Er ist ein Nationalheld Irlands. Und gerade trank er mal wieder einen Kaffee in Kilian’s Irish Pub hinter der Münchner Frauenkirche. Johnny Logan war eine Art Ehrengast bei der Präsentation des Programms zu den zweitägigen „St. Patrick’s Day“-Feiern 2026 in München. Und dass der Musiker dabei nicht einmal offiziell etwas sagte und dass er diesmal auch nicht im Programm auftreten wird und trotzdem zur Pressekonferent kommt, zeugt tatsächlich von der großen Bedeutung dieses jährlichen Ereignisses. Kurz sei daran erinnert: Johnny Logan hat als einziger Mensch der Welt den Eurovision Song Contest dreimal gewonnen, zweimal als Sänger („What’s Another Year“, „Hold Me Now“) und einmal als Komponist („Why Me“). Viel mehr geht im musikverrückten Irland nicht.
Seit Jahren unterstützt Johnny Logan auch immer wieder den Münchner St. Patrick’s Day. Das hat Gründe: Er wohnt zeitweise bei seiner deutschen Freundin und Managerin in Unterhaching, er trinkt gerne seinen Kaffee im Pub seines Freundes Paul Daly, der das Herz der irischen Gemeinde Münchens ist, und die grüne Münchner Parade ist ja auch bedeutsam: Seit ihrer Premiere vor genau 30 Jahren hat sich der Umzug zum größten seiner Art auf dem europäischen Kontinent entwickelt. Dass Johnny Logan ausgerechnet zum runden Geburtstag nicht da sein kann, nicht als Sänger, nicht wie schon einmal als „Grand Marshal“ der Parade, findet er selbst sehr schade, wie er am Rande der Pressekonferenz sagte: Er sei dann nicht in München, aber er werde jetzt 72 und könne einfach nicht mehr so viel fliegen.
Der Umzug

Auch ohne einen Auftritt von Johnny Logan wird bei der St.-Patrick’s-Parade eine Menge geboten sein. Zehntausende Menschen werden am Sonntag, 15. März, wieder entlang der Strecke über Leopold- und Ludwigstraße von der Münchner Freiheit zum Odeonsplatz stehen. Sie bejubeln 1700 Teilnehmern in 70 Gruppen – Kapellen, Tänzern, Trachten-, Faschings- und Highland-Sport-Vereinen, Dudelsack-Truppen, der Feuerwehr aus Limerick. Angeführt wird der Zug von den Musikern der Trad Society University Galway, von einer Meute irischer Wolfshunde, von Bischof St. Patrick (Wolfgang Schramm), der Parade Princess (Faye Marie O’Meara) und der Grand Marshal (Alison Moffat-McLynn).
Wie das aus Sicht der Teilnehmer aussieht, schildert der langjährige Schirmherr, Oberbürgermeister Dieter Reiter, der mit Grün in dem Fall gar kein Problem hat: Von seiner Kutsche aus sehe er „ganz viele Menschen winken“, mit „den hohen Hüten der Brauereien“ und „mit strahlenden Augen“ – „das schaut lustig aus“. Reiter sagt, die von Hunderten Ehrenamtlichen organisierte Parade sei sehr wichtig für die Stadt, die Finanzierung sei für die nächsten Jahre gesichert: „Bei dem vielen Geld, das wir ausgeben, kommt er auf die paar Tausend Euro auch nicht an.“

