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Wasserball:Unaufsteigbar

München: Wasserball 2. BL / SG Stadtwerke Wasserball v BSC Pforzheim

40:4 Punkte, nur einmal verloren: Trotz ihrer "besten Saison seit Dekaden" bleiben Anton Spanjol und die SG in der zweiten Liga.

(Foto: Johannes Simon)

Die SG Stadtwerke München trauert der knapp verpassten sportlichen Qualifikation für die Bundesliga nach - und beklagt das Fehlen eines wettkampfgerechten Beckens.

Das Ambiente war herrlich am Samstag für die Wasserballer der SG Stadtwerke München. Im Dantebad trugen sie gegen Pforzheim ihr letztes Heimspiel dieser Saison aus, vor vielen Zuschauern, die natürlich vornehmlich zum Spaß ins Freibad gekommen waren. 7:5 gewann die Mannschaft von Spielertrainer Ivan Mikic - und schwamm hauchdünn am Zweitliga-Meistertitel vorbei. Nur wegen der besseren Tordifferenz erklomm der SV Weiden Platz eins vor den Münchnern, die laut ihrem stolzen Vorsitzenden Andreas Füchsl ihre "beste Saison seit Dekaden" gespielt haben. 2016 waren sie Dritter, 2015 Zweiter, allerdings war die Liga damals wesentlich schwächer; davor dümpelten sie im Mittelfeld herum. Und nun: 40:4 Punkte.

"Wir haben nicht Silber gewonnen, sondern Gold verloren", sagt Trainer Mikic

Eigentlich müssten sie sich ärgern, nicht Meister geworden zu sein vor dem Erstliga-Absteiger Weiden. Denn sie haben sich diesen eigentlich utopischen Erfolg auch noch selbst vermasselt, als sie ihr Heimspiel gegen Leimen/Mannheim 12:14 verloren, garniert mit einer umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidung. "Ohne dieses Phantomtor wären wir vielleicht Meister geworden", sagt Spielertrainer Ivan Mikic. Doch der Schiedsrichter gab den Treffer für den Gegner und leitete damit die einzige SG-Niederlage in dieser Saison ein. Es war eine großartige Saison, in der die Münchner sich erneut als Spitzenteam etablierten und zugleich viele Talente integrierten, wie Anton Bander, 17, Stefan Kovacevic, 17, oder Aaron Katona, 16. In Filip Barisic, 16, und Joachim Hess, 15, stehen schon die nächsten aus der herausragenden SG-Jugend bereit. Am Ende dieser Spielzeit sagt Mikic jedoch: "Wir haben nicht Silber gewonnen, sondern Gold verloren."

Mikic' Worte sind Teil des neuen Selbstbewusstseins der einst guppykleinen Münchner Wasserballer, die drauf und dran sind, sich wieder in die erste Liga zu hieven. Aber bei diesem Thema wird es kompliziert. Denn die SG hätte sich schon dieses Jahr für das Relegationsturnier zur ersten Liga anmelden können - ironischerweise hat sich Primus Weiden aus finanziellen Gründen dazu entschlossen, in der zweiten Liga zu verbleiben. Aber auch München lehnte ab - weil die SG kein regelkonformes Becken fürs Oberhaus hat. Ausgerechnet in ihre erfolgreichste Zeit fällt die Sanierung der Olympiaschwimmhalle, die sich noch weit ins Jahr 2018 hineinzieht. Dort können die Wasserballer kommende Saison also nicht spielen, und ein anderes taugliches Bad besitzt München nicht. Jedenfalls im Winter, wenn ein Großteil der Saisonspiele absolviert wird.

Das Anton-Fingerle-Bad in Giesing, wo sie dann spielen, ist von Torlinie zu Torlinie weder 25 Meter lang noch 15 Meter breit noch zwei Meter tief, wie es die Statuten verlangen. Die Münchner müssten für ihre Heimspiele nach Ingolstadt oder Augsburg ausweichen, "und das ist absolut utopisch", wie SG-Chef Füchsl findet. Er appelliert deshalb nicht zum ersten Mal an die Stadt, mehr Wasserflächen zu schaffen: "Wir haben es dem Sportamt schon zigmal gesagt: München braucht ein zusätzliches 50-Meter-Becken, so eine Halle wäre von frühmorgens bis spätabends voll." Am Etat scheitere der Erstligaaufstieg der SG jedenfalls nicht. "Die 30 000 bis 40 000 Euro zusätzlich würden wir schon auftreiben."

So kommt es nun in der zweiten Liga Süd zu einer paradoxen Situation. Denn neben Weiden und München verweigern sich auch der Dritte Leimen/Mannheim und der Vierte Fulda einem möglichen Aufstieg. Der Fünftplatzierte Ludwigsburg macht nun beim Relegationsturnier mit - und hat gute Chancen: Zwei der drei Teilnehmer dürfen hoch in die erste Liga. "So gut wie dieses Jahr werden die Chancen auf die erste Liga nie mehr sein", sagt Füchsl. Denn aus der ersten Liga steigen Cannstadt und Würzburg in die zweite Liga Süd ab. Die Münchner schwimmen also künftig in einem wahren Haifischbecken.

© SZ vom 28.06.2017
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