St. Bonifaz wird saniert Beten und Bauarbeiten

Ein Ort der Stille wird das Kloster an der Karlstraße in den nächsten Jahren nicht sein. Dafür sollen die Mönche von 2020 an dann unter anderem eine funktionierende Heizung und eigene Nasszellen haben

Von Anna Hoben

Jeden Morgen um sechs Uhr treffen sich die Mönche von Sankt Bonifaz zum ersten Gebet des Tages. Daran ändern auch Kräne und Baugerüste nichts. Doch pünktlich um sieben Uhr beginnen im Kloster die Bauarbeiten, dann ist es vorbei mit der Ruhe. Und so wird das voraussichtlich bis Ende 2020 bleiben. Der Abt nimmt es locker. "Wenn man in der Stadt lebt, gibt es immer Geräusche", sagt Johannes Eckert, "das ist so." Und hier sind sie ja mitten in der Stadt, zentraler geht es kaum. Direkt südlich des Königsplatzes, fünf Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. Außerdem, sagt der Abt, sei das ja auch beruhigend: "Wo Baustellenlärm ist, da wird gearbeitet." Ora et labora, bete und arbeite - das Motto der Benediktiner bekommt in Sankt Bonifaz zurzeit noch mal eine andere Bedeutung.

Abt Johannes Eckert steht im Gewölbekeller.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Abt rafft seinen Habit und stapft los. Seit Januar leben er und seine Mitbrüder auf einer Großbaustelle. Für 20 Millionen Euro werden der Haupttrakt und die Räume für die Obdachlosenarbeit generalsaniert. Neun Millionen bringt die Abtei selbst auf, der große Rest sind Zuschüsse von Bund, Freistaat, dem Erzbistum München und Freising, der Stadt München, verschiedenen Stiftungen und dem Verein der Freunde von Sankt Bonifaz. Auch wenn der Umbau mit einer Menge Lärm, Staub und Dreck verbunden ist, sind Abt Johannes und seine Mitbrüder froh, dass es jetzt endlich losgegangen ist. Es war höchste Zeit, die Liste der Mängel ist lang. Die Benediktiner sprechen gar von einem "Sanierungsstau von 150 Jahren".

Frater Emmanuelsteht im Erdgeschoss.

(Foto: Stephan Rumpf)

Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg ist die Basilika wiederaufgebaut und ein neues Gemeindezentrum errichtet worden. Das Klostergebäude selbst wurde zwischen 1943 und 1947 nur notdürftig saniert. Das Eigene wurde immer zurückgestellt", sagt der Abt, "es hat ja für uns so gepasst". Wenn etwas kaputt war, wurde der Schaden behoben, es wurde ausgebessert und geflickt, nur das Nötigste. Doch in den vergangenen Jahren seien sie "immer mehr an die Grenzen gekommen", wie Frater Emmanuel Rotter sagt. Er leitet die Obdachlosenarbeit im Kloster, die auch während der Bauarbeiten ohne Einschränkungen weitergeführt wird. Der Brandschutz war eine Katastrophe. Die Gewerbeaufsicht saß ihnen im Nacken wegen der Hygienevorschriften für die Küche, in der täglich das Essen für die Mönche und für bis zu 250 Obdachlose gekocht wird. Die Blechdächer waren verrostet. Im Winter fiel oft die Heizung aus. Und so weiter.

9 Mönche

So viele Bewohner hat das Kloster Sankt Bonifaz heute noch. Zu der Benediktinerabtei gehört auch das Kloster Andechs, dort wohnen fünf Brüder. Die meisten Mitglieder hatte die Gemeinschaft in den 1920er-Jahren. Damals lebten 40 Mönche in München und 60 in Andechs. Künftig soll es in Sankt Bonifaz einen eigenen Gästetrakt mit 21 Zimmern geben.

