bedeckt München 20°

Stadtführung Viktualienmarkt:"Das ist besser als Fernsehen!"

Der Viktualienmarkt gehört zu München wie die Isar oder die Biergärten. Dem Mythos des Marktes nähert man sich auf der "Probiertour".

Lara Doktor

Oberflächlich gesehen besteht der Viktualienmarkt erst einmal aus Fakten: Auf einer Fläche von 22.000 m² werden von 140 Händlern Blumen, exotische Früchte, Wild, Geflügel, Gewürze, Käse, Fisch, Säfte und vieles mehr angeboten. Ein Viertel der Besucher auf dem Markt sind Stammgäste. Doch über das, was den Markt ausmacht, die Atmosphäre und das Herz des Marktes, sagen diese Zahlen aber nichts. Davon bekommt man etwas mit, wenn man bei der Tour "Probiertour Viktualienmarkt" vom Stadtführungsveranstalter "Weis(s)er Stadtvogel" mitmacht.

Käseverkäuferin Sandra Dellinger bietet den Teilnehmern ein Tablett mit vielen verschiedenen Käsesorten an.

(Foto: Foto: Lara Doktor)

Die Gruppe geht zum Urgestein des Viktualienmarktes, der "Bäckerliesl". Schon seit 1950 verkauft sie hier Backwaren und ist mit ihren über 80 Jahren die älteste Verkäuferin auf dem Markt. Sie ist so klein, dass sie kaum über den Tresen schauen kann.

Von der "Bäckerliesl" bekommt die Gruppe einen Korb mit knusprigem Brot gereicht, der als Grundlage für die kommende Bierprobe dienen soll. Bei der Führung nehmen ungefähr 20 Leute teil, viele Touristen, aber auch Münchner und "Zuagroaste". Seit zwei Jahren gibt es die Probiertour - sie ist äußerst beliebt.

Den Viktualienmarkt findet man seit ungefähr 150 Jahren in mehr oder weniger dem Zustand, wie er heute ist. Davor war der Markt noch am Marienplatz, er zog allerdings bald zu seinem heutigen Standort um, da der Marienplatz zu klein geworden war. Und warum heißt der Viktualienmarkt? Viktualien sind nichts anderes als Lebensmittel, ein Modewort aus dem 18. Jahrhundert.

Auf dem Viktualienmarkt stehen die Stände nebeneinander, die ähnliche Waren anbieten. So kann man von vielen kleinen Märkten reden, die zusammen den großen Viktualienmarkt ergeben.

Die Gruppe steht auf dem Kartoffelmarkt. Heute sind es nur noch zwei Kartoffelstände, früher gab es hier allerdings einmal acht - das war, bevor der Markt zu den Olympischen Spielen 1972 in München fußgängerfreundlich umgebaut wurde und die Tramstrecke, die über den Markt verlief, eingestellt wurde. Auch die neue Schrannenhalle macht es den Kartoffelständen schwer. Denn früher konnte man auf der Freifläche parken und schnell einen Sack Kartoffeln mitnehmen. Zur Not ging der Transport auch mit der Straßenbahn, aber zu Fuß ist die Schlepperei zu anstrengend.

Die Gruppe geht weiter zu einem Stand mit Säften, der aus der Not heraus geboren wurde. Denn was kann man besseres tun mit vollreifen Früchten, die in den nächsten Tagen anfangen würden zu faulen? "Auch wenn das jetzt mit den ganzen Smoothies gerade so modern ist, diese Säfte hier gibt's schon viel länger!", sagt Stadtführerin Claudia Neumaier.

Zur SZ-Startseite