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Volleyball:Vision ohne Abkürzung

TSV Turnerbund München U16 deutsche Meisterschaft zweiter Platz

Nur einer von vielen Jugenderfolgen für den Turnerbund München: Platz zwei bei der deutschen U16-Meisterschaft 2018.

(Foto: Jonny Linke/ RocciPix.de / oh)

Antrag auf Wildcard abgelehnt: Die Volleyballerinnen des TSV Turnerbund München, die als hervorragende Kaderschmiede gelten, haben sich für die zweite Liga beworben. Nun bleiben sie doch Regionalligist - weil sie nicht genügend Mehrwert bieten.

Von Katrin Freiburghaus, München

Gerhard Eberl schaltete schnell in den Pragmatik-Modus, die Enttäuschung war ihm am Donnerstag trotzdem noch deutlich anzumerken: Zwei Monate lang hatte der Volleyball-Abteilungs- und Stützpunktleiter des TSV Turnerbund München gehofft, die Regionalliga-Frauen könnten die früh abgebrochene Saison womöglich zu einem vorzeitigen Sprung in die zweite Bundesliga nutzen. Doch am Donnerstag lehnte der Vorstand der Volleyball Bundesliga (VBL) den Antrag auf eine Wildcard ab. "Damit muss man rechnen, es war ein völlig offenes Verfahren", sagt Eberl ohne Groll. Die große Mehrzahl der Frauen-Vereine in der zweiten Bundesliga Süd hatte sich gegen den außerplanmäßigen Aufstieg der Münchnerinnen ausgesprochen, der Veto-berechtigte Vorstand war dem Votum gefolgt.

Zurückgeworfen werde dadurch weder der Verein noch dessen Arbeit als bayerischer Leistungsstützpunkt, versichert Eberl, und fügt fast ein bisschen entrüstet hinzu: "Wir haben natürlich die ganze Zeit zweigleisig geplant!" Der Antrag auf eine Wildcard, die Vereinen mit großem strukturellen Potenzial die Chance zu einem nicht sportlichen Sprung in die erste oder zweite Bundesliga gibt, steht Teams aus jeder beliebigen Liga offen. Das Team des TB München war mit dem Ziel Drittliga-Aufstieg in die Corona-Saison gestartet und nach vier Spieltagen auf einem guten Weg gewesen. Dann aber wurde der Spielbetrieb ohne die Ermittlung von Aufsteigern abgebrochen; die Möglichkeit, außerplanmäßig einen Platz in der dritten Liga zu beantragen, bestand nicht. "Da haben wir den Weg über die zweite Liga geprüft", sagt Eberl, was wesentlich spontaner klingt, als es in der Realität war.

Der Bewerbung ging eine sorgfältige interne Evaluierung voraus, die sowohl sportliche Leistungsfähigkeit und Nachhaltigkeit als auch wirtschaftliche Faktoren einschloss. Mit letzteren war die VBL zufrieden, die den TB eng begleitet hatte. Bezüglich des Mehrwerts, der Grundlage für die Erteilung einer Wildcard ist, gingen die Einschätzungen bei Verein und Liga hingegen auseinander. "Der TB München setzt stark auf den Nachwuchs, was wir grundsätzlich sehr begrüßen", sagt Lisa Krieger von der VBL, "das Ziel der Wildcard ist es aber, das Niveau der Liga zu heben." Gemeint sind damit vor allem Eventisierung, Reichweitensteigerung und Zuschauergewinnung. In all diesen Bereichen sei der Sprung von der vierten in die zweite Liga "sehr groß".

"Wir haben vor ungefähr zehn Jahren mit zwei Mannschaften begonnen", sagt TB-Abteilungsleiter Eberl. Inzwischen sind es 29

Im Fall eines regulären Aufstiegs bekommen Vereine für diese Punkte Zeit, weil sie sich sportlich qualifiziert haben. In diesem Fall hätte der TB München den Anforderungen genügt. Als maßgebliche Grundlage für den Sprung in Liga zwei reichten der Standort München und die rasant gewachsene und sehr erfolgreiche Jugendarbeit dagegen nicht aus. "Unsere Motivation war es, unsere Nachwuchsspielerinnen verstärkt höherklassig spielen zu lassen", sagt Eberl. Für den Verein ein starkes Argument - für die unmittelbare Qualitätssteigerung der Liga nicht.

Und so muss die Entwicklung der TB-Volleyballerinnen ohne Abkürzung auskommen. Die kann sich aber ohnehin sehen lassen: "Wir haben vor ungefähr zehn Jahren mit zwei Mannschaften begonnen", sagt Eberl. Inzwischen sind es 29. Für die Spielerinnen von anderthalb Teams ging das Training sogar trotz Corona-Maßnahmen weiter, wenn auch nicht gemeinsam im Verein, sondern nach Alter gestaffelt in ihrer Rolle als Kader-Spielerinnen des Bayerischen Volleyball-Verbands. "Somit hat uns die Pandemie in Bezug auf unsere erste Mannschaft keine Schwierigkeiten bereitet", sagt Eberl. Zwar fehlten die Spiele, die sportliche Ausbildung aber lief weiter.

Genau um diese Kader-Athletinnen aus den Jahrgängen 2004/2005 und 2006/2007 ging es Eberl beim Antrag auf die Wildcard langfristig. Eine große Abwanderungswelle erwartet er vor der kommenden Saison noch nicht. Viele Leistungsträgerinnen, die bereits in der Vergangenheit immer wieder von Zweitligisten umworben worden seien, schrieben im kommenden Frühjahr ihr Abitur. Damit, dass sie für die Bundesliga-Teams im Umland interessant bleiben werden, müsse man hingegen rechnen und leben, sagt er. Während noch Unklarheit darüber herrscht, wann und wie Trainings- und Spielbetrieb wieder freigegeben werden, legt sich Eberl in einem anderen Punkt fest: "Wir werden unserer Vision weiter folgen und treten mit dem klaren Ziel Drittligaaufstieg an."

© SZ/sewi/lib
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