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Stadt:Mehr Spielraum

In der dicht besiedelten Maxvorstadt gibt es nur eine Handvoll Flächen, auf denen Kinder toben können. Die Lokalpolitiker fordern jetzt von der Stadt eine bessere Ausstattung dieser stark frequentierten Orte

Es ist 20 Jahre her, dass der Stadtrat sich den spielerischen Aspekten Münchens widmete. Es ging um die Frage, wie kindgerecht der Stadtraum sein soll, also ob es genug Platz zum Tollen und Toben für die Kleinen gibt. Das beschlossene Konzept "Spielen in der Stadt" forderte ein kinderfreundliches Planen und Bauen - seitdem wächst die Zahl der Spielplätze, auch im Rahmen von Investorenprojekten; derzeit stehen Kindern stadtweit 750 Anlagen zum Klettern, Rutschen, Schaukeln zur Verfügung. Allerdings sind sie in manchen Stadtbezirken dünn gesät, in der Maxvorstadt zum Beispiel.

Der dicht besiedelte Bezirk gilt als äußerst attraktiv: viele Kultureinrichtungen und Kneipen, großstädtisches Flair - eine Sphäre für Erwachsene, jedoch weniger für Kinder. Es gibt kaum Grünflächen und nur eine Handvoll Spielplätze in diesem größtenteils versiegelten, 430 Hektar großen Stadtraum. Kein Wunder also, dass der Bezirksausschuss (BA) Maxvorstadt eine Art Spielplatz-Offensive gestartet hat.

Es ist dies ein sechsteiliges Antragspaket der örtlichen SPD, welches das Gremium jetzt beschlossen hat. Das Ziel ist nicht, neue Spielplätze zu schaffen - sondern die wenigen bestehenden zu verschönern und aufzuwerten. Die Initiative ist das Ergebnis einer Tour, die SPD-Politiker mit Bürgern zu den Anlagen unternommen haben, um dort Defizite zu identifizieren, die die Stadtverwaltung nun beheben soll.

Der Spielplatz im Alten Botanischen Garten wird viel genutzt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Für Familien im Westen des Stadtbezirks ist der Maßmannpark eine grüne Insel inmitten des Häusermeers. Im Einzugsbereich der zwei Hektar großen Anlage leben nach einer Erhebung der Stadt von 2016 gut 1960 Kinder; entsprechend hoch frequentiert ist der Park; viele karren ihre Sprösslinge mit dem Lastenfahrrad herbei, haben es mit den Gefährten aber bergauf schwer, die Tore zu öffnen, wie der BA-Antrag moniert. Die SPD fordert eine Verbesserung. Dazu zeigt sich, wie umkämpft diese Freizeitfläche in der zubetonierten Maxvorstadt ist. Des Öfteren treffen sich Fitnessgruppen am Bolzplatz, blockieren ihn damit aber für Kinder und Jugendliche. Die Lösung sieht der BA in einer Umlenkung der Erwachsenen: Die Stadt soll Fitnessgeräte, Reckstangen oder Ringe etwa beim Fußballplatz installieren. Ferner wünschen sich die BA-Politiker, die Schaukeln am Spielplatz entweder zu versetzen oder mittels Sonnensegel zu beschatten.

Der Spielplatz an der Westseite des Alten Nördlichen Friedhofs ist auch so ein rares Spiel-Refugium. Nachmittags und abends bilden sich dort vor den zwei Basketballkörben Schlangen, heißt es in dem Antragspapier. Die Stadt soll also schlicht mehr dieser Körbe aufstellen. Überdies könnte das Wasserspiel eine Wartung vertragen, der Bereich drumherum eine häufigere Reinigung. Auch hier fehlt es zudem an Schatten: Die Spielgeräte auf dem großen Sandplatz würden kaum genutzt, weil sie in der prallen Sonne stehen. Zwei neu gepflanzte Bäume könnten nach Einschätzung der SPD Abhilfe schaffen.

Thema: Mädchengerechte Spielplätze, fotografiert zwei Jungs beim Basketballspielen am Bolzplatz am alten Nördlichen Friedhof Tengstr.

Immer was los: der Bolzplatz am Alten Nordfriedhof.

(Foto: Florian Peljak)

Die nächste Insel zum Austoben ist beim Josephsplatz, ein sehr junger Spielplatz, erst 2017 eröffnet. Die Sitzbänke seien bereits abgenutzt und brauchten einen neuen Anstrich, heißt es, überhaupt sollen mehr Bänke aufgestellt werden. Dazu müssten Kletterseile erneuert, eine Hängematte wieder aufgehängt werden.

Nun zum Spielplatz an der Südgrenze des Stadtbezirks, der Anlage im Arnulfpark. Der bietet aus Sicht der SPD-Fraktion "großes Potenzial", sei aber "in den Sommermonaten viel zu heiß und mittlerweile leider bereits sehr verwahrlost". Elf Punkte umfasst der Forderungskatalog, eine Auswahl: Die Türen zum Kleinkinderbereich sollen repariert werden, ebenso die Rutsche und die Seilkonstruktion. Ferner wird die Stadt zu einer Grundreinigung aufgefordert: "Die Verschmutzung auf dem Spielplatzgelände ist enorm. Überall liegen Zigarettenkippen, Plastikreste und sogar Glasscherben herum."

Das Müllproblem sehen die Stadtviertelpolitiker auch im Alten Botanischen Garten als gravierend an; die Anlage ist bisher spieltechnisches Ödland, ihres zweifelhaften Rufes als Treffpunkt von Drogensüchtigen wegen. Familien trauen sich da schlicht nicht hin. Schon lange bemühen sich die Maxvorstädter Politiker, das zu änder, etwa mit dem großen Fest zum Weltspieltag vergangenes Jahr in der Parkanlage. Nun soll der Stadt nach Auffassung der BA-Politiker an einer "frühzeitigen präventiven Rattenbekämpfung" gelegen sein, und zwar ohne den Spielplatz an der Sophienstraße zu sperren. Insgesamt fordern die Stadtviertelvertreter, "die Müllproblematik im Alten Botanischen Garten sehr viel intensiver zu bekämpfen".