Verkehr Weniger Platz für Autofahrer auf der Ludwigsbrücke

Nach Sanierung der Ludwigsbrücke sollen den Autofahrern statt der bisherigen vier nur noch zwei Spuren zur Verfügung stehen - eine je Richtung.

(Foto: Stefanie Preuin)
  • Der Münchner Stadtrat hat beschlossen, die Fahrspuren für Autos auf der Ludwigsbrücke zu halbieren.
  • Das soll erst der Anfang einer Verkehrswende sein, sagen die Befürworter.
  • Die CSU kritisiert das als "vollkommen willkürliche Maßnahme".
Von Dominik Hutter

Für die einen ist es der demonstrative Einstieg in die Verkehrswende - für die anderen ein überhastetes Stauförderungsprogramm auf dem Rücken der Autofahrer: Die Vollversammlung des Münchner Stadtrats hat mit knapper Mehrheit eine Halbierung der Fahrspuren auf der Ludwigsbrücke beschlossen. Nach der im kommenden Jahr startenden Sanierung des maroden Bauwerks sollen den Autofahrern statt der bisherigen vier nur noch zwei Spuren zur Verfügung stehen - eine je Richtung. Über den gewonnenen Platz können sich Radfahrer und Fußgänger freuen. Zudem kann die Trambahn-Haltestelle vor dem Deutschen Museum etwas großzügiger ausfallen.

Ein "wichtiger Beschluss sei das" und der Beweis dafür, dass man es ernst meine mit dem Zurückdrängen des Autoverkehrs, schwärmte SPD-Verkehrssprecher Jens Röver. Und auch Grünen-Kollege Paul Bickelbacher fand salbungsvolle Worte: Ein "wichtiger Moment für die Stadt sei das", ein "Paradigmenwechsel an der richtigen Stelle" - zielsicher an jener Brücke, die für die Geschichte Münchens so bedeutend war. "Irgendwo müssen wir anfangen", betonte ÖDP-Stadträtin Sonja Haider. Denn es soll nur ein Einstieg sein, da sind sich die Befürworter der Schmalspur-Brücke einig - in die von Umweltschützern seit langem verlangte Umverteilung des Straßenraums: mehr Platz für Fußgänger, Radfahrer und den öffentlichen Nahverkehr, weniger Fläche für Autos.

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Mit dem Beschluss setzte sich eine Mehrheit aus SPD, Grünen/Rosa Liste, Linken, ÖDP und dem parteilosen Stadtrat Fritz Schmude ganz bewusst über die Bedenken von Stadtbaurätin Elisabeth Merk hinweg. Deren Verkehrsexperten waren zu dem Schluss gekommen, dass eine Reduzierung der Fahrspuren zu längeren Staus auf der Isarparallele und in der Rosenheimer Straße sowie zu einer erheblichen Verschlechterung der Verkehrssituation auf den benachbarten Isarquerungen Maximilians- und Corneliusbrücke führe. Auch Trambahn und Bus würden ausgebremst. Das Planungsreferat hatte daher empfohlen, es bei vier Fahrspuren zu belassen und nur kleinere Verbesserungen für Radfahrer, Fußgänger und Co. umzusetzen.

Auf diese Expertise bezog sich auch CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl, in dessen Augen das Resümee umso bemerkenswerter ist, da man dem Planungsreferat normalerweise keine allzu große Auto-Liebe vorwerfen könne. Der Wegfall der Fahrspuren sei eine "vollkommen willkürliche Maßnahme" - man könne niemandem erklären, warum die Verkehrswende ausgerechnet an dieser Stelle starten muss.

Parteifreund Johann Sauerer erwartet nun "schlechte Luft, einen hohen volkswirtschaftlichen Schaden und grantige Menschen". Die Vision von der Verkehrswende dürfe nicht dazu führen, einfach ohne jedes Gesamtkonzept eine wichtige Verkehrsachse zu sperren - mit dem Ergebnis, dass die Autofahrer in kleinere Straßen auswichen. "Es bringt uns nicht weiter, an einzelnen Schrauben zu drehen." FDP-Fraktionschef Michael Mattar warf der Stadtratsmehrheit vor, unbedingt ein Bekenntnis zur Verkehrswende ablegen zu wollen, "egal, welche Konsequenzen das hat". Johann Altmann (Bayernpartei) prophezeite: "Wir produzieren ein heilloses Durcheinander."

Eine Verkehrswende könne man nicht einleiten, wenn alles beim Alten bleibe, findet hingegen Bettina Messinger (SPD). Der nächste Schritt Anfang Mai steht schon fest: Dann stellt Stadtbaurätin Elisabeth Merk offiziell ihre ersten Ideen für die von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) angestrebte autofreie Altstadt im Planungsausschuss vor - genauer: für die autoarme Altstadt. Denn Anwohner und der Lieferverkehr sollen auch weiterhin in die Viertel innerhalb des Altstadtrings einfahren dürfen. Aber es soll zusätzliche Fußgängerzonen und kaum noch oberirdische Parkplätze geben.

Diese Debatte beginnt erst - weshalb der Stadtrat den zweiten Teil der großen Verkehr-an-der-Isar-Debatte erst einmal vertagt hat. Eigentlich sollte es nicht nur um die Ludwigsbrücke, sondern auch um eine Verschmälerung der Erhardt-, Steinsdorf- und Widenmayerstraße gehen, also zwischen Reichenbach- und Tivolibrücke (offiziell Luitpoldbrücke). Auch bei der Isarparallele warnt das Planungsreferat vor unerwünschten Autokolonnen quer durchs Gärtnerplatzviertel, durch die Au und durch Haidhausen.