Die Party nach der Parade
Dieter Reiter selbst hat einen großen Nutzen vom St. Patrick’s Day: Sie böte ihm, dem Hobby-Rocker, die Gelegenheit, mit seiner „Lieblingsband“ als Gitarrist vor ein paar Tausend Zuhörern aufzutreten. Reiter eröffnet mit der Paul Daly Band den Konzertreigen auf der Bühne an der Ludwigsstraße um 13.50 Uhr mit Irish Folk. Es folgen Rubicon (Traditional Irish Music), die Tänzerinnen und Tänzer von Rince O’Croi & Sweeney Irish Dancing und von den Celtic Colleens, und dann wieder Folk mit Galway Trad Soc und der Munich Ceili Band.
Auf der Hauptbühne vor der Feldherrnhalle geht es um 13 Uhr mit Galway Trad Soc los, um 14.45 Uhr spielen die Iren von Project M Irish-Rock und von 16.30 Uhr an die Münchner Cellarfolks Irish Speed Folk.
Auf dem Odeonsplatz und entlang der Ludwigstraße versorgen etwa 30 Imbissbuden die Gäste mit Essen und Getränken, im Zuge der Völkerverbindung gibt es freilich Bier von den Brauereien Guinness und Augustiner.
Die Pre-Parade-Party
So ein irisch-bayerisches Dorf baut man praktischerweise nicht nur für einen einzigen Tag auf. Es hat sich in den vergangenen Jahren schon eingebürgert, St. Patrick bereits am Tag vor der Parade hochleben zu lassen, mit Bier, Essen, Musik und Tanz. Bespielt wird die Bühne vor der Feldherrnhalle von der studentischen Musikorganisation Galway Trad Soc (11.30 Uhr), der serbischen Irish-Rock-Band O’Konrads (13 Uhr) und von Rubicon aus West Cork mit Traditionals (15.30 Uhr).
Beim Auftritt der Tänzer der Moffatt School um 14.30 Uhr (auch bei der Parade auf Position 15) sollte man unbedingt auf John Cosgrove achten. Nicht nur, weil er der Neffe ist von Derek McDonnell, dem Chef des Munich Irish Network Vereins, welcher die ganze St-Patrick’s-Feierei veranstaltet. Der 15-jährige John aus dem Städtchen Crossmolina ist schon ein Meister der traditionellen Sean-Nós, eines sehr expressiven Tanzes mit improvisierten Elementen. Er hat nicht nur einige All-Ireland-Titel gewonnen, sondern auch die Weltmeisterschaft der U15-Jährigen. Und nach Teilnahme an der „Riverdance“-Sommerschule wurde ihm die Ehre zuteil, mit der weltberühmten Show-Tanztruppe im Gaiety Theatre in Dublin aufzutreten.
Gottesdienst mit Dudelsäcken

Bei all der irischen Gaudi vergisst man leicht, dass der St. Patrick’s Day ein christliches Fest ist. Geehrt wird der heilige Patrick (sein Feiertag ist der 17. März), der Schutzpatron der Iren, ein römisch-britischer Missionar, der die Iren im 4. Jahrhundert zum Christentum bekehrte und nebenbei die Schlangen von der Insel vertrieben haben soll. Wolfgang Schramm vergisst das nicht, denn er verkörpert den Patron seit mehr als 15 Jahren auf der Parade, und das so überzeugend, dass manche Menschen ihn um seinen Segen bitten. „Ich bin kein echter Bischof“, sagt der Bärtige, aber eine frohe Botschaft hat er doch: „Besucht die wunderbare Messe in der Ludwigskirche!“
Am Vorabend der Parade heißt es dort „Celebrate St. Patrick“. Beim Gottendienst mit Konzert singen der Chor des Pestalozzi-Gymnasiums und der Tenor Kevin Connors, es spielen Verena Meurers-Zeiser an der Harfe, das Ensemble Orla Geary & The Reel Deal, der Organist Stephan Heuberger und viele Dudelsackspieler (Samstag, 14. März, 18 Uhr).
Die politische Botschaft

