Bankgeschäft im Wandel:Stadtsparkasse schließt Filialen in München

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Bankgeschäft im Wandel: Immer weniger Menschen fragen Bankdienstleistungen direkt nach - auch die Stadtsparkasse bekommt diesen Trend zu spüren.

Immer weniger Menschen fragen Bankdienstleistungen direkt nach - auch die Stadtsparkasse bekommt diesen Trend zu spüren.

(Foto: Daniel Hofer)

Der kommunale Finanzdienstleister baut sein Geschäft im großen Stil um. Welche Standorte davon betroffen sind.

Von Lea Kramer

Nicht weit vom Löwenbräukeller, fast gegenüber vom alten Volkstheater, nah an Lenbachhaus und Königsplatz: Die Filiale der Stadtsparkasse München (SSKM) an der Brienner Straße 55 ist zentral gelegen. Trotzdem wird dort von Januar 2023 an kein Mensch mehr hinter dem Schalter stehen. Ebenso wie vier weitere Filialen im Stadtgebiet wird die Bank zum reinen Automatenstandort. Darüber hinaus sollen bis 2025 sieben solcher Selbstbedienungsstellen komplett geschlossen werden. Die Stadtsparkasse argumentiert, dass sie mit der Umstrukturierung auch auf das geänderte Verhalten der Bankkunden reagiere - und gleichzeitig Investitionskosten einsparen könne.

"Fakt ist, dass für uns das Filialnetz nach wie vor der Kern der Sparkassen ist", sagt Ralf Fleischer, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse. Die Filialen seien der Anker, um in den Kontakt mit den Kunden zu kommen. "Das ist auch heute so und wird auch zukünftig so sein", sagt er. Daher habe sich die Stadtsparkasse München entschieden, die Beratungs- und Servicezeiten auszuweiten. Konkret heißt das, dass von 1. Januar 2023 an montags bis freitags zwischen 8 und 20 Uhr in jeder Filiale im Stadtgebiet ein Beratungsgespräch - zum Beispiel über neue Anlagemöglichkeiten - vereinbart werden kann. Bislang war das nur bis 18 Uhr möglich.

Zudem sollen die Öffnungszeiten vereinheitlicht werden. "Heute ist es so, dass der Kunde nicht richtig weiß, ob seine Bank an einem bestimmten Wochentag vormittags oder nachmittags geöffnet ist", sagt Fleischer. Daher würden alle Filialen auf einen ganztägigen Service umgestellt. Sie sind dann zwischen 9 Uhr und 12 Uhr und zwischen 13 und 16 Uhr, donnerstags sogar bis 18 Uhr geöffnet. Die Hauptstelle am Marienplatz macht keine Mittagspause und ist durchgängig geöffnet.

Neue Öffnungszeiten, aber weniger Anlaufstellen

So unkompliziert, wie es klingt, ist es dann aber doch wieder nicht. Die neuen Öffnungszeiten gelten für 14, der insgesamt 47 Filialen des kommunalen Finanzdienstleisters. In den anderen 32 Niederlassungen, wo man beim Geldabheben oder Abgeben der Überweisungsträger noch auf echte Mitarbeiter trifft, gibt es diese erweiterten Öffnungszeiten nur zwei oder drei Mal pro Woche. An den restlichen Tagen sind diese Filialen für Kunden ohne Termin geschlossen. An fünf Stellen in München wird es bis 2025 sogar nur noch Bankautomaten geben. Die Filialen in Waldperlach, an der Schwanseestraße, am Stiglmaierplatz, dem Pariser Platz und dem Partnachplatz werden in sogenannte SB-Standorte - also Niederlassungen ohne Personal - umgewandelt. Insgesamt gibt es davon heute 49.

An sieben Stellen wird die Stadtsparkasse ganz aus der unmittelbaren Nachbarschaft verschwinden. Die Geld- und Überweisungsautomaten am Hirschgarten, am Isartorplatz, der Bayerstraße, der Leopoldstraße, der Fasanerie, dem Zentralen Busbahnhof (ZOB) sowie die Automaten im Untergeschoss des Ostbahnhofs werden komplett abgebaut. Die Filiale in Alt-Aubing wird mit jener an der Limesstraße an einem neuen Standort im Neubaugebiet Freiham zusammengeführt. Für andere Gebiete - etwa in Lochhausen - prüft die Stadtsparkasse Containerlösungen. An der Ecke Barerstraße/Schellingstraße ist ein Modellprojekt geplant. Dort soll die bestehende Filiale umgebaut und zur Anlaufstelle für Studenten werden.

Grund für die Aufgabe der klassischen Bankstandorte sind nach Angaben von Vorstandsvorsitzendem Fleischer auslaufende Mietverträge sowie Gebäude, "in denen in erheblichem Maße Investitionen anstehen". Und: die gesunkene Nachfrage. In Filialen wie in Waldperlach oder der Schwanseestraße hätten in den vergangenen Jahren durchschnittlich eineinhalb bis zwei Beratungen pro Mitarbeiter stattgefunden. "Es gibt so gut wie keine Kassenverfügungen mehr", fügt Vorstandsmitglied Sabine Schölzel hinzu. In den Jahren 2018 bis 2021 seien die Kassentransaktionen um 77 Prozent zurückgegangen. Das heißt, die Menschen gehen immer seltener zum Schalter. Die Nutzung digitaler Bankdienstleistungen hat sich enorm gesteigert. Die Stadtsparkasse hat 180 000 App-Nutzer, die im Durchschnitt 33 Mal pro Monat auf das System zugreifen.

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