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Volleyball:Sicherer Hafen für den Steuermann

Unterhaching, Bayernwerk Sportarena, 17.01.21, Volleyballl, 1. Bundesliga Herren, TSV Unterhaching vs Helios Grizzlys G

"Das ist ein spannendes Projekt mit toller Jugendarbeit": Cheftrainer Patrick Steuerwald wechselt vom Erstligisten Unterhaching zum Drittligisten ASV Dachau.

(Foto: Wolfgang Fehrmann/HMB-Media/Imago)

Cheftrainer Patrick Steuerwald verlässt den Volleyball-Erstligisten Unterhaching und schließt sich dem aufstrebenden ASV Dachau an. Auch, weil ihm der Tabellenletzte der gerade beendeten Saison keine Sicherheiten bieten konnte.

Von Sebastian Winter, München

Patrick Steuerwald wollte eigentlich Teil eines längerfristigen Projekts sein, als er vergangene Saison Trainer des Erstliga-Aufsteigers TSV Unterhaching wurde. Es war die erste Cheftrainer-Station für den 35-Jährigen, nach den Wünschen von TSV-Geschäftsstellenleiter Mihai Paduretu sollte dessen früherer Schützling die junge Hachinger Mannschaft als Pendant zur Nachwuchsschmiede VC Olympia Berlin an die höchste deutsche Spielklasse heranführen.

Erfolg hatte Steuerwald damit erwartungsgemäß nur bedingt, sein unerfahrenes Team holte nur zwei Punkte aus 20 Spielen und beendete die Saison als Letzter - hinter dem VC Olympia Berlin. Und nun sind auch die weiteren Planungen mit Steuerwald als Steuermann der Hachinger ad acta gelegt.

"In Dachau hat man ihm eine hauptamtliche Stelle angeboten, das ist für einen jungen Familienvater natürlich reizvoll."

Am späten Montagnachmittag gaben die Hachinger bekannt, dass Steuerwald den Klub verlassen und von kommender Saison an den Drittligisten ASV Dachau trainieren wird. "Nach nur einem Jahr", wie es in der Mitteilung hieß, was zugleich impliziert, dass der TSV und sein Volleyball-Zampano Mihai Paduretu gerne noch länger mit dem 35-Jährigen zusammengearbeitet hätten. "Patrick hat sich nicht gegen uns, sondern für Nummer sicher entschieden. In Dachau hat man ihm eine hauptamtliche Stelle angeboten, das ist für einen jungen Familienvater natürlich reizvoll. Dass Dachau Interesse hat, ist länger bekannt", wird Paduretu in der TSV-Mitteilung zitiert.

Man könnte das jetzt als Rückschritt interpretieren für den einstigen Zuspieler, der seine Profikarriere 2019 nach einer schweren Knöchelverletzung bei den United Volleys in Frankfurt beendete. Immerhin war der 125-malige Nationalspieler Steuerwald, der mit Generali Haching unter Trainer Paduretu 2008 und 2009 den DVV-Pokal gewann, in der Saison 2019/20 Co-Trainer beim VfB Friedrichshafen. Die damalige Spielzeit endete allerdings titellos für den Spitzenklub vom Bodensee, die Meisterschaft wurde kurz vor dem Playoff-Start wegen der Corona-Pandemie abgebrochen.

Der Schritt, Cheftrainer des neuen Erstligisten Unterhaching zu werden, war folgerichtig für Steuerwald, der auch mit seiner Familie im Süden Münchens endlich sesshaft werden wollte. Allerdings war das Konzept nun, nach dem Rückzug der Alpenvolleys mit ihrem Millionen-Etat vor einem Jahr, mit dem weitaus geringsten Budget der Liga ins Oberhaus zurückzukehren. Steuerwald hatte nicht einmal eine Vollzeitstelle, nennenswerte Gehaltszahlungen gab es nicht.

"Dachau ist da strukturell besser aufgestellt als Unterhaching", sagt Steuerwald bezüglich der Jugendarbeit.

Steuerwald trug dieses Konzept mit, aber eben nur dieses eine Jahr lang. Auch weil er letztlich nicht daran glaubte, dass das Team in der kommenden Saison viel konkurrenzfähiger sein wird als in der abgelaufenen Spielzeit. "Trotzdem war es eine super Erfahrung, auch für mich als Cheftrainer." Für Steuerwald war es zugleich eine glückliche Fügung, als Dachaus Erfolgstrainer und Jugendförderer Sepp Wolf bei ihm anfragte, ob er sich ein Engagement beim ASV vorstellen könne; zumal der ihm eine hauptamtliche Stelle anbot.

"Das ist ein spannendes Projekt mit toller Jugendarbeit", sagt Steuerwald, "Dachau ist da strukturell besser aufgestellt als Unterhaching." Deswegen sieht er den neuerlichen Wechsel auch nicht als Rückschritt an. Auch die dortige Zusammenarbeit ist auf mehrere Jahre ausgelegt, der neue Cheftrainer soll die Mannschaft, bei der unter anderem Wolfs Sohn Vincent Graven spielt, am besten schon in der kommenden Saison zurück in die zweite Liga führen. Unter der Voraussetzung, dass der Drittligabetrieb wieder aufgenommen wird im Herbst und nicht wieder wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt wird.

Von Erfolgen wie den beiden Meistertiteln 1995 und 1996 und dem DVV-Pokalsieg 1996 ist Dachau natürlich meilenweit entfernt, die Halle des ASV ist in die Jahre gekommen. Der Traditionsverein soll aber langfristig wiederbelebt werden - mit Steuerwald als Galionsfigur.

Paduretu verliert diese nun, zeigt aber Verständnis: "Wir gehen überhaupt nicht im Groll auseinander. Bei uns ist halt erst im Juni endgültig klar, ob es hier in Unterhaching mit Erstligavolleyball weitergeht. Deshalb kann ich Patricks Entscheidung absolut nachvollziehen." Das Training wird er nun bis zum Saisonbeginn selbst zusammen mit Co-Trainer Stan Pochop leiten, allerdings nur interimsweise. Sie sondieren parallel den Markt, der aber überschaubar sein dürfte, wenn man den geringen Hachinger Etat betrachtet. Die nächsten Monate bergen nicht nur diese Herausforderung. Für den Klub geht es in einer Zeit, in der eher Sponsoren wegbrechen als neue hinzukommen, darum, seinen Erstligastandort nicht wieder zu verlieren.

© SZ/toe/lib
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