Wer auf der Parade nicht nur trinken und feiern, sondern auch gesellig sein möchte, braucht Diskussionsstoff. Gar nicht so einfach, wenn sich alle so gut verstehen. Also die Iren und die Bayern und speziell die Münchner, die so viel gemeinsam haben, nicht nur die Konzernsitze von Google und Amazon: die Liebe zum Land, zu Schafen (in keinem Bundesland leben mehr in Deutschland), zum Bier, zur Tradition. „Unsere Kulturen sind sich sehr ähnlich“, erklärt die in München geborene Parade Princessin Faye Marie O’Meara, „aber wir stagnieren nicht, wir bringen sie weiter. Und wir beide schaffen Verbindungen in alle Welt.“
Dabei sieht Paul Daly allerdings etwas Nachholbedarf in München: Schon 2012 habe er an die Stadträte geschrieben, er wünsche sich eine Städtepartnerschaft zwischen Dublin und München, wenn schon Würzburg eine mit Cork pflege und Kirchseeon eine mit Carrigaline. Ablehnend beschied man ihm: München habe kein Geld für weitere Partnerstädte. Aber Daly blieb dran, denn das würde auch wieder mehr junge Iren nach München bringen, die zuletzt eher nach Australien zögen. Und siehe da, Oberbürgermeister Dieter Reiter sagte auf der Pressekonferenz vor der Kommunalwahl: Ja, so eine Partnerschaft sei aufwendig, man müsse sie pflegen, die Besuche kosteten Geld, aber er liebe Dublin und würde gerne hinfahren. Er versprach, „diese Diskussion im neuen Stadtrat noch einmal aufzurollen“.
Auch einem anderen Wunsch gegenüber zeigte sich Reiter aufgeschlossen: Daly hatte ein „Haus des Bieres“ angeregt, eine ähnliche Touristenattraktion in Dublin locke jährlich eine Million Touristen an. Reiter erklärte, man habe dafür sogar schon einmal eine Immobilie direkt neben dem Hauptbahnhof ausgekundschaftet. „Ich würde das gerne einweihen, das scheint unserem Naturell zu entsprechen.“ Aber weiter ging er nicht in Vorleistung für so eine Biererlebniswelt: „Bezahlen müssten das die Brauereien selber.“
Weitere Events

Zur St.-Patrick’s-Filiale hat sich in den vergangenen Jahren das Wirtshaus im Schlachthof entwickelt. Auch 2026 gibt es hier am Vorabend der Parade wieder eine „Night of The Celts“. Bei der werden nicht nur die Iren gefeiert, sondern auch die Schotten. Die beiden keltischen Kulturen verbindet viel, so heißt es: die grünen Hügel, die roten Haare, die Schafe, der Whiskey alias „Das Wasser des Lebens“, die gälische Sprache, die Liebe zum Tanz und zur Musik. Reels und Jigs und mehr werden also gefeiert von der seit 20 Jahren aktiven Paul Daly Band und ihren Gästen: der Sängerin Tanja Maria, der Münchner Tanzgruppe der Munich Scottish Associacion, der KleinstePipeBand – einem Familientrio in Kilts aus Oberschwaben (14. März, 20 Uhr).
Das „Great Irish Poet’s Songbook“ wird bereits am Freitag, 13. März, um 18.30 Uhr im Pfarrsaal der Ludwigskirche aufgeschlagen. Der Pianist und Komponist James Hurley und der Tenor Dean Power vertonen Gedichte irischer Poeten wie Joyce, Yeats, Wilde, Moore, Parnell, Tynan und Mitchel.
Und natürlich lohnt es sich immer, bei einem der zahlreichen Irish Pubs in München zu schauen. Live-Musik gehört dort meist dazu, und zu Ehren des heiligen Patrick umso mehr. Ein paar Beispiele: Dubliner (Platzl 2), Scholar’s Lounge (Hochbrückenstraße 3), Irish Folk Pub „The Old Irish“ (Giselastraße 11), Kennedy’s Bar & Restaurant (Sendlinger-Tor-Platz 11), Shamrock (Trautenwolfstraße 6), Molly Malone’s (Kellerstraße 21) und Kilian’s (Frauenplatz 11).