Ganz zu schweigen davon, dass der Wohnkomfort der Zeit hinterherhinkte. In den Zellen gab es nur Waschbecken, auf den Etagen teilten sich die Mönche Toiletten und Dusche, was morgens eine ausgeklügelte Organisation erforderte. Jetzt bekommen sie eigene Nasszellen. Man könne natürlich fragen, witzelt Abt Johannes, "ob dieser Luxus Mönchsstandard entspricht". Ein eigenes Bad sei aber nun einmal auch im Kloster normal, es gehe um eine "zeitgenössische Lebens- und Wohnqualität", nicht um "schöner wohnen". Natürlich freuten sich die Brüder aber auf die eigenen Badezimmer, wenn auch wohl nicht unbedingt darauf, sie zu putzen - für sein Zimmer ist jeder selbst verantwortlich.

Der Osttrakt ist eingerüstet. Vom Untergrund bis zum Dach wird das ganze Kloster saniert.

(Foto: Stephan Rumpf)

Drei Jahre lang stellen die Bauarbeiten das Leben im Kloster auf den Kopf. Dem strengen Tagesablauf zum Trotz müssen die Brüder nun immer auch improvisieren. Ihre Mahlzeiten nehmen sie im ehemaligen Jugendcafé im Sozialhaus auf dem Klostergelände ein. Es kommt vor, dass es kein warmes Wasser gibt oder der Strom ausfällt. Und während der einzelnen Bauphasen müssen sie gleich mehrmals umziehen. Bisher waren ihre 15 bis 30 Quadratmeter großen Zimmer über den ganzen Trakt verteilt. Während in der ersten Phase im Ostflügel gewerkelt wird, leben die Brüder im Westflügel; für die zweite Phase müssen sie dann in den Ostflügel.

Der soll von 2020 an mit 21 Gästezimmern ausschließlich den Besuchern des Klosters zur Verfügung stehen. Bislang waren auch die Gästezimmer über den Trakt verteilt, Gäste - etwa Mönche aus anderen Klöstern, die sich zum Studium, für Sprachkurse oder einfach zum Urlauben in München aufhielten - lebten mit den Benediktinern. Künftig sollen dank des eigenen Gästetrakts und dessen räumlicher Trennung von der Klausur, dem Rückzugs- und Wohnbereich der Mönche, sogar Frauen im Kloster unterkommen können. Die Benediktiner wollen die Angebote für Gäste dann auch ausbauen. Sie denken darüber nach, sogenannte stille Tage anzubieten oder Exerzitien zu bestimmten Themen, zum Beispiel verbunden mit Kunstbesuchen in den Pinakotheken.

Verantwortlich für die Umbauten ist der Bad Kötztinger Architekt Carl Schnabel, der seit mehr als 45 Jahren Kirchen und Klöster saniert. Die Affinität zu Sakralbauten habe er bereits als Zehnjähriger entwickelt, erzählt er, wenngleich er in seiner schulischen Laufbahn gleich "mehrere Internatsklöster verschlissen" habe. Sein Kollege Christof Bayer führt über die Baustelle. Er weist auf Details hin, die hinter dem Baugerüst versteckt sind, etwa eine Silikonfuge, die Kriegswunden sichtbar macht, den Übergang zwischen Alt und Neu zeigt, zwischen Original und Nachkriegsbau. Die Fassade ist mit Efeu bewachsen, darüber seien die Denkmalschützer nicht glücklich gewesen - das Gewächs greift die Fugen im Mauerwerk an.

Bayer führt hinab ins weitläufige Kellergewölbe. Kabel, Schläuche und Stapel mit Dämmstoffen liegen hier herum. Im Obergeschoss sind die Gänge freigelegt, hier wurde eine Menge mit Schadstoffen belasteter Kies entfernt. Es ist viel zu tun. Der Baukran sei am Benediktstag aufgestellt worden, erzählt der Abt, und - da sind wohl auch Mönche wie kleine Jungen - "es war eine große Freude für alle". Wenn er irgendwann wieder abgebaut ist, wird das vermutlich die noch größere Freude sein.