Volleyball Transalpine Fehlleistung

Die Alpenvolleys Haching gehen im zweiten Playoff-Halbfinale bei Meister Berlin mit 0:3 unter und müssen den 1:1-Ausgleich in der Serie hinnehmen. Am Mittwoch sollen die Heimfans helfen.

Von Katrin Freiburghaus, Berlin/München

Nach nicht einmal 80 gespielten Minuten streckte sich Hugo De Leon Guimaraes da Silva noch einmal so lang wie möglich, um die Finger doch irgendwie an den Ball zu bekommen. Allein: Es half nicht. Der abgefälschte Berliner Angriff landete hinter der grell leuchtenden LED-Bande - der brasilianische Angreifer der Hypo Tirol Alpenvolleys Haching, genannt Hugo, blieb frustriert daran hängen. Es war der letzte Ball des Abends, die Alpenvolleys unterlagen dem aktuellen Meister Berlin im zweiten Halbfinal-Spiel deutlich mit 0:3 (21:25, 15:25, 21:25). Wie eine abschließende Demütigung lief hinter Hugos Bein in riesigen Lettern der Slogan "Mit der besten Empfehlung zum Erfolg" über die Bande.

Es war keine Empfehlung in eigener Sache gewesen, was die Alpenvolleys am vergangenen Samstag im zweiten Spiel der Halbfinal-Serie um die deutsche Volleyball-Meisterschaft in Berlin vor knapp 4600 Zuschauern abgeliefert hatten. "Heute war so ein Tag, an dem wir noch fünf Stunden lang hätten weiterspielen können und trotzdem keinen Satz gewonnen hätten", sagte Stefan Chrtiansky, Trainer der österreichisch-deutschen Koproduktion aus Innsbruck und Unterhaching. Eigentlich hatte seine Mannschaft nach dem 3:1 zum Auftakt der Best-of-five-Serie ohne Druck aufspielen sollen. "Aber das ist nicht gelungen", analysierte er zerknirscht, "wir haben zu keinem Zeitpunkt den richtigen Rhythmus gefunden und ihnen im ersten Satz zehn Punkte mit unseren Fehlern geschenkt." Generalmanager Hannes Kronthaler sagte trocken: "Wir hatten das ganze Spiel keine Chance; erst im dritten Satz ist es überhaupt ein Volleyballspiel geworden." Im ersten Satz hatte Berlin die Alpenvolleys mit starken Aufschlägen sofort massiv unter Druck gesetzte, war 8:2 in Führung gegangen und hatte die Tiroler nicht mehr näher als drei Punkte herankommen lassen.

Im zweiten Satz waren die Gastgeber in einem Zwischensprint ebenfalls früh von 8:7 auf 17:10 davongezogen. Den dritten Durchgang hatten die Alpenvolleys zumindest lange ausgeglichen gestaltet. Zur Satzmitte war Diagonalangreifer Kirill Klets dann ein paar Ballwechsel lang fast alles gelungen, so dass sie sogar mit 15:13 vorn gelegen hatten. Berlin hatte darauf allerdings mit verschärftem Druck im Aufschlag reagiert und auch diesen Satz letztlich ungefährdet für sich entschieden. Acht Asse und elf Aufschlagfehler standen in der Berliner Statistik, bei den Alpenvolleys waren es 14 Fehler und ein Ass. Das Hauptproblem der Gäste war aber die wacklige Annahme, unter der das Angriffsspiel erheblich gelitten hatte.

Kronthaler wirkte dennoch entspannt, was nach Niederlagen längst nicht immer der Fall ist. Der Bauunternehmer und Macher des transalpinen Kooperationsprojekts kann ja durchaus deutlich werden, wenn ihm die Vorstellung seines Teams missfällt. In Berlin empfahl er dagegen, "das so einzuordnen, dass wir einfach schlecht gespielt haben" und schnell abzuhaken. "Das Spiel soll nicht nachwirken, es ist auswärts nie leicht", sagte er, "in Innsbruck wird Berlin dann wieder ein Problem haben."

Wie schon im ersten Heimspiel der Serie, als den Alpenvolleys mehr als 2000 Zuschauer einen Besucherrekord beschert hatten, seien auch für das kommende Heimspiel am Mittwoch (19 Uhr) bereits 900 Tickets verkauft. Kronthaler beschwor erneut den Einfluss des Publikums, das seinem Team im ersten Spiel "den vierten Satz schon auch mit gewonnen" habe. Berlins Kapitän Sebastian Kühner machte den Alpenvolleys dagegen wenig Hoffnung auf einen zweiten Heimsieg. "Bei Haching werden Leute eingewechselt, das fruchtet aber nicht; da kommt kein Impuls, da kommt nichts Neues", sagte er beim übertragenden Fernsehsender Sport1, "bei uns ist das anders, weil wir auf allen Positionen eine durchgehende Qualität haben. Das ist unser Vorteil."

Tatsächlich können die Berliner speziell im Angriff nicht nur gleichwertig, sondern mit Gewinn wechseln. Dass diese Möglichkeit bei den Alpenvolleys nicht besteht, unterstrich in Berlin neben diversen wirkungslos verpufften Wechseln auch die Bilanz von Hugo, die bei minus vier lag, aber trotzdem nicht gereicht hatte, um ihn durchgängig auf die Bank zu befördern. Zwar war Niklas Kronthaler immer wieder für ihn aufs Feld gekommen, wenn die Annahme allzu stark gewackelt hatte. Der 24-Jährige mit der langen Verletzungshistorie ist im Angriff aber nicht auf demselben Niveau wie Hugo in Normalform.

Die Partie am Mittwoch kann die Serie somit zwar nicht entscheiden, wird aber Aufschluss darüber geben, was in diesem Duell der wesentlichere Faktor ist: Kadertiefe oder Heimvorteil. Den Alpenvolleys käme Letzteres gelegen. Da sie die Hauptrunde vor Berlin abschlossen, hätten sie bei fünf Spielen ein Heimspiel mehr.