis gelten dann ab dem 1. Juli.
Als vierte Möglichkeit bliebe den Kunden nach der Kündigung auch noch, einfach gar nichts zu tun – also weder ein neues Gebührenmodell zu akzeptieren oder die Bank zu wechseln, noch irgendwelche Kontobewegungen zu veranlassen. Wie die Stadtsparkasse mit solch quasi stillgelegten Girokonten umgeht, ist dem Vernehmen nach bislang nicht entschieden. Denkbar wäre, das Konto aufzulösen und das darauf befindliche Geld treuhänderisch zu verwahren, bis es jemand beansprucht. Oder aber zumindest den Zahlungsverkehr zu blockieren.
In einem Statement erklärt die Stadtsparkasse zu ihrem Vorgehen: „Wir möchten jeden Kunden behalten. Aus technischen und rechtlichen Gründen sind wir aber gezwungen, diese Konten formal zu kündigen.“ Alle Kunden seien nach der Umstellung vor zwei Jahren „mehrfach schriftlich und persönlich angesprochen“ worden. Wer jetzt weiterhin nicht reagiert, soll Ende Mai noch einmal angeschrieben und befragt werden, wie die Sparkasse das Konto künftig handhaben soll.
Erste Kunden haben das Kündigungsschreiben bereits erhalten, obwohl der Versand erst in den nächsten Tagen geplant war. Die unerfreuliche Post kommt in der Woche, nachdem der scheidende Vorstandsvorsitzende Ralf Fleischer eine gute Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr verkündet hatte. Die Einführung der neuen Gebührenmodelle hat sich demnach auch nicht negativ ausgewirkt: Die Zahl der privat genutzten Girokonten stieg sogar leicht an – von 495 017 zum Jahresende 2022 über 497 391 Ende 2023 bis hin zu den 500 159, die zum Stichtag 31. Dezember 2024 gezählt worden sind.

