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Volleyball:Keine Spur von Panik

Jalen PENROSE ( 14, HER). Volleyball, WWK Volleys Herrsching (HER) - SWD Power Volleys Dueren (DUE), Bundesliga, Hauptru; herrsching volleyball

Jalen Penrose.

(Foto: Oryk Haist/imago)

Herrschings Volleyballer ärgern sich nach dem abrupten Saisonende zwar über das geplatzte Spiel im Audi Dome, wirken sonst aber nicht unglücklich.

Einen kleinen Umtrunk mit Spielern, Helfern und Fans soll es noch geben am Samstag. Trotz Corona. Ein paar Bierchen, entweder im Stammlokal oder unten im Bootshaus am Ammersee, je nach Wetter. Und je nachdem, ob überhaupt noch etwas geöffnet hat am Wochenende. So endet die Saison für Herrschings Volleyballer, abrupt wie nie. Auf Platz fünf, so gut waren sie auch noch nie nach der Rückrunde seit ihrem Aufstieg vor sechs Jahren.

Am Donnerstag hat die Volleyball-Bundesliga (VBL) erst verkündet, die Hauptrunde beenden zu wollen - ohne Zuschauer. Also auch das für Samstag vorgesehene Heimspiel Herrschings gegen Frankfurt, zu dem ursprünglich nach Behördenvorgaben 250 Fans zugelassen waren. Abends beschloss die VBL nach zwei durchaus kontroversen Telefonkonferenzen mit den Bundesligisten dann doch das sofortige Saisonende. Die Herrschinger erfuhren im Training davon: "Ich habe bei einer Trinkpause auf mein Handy geschaut und die Nachricht gelesen. Ironischerweise haben wir danach fast das beste Training dieser Saison gehabt", sagt Libero Ferdinand Tille, der zwiegespalten ist wegen des Saisonendes: "In unserer starken Verfassung hätten wir diese Saison auch das Playoff-Halbfinale erreichen können. So früh kein Volleyball mehr, das ist komisch. Aber es ist die richtige Entscheidung." Trainer Max Hauser hatte die Übungseinheit noch regulär beendet, eine kurze Ansprache gehalten, die Spieler gelobt und sie dann verabschiedet. Es muss ja jetzt auch schnell gehen, vor allem für Jalen Penrose und Jori Mantha.

Der US-Amerikaner Penrose, statistisch bester Aufschläger und zweitbester Scorer der Liga, und der Kanadier Mantha sitzen auf gepackten Koffern. Sie wollen so schnell wie möglich in ihre Heimat zurück, bevor die dortigen Grenzen womöglich ganz schließen. US-Staatsbürger dürfen bislang auch aus dem Schengen-Raum noch einreisen. Auch der Niederländer Mart van Werkhoven und der Serbe Dorde Ilic haben es jetzt eilig, wer weiß, welche Umwege sie noch in Richtung Heimat in Kauf nehmen müssen.

Sie alle verlassen nun einen Klub, der zum ersten Mal in seiner Bundesliga-Geschichte die Playoffs verpasst hat - und der sich gleichzeitig wohl zum ersten Mal für den Europapokal qualifiziert hat. Jedenfalls, wenn man die letztjährige Saison zum Maßstab nimmt. An deren Ende durften der Viert- und Fünftplatzierte am Challenge Cup teilnehmen. Wie aktuell verfahren wird, ist aber noch unklar. "Theoretisch sind wir also berechtigt. Und wenn ein Sponsor um die Ecke kommt und uns 300 000 Euro zahlt, würden wir Europacup spielen", sagt Herrschings Marketing-Manager André Bugl und lacht: "Wirklich realistisch ist es nicht, und nach Russland zu trampen, ist einfach zu weit."

So richtig traurig scheinen die Herrschinger nicht zu sein in diesen Tagen, obwohl sie die Früchte ihrer guten Saison nicht ernten durften; obwohl ihnen auch das Playoff-Viertelfinal-Heimspiel im Münchner Audi Dome verwehrt blieb. Letzteres schmerzt sie noch am meisten: "Diese Premiere ist verschoben, einen Vertrag gab es nur für den 1. April", sagt Bugl, "aber sie wird irgendwann stattfinden. Der Audi Dome soll unser Perspektivstandort bleiben. Wir müssen das dann festzurren, wenn unser Spielplan für die neue Saison steht."

Ansonsten wähnen sich die Herrschinger bestens aufgestellt für die kommende Saison. "Wir sind nicht entspannt, aber wir haben Klarheit, und das so früh wie nie", wie Bugl sagt. Durch den laufenden Dreijahres-Vertrag mit der WWK bis 2022 haben sie schon mal finanziell ein gutes Gerüst, auch die ersten Vertragsverlängerungen sind fix: Zuspieler Johannes Tille und Jori Mantha bleiben ein weiteres Jahr am Ammersee, bei Penrose, Ilic, Ferdinand Tille und Tim Peter sieht es ebenfalls gut aus. Der bis 31. März noch wegen seiner Ellbogen-Verletzung und Zehenproblemen krank geschriebene Tom Strohbach hat eigentlich einen Zwei-Jahres-Vertrag, "bei ihm müssen wir wegen der Verletzungsgeschichte die Entwicklung abwarten", sagt Bugl. Der zweite Zuspieler Benedikt Sagstetter hat ohnehin noch zwei Jahre Vertrag. Zwei Drittel der Mannschaft stünden damit schon, wobei sich Trainer Hauser noch die eine oder andere Änderung vorbehält. "Ein dritter Außenangreifer wäre gut", sagt Ferdinand Tille.

Der Libero ist nun nicht arbeitslos, er beschäftigt sich mit seiner Masterarbeit, die er bei einem börsennotierten Halbleiterhersteller aus Neubiberg schreibt. Von zu Hause, natürlich. Ab jetzt heißt es für Tille Home-Office statt Hallenvolleyball.

© SZ vom 14.03.2020
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