Volleyball Meister der Selbstgeißelung

Freude über zwei Punkte, nicht aber über die eigene Leistung: Kapitän Douglas da Silva (li.) und Pawel Halaba (M.) bejubeln den knappen Sieg.

(Foto: Christian Forcher/oh)

Die Alpenvolleys kämpfen Düren mit 3:2 nieder und bleiben Zweite. Trotz des Sieges werden sie sich im Meisterschaftskampf steigern müssen.

Von Sebastian Winter, Innsbruck/Unterhaching

Sie machen das natürlich nicht absichtlich, einen Hang zur Selbstgeißelung hat man zumindest bis Januar eigentlich auch nicht feststellen können bei den Hypo Tirol Alpenvolleys Unterhaching. Aber so langsam verfestigt sich der Eindruck, den man nun schon seit Wochen vom Erstligisten und monatelangen Tabellenführer haben muss. Sein Motto lautet inzwischen offenbar: "Warum einfach, wenn wir es auch kompliziert haben können." Jedenfalls gewannen die Alpenvolleys am Samstag ihre vorletzte Rückrundenpartie gegen die SWD powervolleys Düren mit sehr viel Mühe 3:2 (19:25, 25:17, 18:25, 25:22, 15:10).

Es war mal wieder eine Achterbahnfahrt, die mehr als die nur 713 Zuschauer in Innsbruck verdient gehabt hätte. Nicht nur das: Es war das dritte Fünfsatzspiel in Serie und das sechste in bislang 21 Ligaspielen in dieser Saison. Nervenschwäche kann man dem Team von Trainer Stefan Chrtiansky allerdings nicht unterstellen, denn es gewann fünf dieser Tiebreak-Spiele. Dennoch sagte Chrtiansky recht unzufrieden: "Wir sind heute nur an uns gescheitert. Düren hat zwar gut serviert, aber wenn du die einfachen Punkte nicht machst, dann kommt so ein Spiel heraus."

Eigentlich hatten die Alpenvolleys einen klaren Plan gefasst für die verbleibenden Hauptrundenspiele gegen Düren und am kommenden Samstag gegen den VC Olympia Berlin. Die Maximalausbeute von sechs Punkten war das Ziel, um Platz zwei abzusichern. Nun können es nur noch maximal fünf werden, denn das 3:2 gegen Düren hat die Alpenvolleys ja einen Punkt gekostet. Das Gute für sie ist, dass sie trotzdem weiterhin auf dem zweiten Rang stehen - bei einem Sieg gegen die Berliner Talentschmiede bleibt das auch so.

Für Chrtianskys Mannschaft ist das deshalb wichtig, weil sie in diesem Fall im Playoff-Viertelfinale auf den vermeintlich leichteren Siebtplatzierten trifft. Patzen sie, könnte Meister Berlin, der nur einen Punkt hinter den Alpenvolleys lauert, noch an ihnen vorbeiziehen. Chrtianskys Mannschaft müsste dann im Viertelfinale gegen Frankfurt oder Düren ran - beides möchten sie unbedingt vermeiden. Die Tabellenkonstellation ist aber so eng, dass erst nach dem letzten Rückrundenspieltag Klarheit herrscht. Denkbar ist sogar auch, dass die Alpenvolleys als Erster in die Runde der letzten Acht gehen. Das ist der Fall, wenn Friedrichshafen am Samstag in Lüneburg verliert und die Alpenvolleys klar in Berlin gewinnen.

Abseits aller Rechenspiele ist klar, dass sie sich steigern müssen, um ins Halbfinale zu kommen

Abseits aller Rechenspiele ist klar, dass sie sich steigern müssen, um ihr Ziel, das Halbfinale oder gar das Finale, zu erreichen. Im ersten Satz war der Tabellensechste Düren bis zum 9:9 ebenbürtig, danach zogen die Gäste wegen zu vieler Eigenfehler und einer miserablen Annahme der Alpenvolleys davon. Den zweiten Satz dominierten die Alpenvolleys, mit starken Aufschlägen und erfolgreichen Angriffen durch Pawel Halaba und Kirill Klets ließen sie dem Gegner keine Chance. Satz drei war ein Spiegelbild des ersten Durchgangs, Dürens Diagonalspieler Sebastián Gevert brachte die Alpenvolleys mit seinen insgesamt 31 Punkten zur Verzweiflung. Im vierten Satz kämpfte sich Chrtianskys Mannschaft dennoch wieder zurück - und behielt im entscheidenden Durchgang ihre Nerven. Vor allem Halaba, der später zum wertvollsten Spieler gekürt wurde.

Ihre Konstanz aus der Hinrunde haben die Alpenvolleys dennoch verloren - und auch ihre Leichtigkeit. "Wir werden jetzt alles daran setzen, den VC Olympia Berlin in der letzten Runde zu schlagen, dann sind wir auf jeden Fall Zweiter", sagte ihr Trainer Chrtiansky. Sollte dieser Fall in der so spannenden Liga tatsächlich eintreffen und Herrsching Siebter bleiben, kommt es tatsächlich zum erhofften Tirol-Oberbayern-Derby im Playoff-Viertelfinale in Unterhaching.