Raubkunst:Aus Bormanns Beute

Rudolf von Alt, „Häuser in Teplitz“

Rudolf von Alts Aquarell "Häuser in Teplitz" war ursprünglich im Besitz des Wiener Sammlers Richard Stein.

(Foto: Staatliche Graphische Sammlung München)

Die Staatliche Graphische Sammlung München gibt ein Aquarell des Malers Rudolf von Alt an den rechtmäßigen Erben zurück.

Von Jürgen Moises, München

Wo soll er das Bild am besten hin tun? Das ist eine Frage, die Felix Bloch noch vor der offiziellen Übergabe stellt. An einen dunklen Platz in seiner Wohnung, ist der Ratschlag, den er von Dr. Andreas Strobl von der Staatlichen Graphischen Sammlung München in deren Studiensaal in der Katharina-von-Bora-Straße erhält. Und woher sollte der in Amerika lebende, einzige überlebende Enkel und Erbe des Wiener Sammlers Richard Stein auch wissen, wie man ein Aquarell gut aufbewahrt. Wusste er bis vor drei Jahren nicht einmal von der Existenz des 11,5 mal 17 Zentimeter großen Bildes "Häuser in Teplitz" des österreichischen Malers Rudolf von Alt, und dass es einstmals seinem Großvater gehörte.

Im Jahr 1938 verkaufte Richard Stein das Aquarell sowie noch weitere Werke nachweislich an die Münchner Kunsthändlerin Almas-Dietrich. Deutlich unter Wert, nachdem ihm diese erzählt hatte, die deutschen Truppen würden es sonst beschlagnahmen. Eine Zwangslage, die aber nur vorgetäuscht war. Stattdessen erwarb Almas-Dietrich das Aquarell für den damaligen NSDAP-Reichsleiter Martin Bormann. 1946 landete es im Central Collecting Point. 1959 hat es dann die Staatliche Graphische Sammlung als Überweisung aus Staatsbesitz erhalten. Dort war es zuletzt 2015 in der Ausstellung "Rudolf von Alt. ... genial, lebhaft, natürlich und wahr. Der Münchner Bestand und seine Provenienz" öffentlich zu sehen, aber ohne dass seine Herkunft eindeutig geklärt war.

Dass der mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern angereiste Felix Bloch das Bild als Restitution erhalten hat, ist einem von der Arbeitsstelle für Provenienzforschung in Berlin geförderten Forschungsprojekt zu verdanken, das gemeinsam mit dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte aufgesetzt wurde. Und dass Bloch es nun in der ehemaligen Verwaltungszentrale der NSDAP überreicht bekam, wo sich heute der Studiensaal befindet, hatte zudem eine "besondere Ironie", wie es der anwesende Kunstminister Bernd Sibler ausdrückte. Als ihn die mit dem Fall betraute Genealogin Andrea Enderlein 2018 aus Potsdam anrief, sei das wie aus heiterem Himmel gekommen, erzählte wiederum Felix Bloch. Denn sein Großvater hatte von den verlorenen Kunstwerken nie berichtet, auch seine Eltern hatten nie über die NS-Zeit und die Flucht gesprochen, bei der er selbst drei Jahre alt war. Bitternis verspüre er jedenfalls keine, nur Freude und eine gewisse Trauer. Weil sein Großvater selbst diesen Moment nicht mehr erlebt.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels wurde fälschlicherweise die Berliner Provenienz-Forscherin Angelika Enderlein genannt. Stattdessen war es aber die Potsdamer Genealogin Andrea Enderlein, die die Provenienzrecherchen im Fall Richard Stein durchgeführt und Herrn Bloch kontaktiert hat.

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