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Volleyball:Unvollendeter Erfolg

Raus mit Applaus: Claudia Mürle zieht sich aus der ersten Reihe zurück und kümmert sich künftig beim SV Lohhof wieder vermehrt um die Talentförderung.

(Foto: Claus Schunk)

Lohhofs Volleyballerinnen beenden ihre Saison am grünen Tisch, nachdem die abschließenden Partien gegen Grimma und Dingolfing wegen vieler Corona-Infektionen bei den Gegnern nicht mehr gespielt werden können. Zufrieden sind sie dennoch mit ihrem starken dritten Platz - und blicken optimistisch in die Zukunft.

Von Sebastian Winter, Unterschleißheim

Am 29. April saßen Lohhofs Volleyballerinnen zusammen, eigentlich hätten sie sich beim Training an jenem Donnerstag noch einmal eingeschworen auf die beiden letzten Saisonspiele gegen Dingolfing und Grimma. Beide Partien waren ja wegen vieler Corona-Infektionen bei Lohhofs Gegnern verschoben worden - inzwischen wurden sie abgesagt: Bei Grimma sind am 30. April alle Verträge ausgelaufen, außerdem haben dort wie auch in Dingolfing einige betroffene Spielerinnen noch mit den Folgen des Virus zu kämpfen. Zu spielen, obwohl es sportlich um nichts mehr geht, hätte schlicht keinen Sinn mehr gehabt. Und so war der vorvergangene Donnerstag gewissermaßen auch ein Abschlussabend für den SV Lohhof, der die Zweitliga-Saison auf dem starken dritten Platz beendet.

Teammanagerin Martina Banse verteilte mit Abteilungsleiter Lars Benner ein paar Geschenke, die Spielerinnen bekamen je ein Neunerset Magneten mit personalisierten Fotos, dazu persönliche Briefe und eine kleine Prämie - das Team hatte ja in der Corona-Saison auf jegliche Aufwandsentschädigungen verzichtet. "Das Ende ist jetzt ein bisschen traurig, für unsere Mädels tut es mir unfassbar leid", sagt Banse. Lohhofs Kapitänin Sandra Baier habe von einer "unvollendeten Saison" gesprochen, "das trifft es ziemlich gut", findet Banse.

Das letzte Heimspiel ist für Lohhof geplatzt, die Spielerinnen können sich dort nicht vom Helferteam und - virtuell über den Livestream - von ihrem Publikum in die Sommerpause verabschieden. Aber alles stehe unter der Prämisse, "dass in Grimma und Dingolfing alle bald wieder gesund sind", sagt Banse. Wie die ausgefallenen Spiele schließlich gewertet wurden, passt aber auch zum Wirrwarr dieser Saison: Da der TV Dingolfing auf eine Neuansetzung des Spiels gegen Lohhof verzichtete, verlor er am grünen Tisch mit 0:3. Grimma und Lohhof verständigten sich wiederum beide darauf, ihre Partie nicht mehr nachzuholen - für beide steht dadurch ein 0:3 in der Statistik.

Es ist zugleich eine Saison, in der Lohhofs Frauen ziemlich stolz auf sich sein können. Sie haben 17 von 24 Spielen gewonnen, mit Platz drei hätten sie vor der Saison nicht unbedingt gerechnet. Zumal fünf Neulinge integriert wurden, von einem Trainerinnen-Duo, das ebenfalls noch nicht zusammengearbeitet hatte. Aber die Arbeitsteilung zwischen der für den technischen Feinschliff zuständigen Claudia Mürle, die immer auch Seelentrösterin war, und Elena Kiesling, die dem Team mit wissenschaftlicher Expertise eine klare Struktur gegeben und es auch im athletischen Bereich vorangebracht hat, fruchtete. "Platz drei ist Bombe, eine super Saison", sagt Banse.

Das Team musste im Gegensatz zu anderen Konkurrenten kein einziges Mal in Quarantäne

Vor einem Jahr hatten sie im Klub ja nicht einmal gewusst, ob es weitergeht in der zweiten Liga. Alles war unwägbar, ob die Sponsoren bleiben, ob deshalb auch ein konkurrenzfähiger Etat aufgestellt werden kann. Es ging dann doch weiter, ohne Publikum, dafür aber mit unzähligen Corona-Tests. Immerhin: Das Team musste im Gegensatz zu vielen anderen Konkurrenten kein einziges Mal in Quarantäne. Auch der Hauptsponsor, ein örtliches Hotel, hielt durch, obwohl es seit Monaten keine Touristen empfangen kann.

So ist Lohhof auch wirtschaftlich besser als gedacht durch die Saison gekommen. "Wir haben enorm viel eingespart", sagt Banse, sie spricht von an die 40 000 Euro. Der Reisebus zu Auswärtsfahrten wurde durch preiswertere Autos ersetzt, die Spielerinnen verzichteten auf Leasingautos und Aufwandsentschädigungen. "Wir stehen gut da, vor einem Dreivierteljahr hatte ich wesentlich mehr Bauchschmerzen", sagt Banse.

Die Mannschaft will zum Großteil zusammenbleiben, der Klub möchte auch Führungsfiguren wie Kapitänin Sandra Baier und Zuspielerin Mona Boyer halten. Allerdings verändert sich die bisherige Doppelspitze aus Elena Kiesling und Claudia Mürle: Mürle, die in Lohhof einst erste Liga spielte und dem Verein in allerlei Funktionen geholfen hat, möchte ihr Augenmerk wieder vermehrt auf den unteren Damenbereich legen. "Lohhof muss sich aus der eigenen Jugend heraus rekrutieren, wir müssen schauen, dass diese Brücke wieder vermehrt von unten nach oben geschlagen wird", sagte Mürle, die vom Verein viel Lob "für ihre herausragende Arbeit und ihr Engagement während der letzten Saison" erhielt. Kiesling soll Lohhofs Frauen auch weiterhin als Cheftrainerin anleiten.

Letztlich war die Philosophie und Herangehensweise der beiden Trainerinnen wohl zu unterschiedlich, um auch langfristig gemeinsam an der Seitenlinie stehen zu können. Das Ergebnis dieser Saison spricht trotzdem für ihren gemeinsamen Erfolg.

© SZ
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