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Staatsschutz ermittelt:Polizeieinsatz nach Drohmail

20 Beamte durchsuchen das Münchner Rathaus

Von Martin Bernstein

Nach einer Bombendrohung hat die Polizei am Dienstagmorgen das Münchner Rathaus abgesucht. Gefunden wurde nichts. Eine Drohmail war am Montag gegen 23 Uhr bei der Stadt eingegangen. Die Polizei hielt sich auch auf Nachfrage bedeckt und sprach von einem "Einsatz wegen einer möglichen Bedrohungssituation", der am Dienstag gegen 10.20 Uhr beendet gewesen sei und an dem sich mehr als 20 Beamte beteiligt hätten.

Auch in Bremen und Köln waren gleichlautende Bombendrohungen gegen die Rathäuser eingegangen. Gedroht wurde damit, dass um 9.45 Uhr ein vor dem Gebäude deponierter Rucksack mit Plastiksprengstoff durch einen chemischen Zeitzünder in die Luft fliegen sollte. Unterzeichnet waren die Drohungen mit "Cyber-Reichswehr". Der Staatsschutz der Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Offenbar ist das Drohszenario identisch mit dem einer weiteren Mail, die am Freitagvormittag beim Münchner Landgericht eintraf. Auch dort wurde die Detonation einer deponierten Bombe angekündigt. Bereits im Januar hatte es eine ähnliche Drohmail gegen das Münchner Landgericht gegeben. Damals firmierte der Absender als "Nationalsozialistische Offensive".

Möglicherweise kommt die aktuelle Drohmailserie nicht von ungefähr. Das Landeskriminalamt und die Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus bei der Generalstaatsanwaltschaft München hatten erst am vergangenen Mittwoch in Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg sieben Objekte durchsuchen lassen, darunter Immobilien bei Rosenheim, Straubing und Bamberg. Die Razzia richtete sich gegen die mutmaßlichen Urheber von 23 Drohschreiben, die im Juli bundesweit an verschiedene Institutionen verschickt worden waren - unter anderem an zwei Moscheegemeinden in Pasing und Freimann. Es gab sechs Festnahmen. Die Münchner Bombendrohungen waren mit "Blood and Honour (trotz Verbot sind wir nicht tot)" unterzeichnet, andere mit "Combat 18". Es handelt sich dabei um ein Neonazi-Netzwerk und dessen bewaffneten Arm.

Am Samstag ging zudem eine weitere Drohmail bei mehreren Münchner Adressaten ein, auch sie Teil einer bundesweiten Serie. Die Morde von Halle, so behaupteten die Absender, die sich als "Staatsstreichorchester" bezeichnen, seien erst der Anfang gewesen. "Weitere Anschläge, mit mehr Toten, werden noch folgen." Unterzeichnet war die Mail mit: "Sieg Heil und Heil Hitler!"

© SZ vom 16.10.2019
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