VIP-Tickets für den Rapper Apache 207 am 2. Oktober in der Olympiahalle sind gerade im Angebot, genauso aber auch Karten für Roland Kaiser nächstes Jahr im April. Wer in München nach Konzerten sucht, nach Ausstellungen, nach Musicals, der stößt seit gut 30 Jahren auf München Ticket, den Kartenservice der Stadt. Doch wohl schon Ende des Jahres beginnt dort ein neues Kapitel: München will seine Ticket-Tochter verkaufen.
Wenn alles so kommt, wie es die Stadträtinnen und Stadträte erhoffen, dann ändert sich für die Kunden erst einmal nichts. München Ticket soll auch unter einem neuen Eigentümer „als Marke und Dienstleisterin der Kulturbetriebe“ erhalten bleiben, so steht es in der Vorlage zum Beschluss, der in der letzten Sitzung vor der Sommerpause gefasst wurde.
Die Idee, die hinter der Gründung von München Ticket steckt, wurde dem kommunalen Unternehmen letztlich zum Verhängnis. Der Kartenvorverkauf soll vor allem eine Plattform für städtische Kulturbetriebe sein, für das Deutsche Theater ebenso wie zum Beispiel für die Philharmoniker oder das Lenbachhaus. Dazu gibt es Tickets von geförderten Veranstaltungen und für Konzerte oder Aufführungen, die in städtischen Immobilien wie der Olympiahalle oder dem Stadion stattfinden.
Überregional Karten für die ganz großen Konzerte zu verkaufen, das ist dem kommunalen Unternehmen dagegen nicht erlaubt. Zu dieser Einschränkung kommt ein grundsätzlicher Rückgang des Interesses an Veranstaltungen. Allein zwischen Januar und April 2026 verkaufte München Ticket im Vergleich zu diesem Zeitraum im Vorjahr 17,8 Prozent weniger Eintrittskarten.
Dieser Trend prägt den Geschäftsbetrieb seit Jahren. Vom drastischen Einbruch im ersten Jahr der Pandemie mit einem Verlust von fast vier Millionen Euro hat sich München Ticket nicht mehr richtig erholt. Nur 2024 gab es einen Gewinn von 227 000 Euro. Seit 2020 musste die Stadt ihre Tochterfirma laut der Beschlussvorlage mit insgesamt 6,3 Millionen Euro unterstützen. Damit soll nun Schluss sein.
Eigentümerinnen von München Ticket sind jeweils zur Hälfte zwei ebenfalls kommunale Unternehmen, die bisher von dem Service auch stark profitieren: die Olympiapark-Gesellschaft und die Gasteig-GmbH. Sie suchen derzeit nach einem Käufer. Kriterien sind der Kaufpreis, die Zusage, alle Angestellten weiterzubeschäftigen, und nicht zuletzt auch, den Karten-Service für kommunale Kulturbetriebe weiter anzubieten.
Für den neuen Eigentümer müssten diese Vorgaben, wenn sie denn durchzusetzen sind, auf eine Quersubventionierung hinauslaufen. Profitabel ist derzeit nur der Kartenvorverkauf für die richtig großen und mittleren Events. Allerdings würde für den Käufer die Vorgabe wegfallen, nur Tickets in der Region anzubieten. Diese Regelung für das kommunale Unternehmen sieht das zuständige Referat für Arbeit und Wirtschaft als Hauptgrund an, dass München Ticket nicht rentabel arbeitet.
Angestrebt wird der Verkauf zum 31. Dezember dieses Jahres. Der Gewinn soll in den städtischen Haushalt fließen. Vorher muss die Stadt allerdings noch eine Bürgschaft von einer halben Million Euro übernehmen, damit der Betrieb für die Kunden bis zum Übergang an den neuen Eigentümer reibungslos weiterlaufen kann.


