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Volleyball:Opa kommt heim

Als Co-Trainer kehrt Dejan Stankovic zum Zweitligisten TSV Grafing zurück. Dort soll der 48-Jährige vor allem seine Erfahrung weitergeben.

Wer Dejan Stankovic googelt, muss nur vier Buchstaben tippen, schon taucht sein Name in der Vorschlagsliste auf. Serbischer Nationalspieler, 40, geboren in Belgrad, zuletzt Inter Mailand. Aufwendiger wird es, wenn man den anderen Dejan Stankovic sucht. Ein "V" hinter dem Namen führt zum Vorschlag "volley", aber immer noch zum falschen Ergebnis, denn dann sieht man den spektakulärsten Volleytreffer jenes Fußballers, von der Mittellinie, 2011 gegen Schalke. Zum richtigen Dejan Stankovic führt das nicht. Dabei ist auch er mal ein serbischer Nationalspieler gewesen, immerhin etwa zwanzig Einsätze, schätzt er, Profistationen in Serbien, Belgien, Frankreich, danach in Leipzig und in Unterhaching. Aber eben im Volleyball.

Dieser Dejan Stankovic jedenfalls ist gerade in offizieller Mission zum Zweitligisten TSV Grafing zurückgekehrt, allerdings weiß Google darüber recht wenig. Er wird künftig die zweite Mannschaft in der Regionalliga trainieren und in der ersten Mannschaft Chefcoach Alexander Hezareh assistieren. "Ich gehe sehr gerne zurück", sagt Stankovic, "ich bin jetzt zu Hause."

Das ist ein erstaunlicher Satz. Neun Jahre ist es her, dass Dejan Stankovic zum ersten Mal vom deutschen Pokalsieger Generali Haching nach Grafing wechselte. Aus Sicht seiner neuen Mitspieler war er schon damals alt. Ein Jahr zuvor war er aus Hachings Profikader ausgeschieden, mit dem er den DVV-Pokal gewonnen hatte, in dem er eine Führungsfigur war. Er wechselte gemeinsam mit Mittelblocker Armin Dewes zum Zweitliga-Aufsteiger nahe Ebersberg und wollte es noch einmal wissen. "Er hat das Team auf ein neues Niveau gehoben", erinnert sich der Grafinger Manager Johannes Oswald, "seine unglaublich sichere Annahme und clevere Spielweise sind einigen Zuschauern sicher noch in guter Erinnerung." Stankovic sagt: "Es waren drei schöne Jahre in Grafing, die waren Wahnsinn."

„Ich bin jetzt wieder voll motiviert“: Nach vier Aufstiegen in Serie mit Unterhaching hat Dejan Stankovic in Grafing eine neue Aufgabe gefunden.

(Foto: Claus Schunk)

Wenn das Internet schon einen falschen Fußballer bei der Suche nach Dejan Stankovic ausspuckt, müsste es eigentlich nicht unbedingt sein gleichnamiger Landsmann sein. Auch der Peruaner Claudio Pizarro böte sich an. Denn zwischen ihm und dem Volleyballer - auch wenn das seltsam klingt - gibt es ebenfalls ein paar Parallelen. Früher trugen sie sogar dieselbe Frisur, bis heute jedenfalls strahlen beide jene verschmitzte Lockerheit aus, die ihren Mitspielern unmittelbar Selbstsicherheit und Ruhe einflößt - selbst im etwas höheren Sportleralter. Der Fußballer Stankovic dagegen hat seine Karriere ja schon mit lächerlichen 34 Jahren beendet.

Benno Voggenreiter, der heute als Libero in Grafing für die sichere Annahme zuständig ist, weiß das noch von früher. Er freue sich, "unseren Opa wieder im Team begrüßen zu dürfen", sagt er. "Mit all seiner Erfahrung kann er uns in allen Elementen verbessern, und seine lockere und umgängliche Art passt perfekt zu unserer Teammentalität." Natürlich ist Stankovic nicht mehr als Spieler beim Vorjahreszweiten der zweiten Liga eingeplant, inzwischen ist er 48. Doch auch in seiner neuen Rolle erwarten sie von ihm offenbar einen größeren Einfluss auf das Gesamtgefüge, als das bei einem Co-Trainer üblich ist. Noch ehe sie ihren neuen Kader bekannt gaben (siehe Kasten), verschickten die Grafinger eine lange Pressemitteilung zur Personalie Stankovic. Er soll das Bindeglied sein zum Nachwuchs, der in Grafing traditionell eine große Rolle spielt, und auch die erste Mannschaft maßgeblich beeinflussen. "Er kann das Niveau noch mal anheben", ist sich Oswald sicher, "nicht nur durch seine Trainerausbildung, sondern durch alles, was er in seiner Laufbahn gesehen und erlebt hat." Oswald nennt ihn einen Ruhepol. "Was er sagt, hat Hand und Fuß, die Spieler vertrauen ihm."

