Stadtführung:Auf den Spuren der Bierkeller

Augustinerkeller in München, 2012

Einst war der Augustiner-Keller Bierlager, dann Luftschutz- und Jazzkeller, heute ist er ein Gastraum.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Eine Münchnerin organisiert Touren zu den vergessenen Bierkellern aus früheren Zeiten.
  • Nicht nur im Osten der Stadt, auch im Westen gab es früher riesige, unterirdische Bierkeller.
  • Wo die "Bierfestung" in München stand - und warum so viele Biergärten verschwunden sind.

Von Andreas Schubert

An manchen Stellen ist München ziemlich hohl. Und als Anfang vergangenen Jahres beinahe ein Fußgänger in ein metertiefes Loch in der Inneren Wiener Straße gefallen wäre, kam Astrid Assél auf eine Idee. Denn das Loch war höchstwahrscheinlich ein alter Belüftungsschacht eines stillgelegten Bierkellers. Weil dieser Teil Haidhausens früher der Standort von mindestens 60 Bierkellern war, dachte Assél, es könnte sich mal lohnen, dem Thema genauer nachzugehen.

Astrid Assél hat zusammen mit Christian Huber das Buch "München und das Bier" geschrieben - ein Standardwerk, das die Geschichte der Bierstadt München und der Brauereien beleuchtet. Sie bieten auch Touren zur Brauereigeschichte durch die Münchner Innenstadt an. Neuestes Projekt von Assél ist die Tour "Münchens vergessene Keller", die sich eben mit Bierkellern beschäftigt.

Anders als es vielleicht abzusehen gewesen wäre, hat sich die Bierkennerin gegen den ehedem von Bierkellern durchlöcherten Osten der Stadt entschieden. Stattdessen führt die Tour durch den Westen, wo es vom 19. Jahrhundert an ebenfalls mindestens 13 Bierkeller gegeben hat.

Ausflug in die Brauereigeschichte

Die Tour ist ein Ausflug in die jüngere Münchner Brauereigeschichte, in die Zeit, als das Geschäft bereits begonnen hatte, sich auf wenige große Spieler zu konzentrieren. In seiner Hochzeit gab es in der Bierstadt München mindestens 80 Brauereien, die entweder wieder pleite gingen oder von den großen aufgekauft wurden - im Zuge deren Expansion.

Dass einige Brauereien irgendwann von der Innenstadt abwanderten, hatte unter anderem den Grund, dass sie im Zentrum ihr Bier nicht ordentlich lagern konnten. Wegen des hohen Grundwasserspiegels konnten sie keine ausreichend tiefen Keller graben.

Und so suchten sie nach anderen Standorten am Isarhochufer - die meisten eben im Osten, andere aber in der Gegend, wo heute noch Spaten, Löwenbräu und Franziskaner gebraut wird.

So ließ der Löwenbräu-Bierbaron Georg Brey 1826 am Unterwiesenfeld, dem heutigen Stiglmaierplatz, zwei riesige Bierkeller bauen. Der Untergrund eignete sich insofern ganz gut, als der Boden wegen der früheren Kiesgruben dort (der Name Sandstraße erinnert noch daran) ohnehin schon aufgegraben war.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB