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Stadtführung:Die hässlichen Seiten Münchens

Ein Künstler bietet alternative Stadtführungen durch Wien an. Nun will er auch in München neue Perspektiven eröffnen. Die Auswahl an Schandflecken ist groß.

Von Thomas Anlauf

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Quelle: Catherina Hess

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München ist, das meinen viele Münchner, die schönste Stadt der Republik, wenn nicht gar Europas oder der ganzen Welt. Und die Welt scheint München zu lieben: Seit Jahren vermeldet die Stadt Rekorde bei den Besucherzahlen, allein im ersten Halbjahr wurden 6,5 Millionen Übernachtungen gezählt. Doch ist München wirklich eine uneingeschränkte Schönheit? Ausgerechnet der in Wien lebende Brite Eugene Quinn (im Bild vor dem Wohnturm "The Seven" an der Müllerstraße) will nun den Münchnern die hässlichen Seiten ihrer Stadt zeigen.

Karstadt-Haus am Münchner Hauptbahnhof, 2014

Quelle: Alessandra Schellnegger

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Die "Munich ugly"-Tour am 8. September hat die Münchner Umweltorganisation Green City organisiert. Sie will mit der etwas anderen Stadtführung eine Debatte über den öffentlichen Raum und Stadtplanung in München anstoßen.

Im Bild: das Karstadt-Haus zwischen Hauptbahnhof und Stachus.

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Quelle: Alessandra Schellnegger

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Green City hatte ihre Mitglieder nach den hässlichsten Orten oder Gebäuden Münchens befragt. Das Ergebnis ist erstaunlich: So wurden außer dem Hauptbahnhof vor allem stark befahrene Hauptverkehrsstraßen oder Plätze aufgelistet: der Ratzingerplatz, der Leuchtenbergring, der Candidplatz und die Chiemgaustraße.

Im Bild: der Ratzingerplatz in Obersendling.

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Quelle: Stephan Rumpf

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Auch eine Facebook-Umfrage der Süddeutschen Zeitung kommt zu ähnlichen Ergebnissen: So werden der Willy-Brandt-Platz, der Romanplatz und das Gebiet rund um den Hauptbahnhof als hässlich empfunden, auch die Paul-Heyse- und die Laimer Unterführung sowie Neubaugebiete wie der Arnulfpark oder Schwabing Nord.

Im Bild: die Paul-Heyse-Unterführung.

Willy-Brandt-Platz in München, 2015

Quelle: Alessandra Schellnegger

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In Wien bietet der Journalist und Künstler Eugene Quinn seit geraumer Zeit alternative Stadtführungen zu seiner Ansicht nach hässlichen Orten an. Dort sind es vor allem Gebäude, die er den Teilnehmern an seiner "Ugly-Tour" vor Augen führt. Quinn unterscheidet dabei zwischen hässlicher und langweiliger Architektur.

Im Bild: der Willy-Brandt-Platz im Münchner Osten.

Lindwurmstraße 185

Quelle: Stadtarchiv, F. Peljak, R. Haas

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"Hässlich ist, wenn man es versucht, aber versagt hat", sagt der gebürtige Londoner, der kürzlich erstmals in München war, um sich ein Bild von der Stadt zu machen. Dabei stellte er fest, dass seiner Meinung nach viele Gebäude und Straßen vor allem langweilig oder belanglos sind. "Die Lindwurmstraße zum Beispiel ist sehr langweilig, man findet hier nichts."

Arnulfpark in München, 2015

Quelle: Catherina Hess

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Die Führungen von Quinn sollen in erster Linie unterhalten, aber auch nachdenklich machen. So findet er, "dass Architekten eine soziale Verantwortung haben. Gebäude stehen im öffentlichen Raum und werden von Menschen gesehen".

Im Bild: der Arnulfpark.

Luxuswohnturm "The Seven" in München, 2014

Quelle: Alessandra Schellnegger

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Manche Häuser in München hält er zwar äußerlich für gelungen, aber sie seien "sozial hässlich" wie der Luxuswohnturm "The Seven" an der Müllerstraße, findet Quinn. Für Sebastian Huber von Green City, der den Wahlwiener für eine Ugly-Tour am 8. September nach München holt (Anmeldung unter huber@greencity-projekt.de), ist es auch "ein politisches Statement, ob eine Stadt langweilig oder vorsichtig bauen lässt". Insbesondere einige Neubauviertel sind für ihn ein Ausdruck dessen, dass München "nur nicht auffallen" will.

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Quelle: Catherina Hess

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In der Altstadt gelten ohnehin strenge Regeln, wie ein Neubau auszusehen hat, damit er das Ensemble der historischen Gebäude nicht allzu sehr stört. Vor drei Jahren erregte die neue Fassade des Pschorr-Hauses an der Neuhauser Straße Aufsehen, weil die gefaltete gläserne Front nach Ansicht der Stadtgestaltungskommission zu sehr spiegelte. Die Bayerische Hausbau musste das Gebäude dann umbauen.

Archivbild von den Bauarbeiten am Pschorr-Haus.

© sz.de/sekr/kbl
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