„Was er sagt, hat Hand und Fuß. Die Spieler vertrauen ihm.“

Johannes Oswald, Manager des TSV Grafing, über Rückkehrer Dejan Stankovic.

Übrigens wird Stankovic, wenn am Samstag (19 Uhr) die Saison mit dem ersten Heimspiel gegen Mainz beginnt, trotz allem einen Spielerpass haben, bei ihm weiß man ja nie. 2013 kehrte er zunächst als Co-Trainer von Mihai Paduretu nach Unterhaching zurück, nach dem Rückzug der ersten Mannschaft aus dem Profibetrieb griff er dann als Spielertrainer ein. Als solcher stieg er viermal auf, von der Landesliga bis in die zweite Liga. "Solange ich im Verein bin, bleibt auch Dejan", versicherte Paduretu, inzwischen Hachings Geschäftsführer.

Doch Stankovic wurde es zu viel. Seine Mannschaft, die zur Reserve des per Wildcard geschaffenen Erstligisten Alpenvolleys Haching wurde, habe plötzlich wieder "fast unter Profibedingungen trainiert", er aber wohnt inzwischen in Ebersberg, wo er einen Hausmeisterservice hat, die Fahrten waren lang. "Ich brauchte eine Pause", sagt Stankovic. In dieser Pause begann er in der zweiten Grafinger Mannschaft mitzutrainieren, und dann kam dieses Angebot. "Ich bin jetzt wieder voll motiviert."

Quintett mit Doppelspielrecht

Die Volleyballer des TSV Grafing starten am Samstag (19 Uhr, Jahnsporthalle) gegen Mainz mit vielen personellen Neuerungen in die zweite Bundesliga. Das erfahrene Quintett Felix Langer (Knieprobleme), Dominik Dreyer (berufliche Gründe), Pablo Karnbaum (pausiert), Tim Noack (Auslandsaufenthalt) und Michael Wehl (wurde Vater) ist nicht mehr Teil des TSV-Kaders, wobei der Klub betont, dass keiner der Spieler Grafing auf Dauer verlasse. Dafür kehren in Mittelblocker Christian Seitz und Diagonalmann Marco Vogel, die zuletzt beim Landesligisten TSV Vaterstetten spielten, zwei erfahrene Akteure zurück zum Vorjahreszweiten der zweiten Liga. Grafing baut zugleich auf viele eigene Talente aus dem erfolgreichen Nachwuchspool: Zuspieler Felix Broghammer, Libero Korbinian Hess, Diagonalspieler Moritz Schnödt sowie die Außenangreifer Adrian Gegenfurtner und Florian Krenkel können per Doppelspielrecht künftig sowohl im Bundesligateam als auch in der zweiten Mannschaft in der Regionalliga eingesetzt werden. Ganz neu ist Universalmann Henning Schulte, der vom Ligakonkurrenten Hammelburg nach Grafing gewechselt ist - und ein Studium in München beginnt. Sebastian Winter

Stankovic gefällt die Atmosphäre in Grafing, die Euphorie an Spieltagen, die vielen Kinder, die jungen Spieler, das Familiäre. Das sei anders als in Unterhaching. Selber spielen werde er eher nicht mehr, höchstens in Notlagen helfen. "Es wäre doch schade, wenn da ein 18-jähriger auf der Bank sitzt, dessen ganze Familie zum Zuschauen gekommen ist, und ein 48-Jähriger spielt für ihn", erklärt er. "Außerdem bin ich im Moment zu dick." Solche Sätze hat Stankovic freilich schon oft von sich gegeben. Er sei "ein alter Mann"; die Knochen schmerzten. Sicher nicht ganz falsch, dennoch darf man sich dazu gerne ein pizarrohaftes Grinsen vorstellen.