Volleyball Tarantino und die Traumfabrik

"Ein richtig cooler Typ": Matt Tarantino, 23, Angreifer aus Los Angeles und optisch unbedingt preiswürdig.

(Foto: privat)

Little Hollywood in Herrsching: Neue Spieler und eine Hoffnung

Von Fabian Swidrak, Herrsching

Ein Hollywoodstreifen über den geilsten Club der Welt wäre nur angemessen. Und wer das Talent zur PR beim TSV Herrsching kennt, der wäre nicht überrascht, wenn sie beim "Geilsten Club der Welt" (Arbeitstitel) längst am Drehbuch dafür schrieben. Doch wer könnte Regie führen? Oscar-Preisträger Quentin Tarantino (Pulp Fiction, Django Unchained) kommt dafür eher nicht in Frage, nicht einmal jetzt, da der Volleyball-Klub vom Ammersee einen Spieler geholt hat, der denselben Nachnamen trägt. "Sport im Fernsehen ist Folter für mich", hat Tarantino, der Regisseur, einmal gesagt.

Vermarktungspotenzial ist bei einem Verein, dessen Team in Trachten-Trikots spielt und der seinen Hallensprecher als König verkleidet auf einer Sänfte in die Arena tragen lässt, eine wichtige Eigenschaft für im Grunde alles und jeden. Insofern ist Matt Tarantino für die Verantwortlichen des TSV Herrsching ein echter Glücksgriff. Der 23-jährige US-Amerikaner stammt aus Los Angeles, wuchs nur 20 Minuten von Beverly Hills entfernt auf. "Ein wenig Hollywood am Ammersee", heißt es in der Pressemitteilung zur Verpflichtung des Diagonalangreifers, der in der kommenden Saison das Erbe des nach Friedrichshafen abgewanderten Daniela Malescha antreten wird. "Matt passt zu uns, er ist ein richtiger cooler Typ", sagt Trainer Max Hauser. Und: "Ach ja, er spielt auch gut Volleyball." Eine ebenfalls nicht ganz unwesentliche Eigenschaft.

Tarantino spielte zuletzt für die Pepperdine University in der amerikanischen College League NCAA. Von der dortigen Trainervereinigung wurde er im Mai - typisch amerikanisch - ins Allstar-Team derjenigen Spieler gewählt, die es nicht ins eigentliche Allstar-Team geschafft haben. Sein Leistungsvermögen scheint sich nur vage in die deutsche Bundesliga einordnen zu lassen. Maleschas Fußstapfen könnten anfangs arg groß sein. "Wir können uns keinen Spieler leisten, der schon eine Hausnummer ist", räumt Hauser ein. "Ich sehe ihn wie Daniel vor zwei Jahren. Von allen Spielern, die wir uns angesehen haben, habe ich nach Sichtung der Videos und Statistiken bei ihm das beste Gefühl." Tarantino (2,04 Meter) sei sehr athletisch und extrem ehrgeizig. "Er ist bereit, an sich zu arbeiten", sagt Hauser, ein selbstbewusster Typ, der "nach Niederlagen nicht weint", sondern positive Erkenntnisse daraus ziehe und Mitspieler mit positiven Emotionen auf dem Feld mitreiße - eine Eigenschaft, die Hauser dem eher nachdenklichen Malescha nicht zuschreibt.

Die Kaderplanungen des TSV Herrsching nähern sich nach Tarantinos Verpflichtung allmählich ihrem Abschluss. Zwei neue Spieler will der Klub in den kommenden Tagen noch vorstellen: einen Mittelblocker und einen "richtig, richtig guten" Außenangreifer, wie Hauser sagt. Beide seien deutschsprachig, einer Deutscher. Die Vertragsunterschrift steht jeweils unmittelbar bevor.

Schon bald können sich die Klub-Verantwortlichen also auf die zweite große Baustelle im Verein konzentrieren: die Suche nach einer bundesligatauglichen Spielstätte für die Saison 2017/18. Weil aus dem Neubau einer Dreifachsporthalle für die Realschule Herrsching nichts wird, braucht der Klub einen Plan B. Marketingmanager André Bugl wollte sich zur Strategie am Montag nicht näher äußern, sagte aber, sowohl Umzug als auch Neubau seien nun wieder denkbar: "Wir stehen jetzt nicht mit dem Rücken zur Wand. Bis zum Saisonbeginn wollen wir ein konkreten Plan vorlegen. Es wäre aber vermessen, zu glauben, dass wir da schon unterschrieben haben, wo wir ab 2017 spielen." Dann allerdings läuft die Sondergenehmigung für die Nikolaushalle aus, in der Herrsching bislang spielt.

Trainer Hauser stellt daher einen interessanten Vergleich an: "Es wäre wahrscheinlicher, in einer neuen Halle irgendwann mal Meister zu werden, als überhaupt eine neue Halle zu bekommen." Vom Dorfverein zur Meistermannschaft: Spätestens dann wäre der Geilste Club der Welt reif für die große Leinwand. Und selbst wenn der Klub vom Ammersee keine Arena findet, bleibt immer noch der nach Hollywood emigrierte Schwabe Roland Emmerich für die Regie, das "Spielbergle von Sindelfingen".