Stadtführung:Warum die Brauer dringend tiefe Keller benötigten

Bierkeller waren für die Brauer enorm wichtig, was auch die Stadt wusste, die eine Kellersteuer verlangte. Die Brauer durften zwischen Georgi am 23. April und Michaeli am 29. September kein Bier brauen. Die Bestände sollten den Sommer über einigermaßen lang halten.

Doch vor der Erfindung der Kühlmaschine durch Carl von Linde in den 1870er-Jahren war das nicht wirklich einfach. Es passierte immer wieder, dass das Bier versauerte oder ausging und deshalb importiert werden musste, zum Beispiel aus Tölz, das als "Bieramme" Münchens bekannt war. Die Stadt verfügte über hervorragende Tuffstein-Lagerkeller und hatte keinerlei Frische-Problem.

Kühlung mit Eis vom Nymphenburger Kanal

So tüftelten die Münchner Kellerbaumeister zunächst ausgeklügelte Lüftsysteme aus, die die Temperatur um die sechs Grad Celsius halten sollte. Weil dies aber nicht optimal gelang, ging man später dazu über, im Winter auf zugefrorenen Seen des Umlands oder vom Nymphenburger Schlosskanal Eis schlagen zu lassen und in Eiskellern zu lagern.

Gabriel Sedlmayr der Jüngere (1811 bis 1891), der von seinem Vater Gabriel die Spatenbrauerei übernommen hatte, war der erste, der auf Kühlung mit Natureis setzte - vorher hatte auf diese Weise gekühltes Bier den Ruf, ungesünder zu sein.

Später war Sedlmayr wiederum der erste, dessen Brauerei auf Kunsteis und ein künstliches Kühlsystem umstellte. Der Bräu war auch ein finanzieller Förderer von Lindes. Auf der Tour mit Assél kommt man auch an einigen Standorten vorbei, wo früher berühmte Bierpaläste standen, etwa der von Gabriel von Seidl erbaute Arzberger Keller an der Nymphenburger Straße. Der wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, heute ist an dieser Stelle das Justizgebäude.

Stadtführung: An der Bayerstraße war früher das Areal von Hacker und Pschorr. Heute ist dort das Europäische Patentamt.

An der Bayerstraße war früher das Areal von Hacker und Pschorr. Heute ist dort das Europäische Patentamt.

(Foto: oh)

Überhaupt lernt man bei dem Rundgang mehr als nur etwas über Keller und die Haltbarkeit von Bier. Assél erklärt die geologischen Besonderheiten des Münchner Untergrunds, geht immer wieder auf das Wachstum und die Bedeutung des Brauereistandortes München ein.

Zwischendurch gibt es eine Halbe Bier samt historischen Einblicken im Augustiner-Keller, der einzigen noch erhaltenen (wenn auch nicht mehr als solche genutzten) Lagerstätte im Westen der Stadt - zu der heute noch einer der schönsten Biergärten gehört. Auf vielen Kellern waren Biergärten entstanden, von denen heute einige verschwunden und vergessen sind.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB