Volleyball Zu früh gefreut

"Ich habe mich mega gefreut, dass ich Einsatzzeiten bekommen habe": Jonas Sagstetter (re.), nervenstarker Europacup-Neuling bei den Alpenvolleys.

(Foto: Oryk Haist/imago)

Im ersten Europapokalspiel in Unterhaching seit fünf Jahren haben die Alpenvolleys einen klaren Sieg vor Augen. Doch dann fühlen sie sich zu sicher.

Von Sebastian Winter, Unterhaching

Die Ausgangslage versprach einige Spannung, nicht nur, weil am Donnerstagabend in Unterhaching mal wieder ein Volleyball-Europapokalspiel präsentiert wurde, erstmals seit fast fünf Jahren. Auch die Namen der Duellanten deuteten auf einen ereignisreichen Abend hin. Immerhin trafen sich am Utz-weg Novi Sad und die Hypo Tirol Alpenvolleys Haching zum Sechzehntelfinal-Hinspiel im CEV-Cup - der Tabellenführer der serbischen Profiliga gegen den Bundesliga-Spitzenreiter. Und so kam es dann auch, nach mehr als zwei Stunden Spielzeit gewannen die Alpenvolleys die am Ende dramatische Partie mit 3:2 (25:19, 25:20, 21:25, 25:27, 15:13). Das Bittere war nur, dass sie das Feld trotz des Sieges enttäuscht verließen - weil sie die Partie aus der Hand gegeben hatten.

Auch Mihai Paduretu, der Sportdirektor der Alpenvolleys, war eher in Katerstimmung nach Schlusspfiff. Die ersten Sätze hatte er noch entspannt auf einem Stuhl am Rande des Spielfeldes verfolgt, danach war er mal hier, mal dort, wohl auch deshalb, weil die Unruhe ihn nicht mehr auf seinem Platz gehalten hatte. "Das ist ärgerlich, das musst du 3:0 gewinnen", sagte Paduretu, "am meisten ärgert mich, dass wir hier in der nächsten Runde Trento haben könnten" - dass die Alpenvolleys sich auf dem Weg ins Achtelfinale gegen den italienischen Spitzenklub nun aber die größte Hürde selbst in den Weg gestellt haben. Mit einem 3:0 oder 3:1 hätten sie beste Chancen in Novi Sad gehabt. Die Serben hätten das Rückspiel am kommenden Donnerstag ebenfalls mit 3:0 oder 3:1 gewinnen müssen und außerdem den "Golden Set" direkt im Anschluss, um weiterzukommen. Jetzt ist es so, dass die Alpenvolleys das Rückspiel gewinnen müssen; verlieren sie 2:3, folgt die Entscheidung im Golden Set. Verlieren sie 0:3 oder 1:3, sind sie draußen.

Für Paduretu ist ein Gegner vom Format Trentos auch deshalb so wichtig, weil er nach dem finanziellen Aus im Sommer 2014 Erstliga-Volleyball in Unterhaching wieder einpflanzen will: "Nur so kommen wir weiter, wenn hier Weltklasseteams wie Trento spielen." Das Problem ist, dass der TSV Unterhaching, dessen Geschäftsführer Paduretu ist, zwar die Lizenz hält, die Alpenvolleys aber eigentlich in Innsbruck beheimatet sind. Die Mannschaft und das Publikum fremdeln auch in ihrer zweiten Saison noch, der einzige Hachinger Spieler, Jonas Sagstetter, ist nur Ersatz. Immerhin fanden gegen Novi Sad rund 700 Zuschauer den Weg in die Halle, die Stimmung war gar nicht schlecht - die Arena aber nur halb voll. "Es hätten mehr sein können, aber das muss wachsen hier, Schritt für Schritt", sagt Paduretu.

Spektakuläre Spiele wie jenes gegen Novi Sad sind nicht das schlechteste Mittel, um Synergien zwischen Team und Publikum zu erzeugen. Die Alpenvolleys hatten dabei stark begonnen, in den ersten beiden Sätzen setzten sie sich jeweils relativ souverän durch. Auch dank der Angriffe des sprungfedrigen Pawel Halaba und der cleveren Zuspiele von Danilo Gelinski, dem Paduretu ein Extralob schenkte: "Er entwickelt sich zum Leader." Im dritten Satz folgte der Einbruch, schlichtweg deshalb, weil sich die Alpenvolleys in Sicherheit wähnten. Aus einer 8:4-Führung wurde ein 13:17-Rückstand, Aufschlag, Annahme, Angriff - nichts funktionierte mehr. Der Satz ging verloren, die Serben bekamen Aufwind und behielten auch im engen vierten Durchgang die Nerven. Dass die Alpenvolleys das Spiel dennoch gewannen, war vor allem ihrem brasilianischen Mittelblocker Douglas Duarte da Silva zu verdanken, der Topscorer wurde - und ein wenig auch Jonas Sagstetter. Er kam in kritischen Momenten ins Spiel und bewahrte die Ruhe. "Ich habe mich mega gefreut, dass ich meine Einsatzzeiten bekommen habe", sagte der 19-Jährige. Nun hofft er auf weitere Minuten am Sonntag in Innsbruck, im Spiel des Bundesliga-Tabellenführers gegen den deutschen Meister Berlin.