Volleyball Hugo, der Plüschhamster

Zu hoch selbst für die längsten Finger der Alpenvolleys: Berlins Angreifer Samuel Tuia (li.) überwindet Niklas Kronthaler und Douglas Da Silva (re.).

(Foto: Eberhard Thonfeld/imago)

Für eine enttäuschende Leistung ernten die Alpenvolleys in Berlin ihre zweite Saison-Niederlage. Nun erwartet der Zweite Friedrichshafen den Tabellenführer.

Von Katrin Freiburghaus, Berlin/München

Es war schon eine besonders garstige Form der Ironie, dass am vergangenen Mittwochabend zu Werbezwecken ausgerechnet ein mannshoher Plüschhamster namens Hugo durch die Berliner Max-Schmeling-Halle hoppelte. Denn beim Gipfeltreffen der Volleyball-Bundesliga zwischen den Berlin Recycling Volleys und Tabellenführer Hypo Tirol Alpenvolleys Haching gab es keinen Protagonisten auf dem Feld, der weniger gehamstert hätte als Hugo de Leon Guimaraes - Künstlername Hugo. Lediglich zwei Punkte verirrten sich in zweieinhalb Sätzen auf das Konto des brasilianischen Außenangreifers der Alpenvolleys.

Folglich bestritt nach dem 0:3 (21:25, 15:25, 29:31) niemand, "dass uns seine Leistung heute gefehlt hat", wie es ihr Trainer Stefan Chrtiansky formulierte. Manager Hannes Kronthaler pflichtete ihm bei, ergänzte aber, "dass wir der Aufgabe grundsätzlich nicht unbedingt gewachsen waren". Man muss fairerweise einräumen, dass die Aufgabe gegen den viertplatzierten Hauptstadtklub, der sich seit der Verpflichtung von Star-Zuspieler Sergej Grankin aber allmählich sortiert, auch keine leichte war. Durch die zweite Liga-Niederlage sind die Alpenvolleys nun punktgleich mit Friedrichshafen - ihrem nächsten Gegner in anderthalb Wochen.

Trainer Chrtiansky ist sauer über die vielen Eigenfehler im Angriff: "Das ist unter unserem Niveau."

Im Duell der beiden stärksten Teams in puncto Angriffseffektivität mussten sich die Alpenvolleys zunächst mit der Atmosphäre von 4392 Zuschauern in der Hauptstadt anfreunden. Bis zum 6:2 aus Sicht der Gastgeber war Berlin für alle Punkte - auch die der Alpenvolleys - selbst verantwortlich, ehe Diagonalspieler Kirill Klets und Außenangreifer Pawel Halaba die bayrisch-österreichische Co-Produktion zum 7:7 auf Kurs brachten. Zur zweiten technischen Auszeit lagen die Alpenvolleys 14:16 zurück, dann schlug Hugo zwei Angriffe ins Aus. Von diesem Rückstand erholte sich das Team nicht mehr.

Der zweite Durchgang war ein Spiegel des ersten, nur dass eine Aufholjagd angesichts der von Grankin meisterlich verteilten und von seinen Angreifern kompromisslos verwerteten Bälle bereits beim Stand von 10:14 unwahrscheinlich war. Klets kam auf insgesamt 15 Punkte, zeigte in entscheidenden Situationen aber ebenfalls Nerven, weil er sich in der Hauptverantwortung im Angriff massiver Gegenwehr ausgesetzt sah.

Im dritten Satz riefen die Alpenvolleys zumindest phasenweise ab, was sie bisher so stark macht, sodass die Berliner in der dramatischen Schlussphase die Hilfe des Schiedsrichters benötigten. Nach zwei abgewehrten Matchbällen parierte Klets bei 27:26-Führung seines Teams einen Angriff. Der Ball tropfte in die linke hintere Ecke des Berliner Feldes - der Schiedsrichter hatte ihn zur allgemeinen Überraschung jedoch im Aus gesehen, was Chrtiansky offiziell "frech", intern wohl deutlich schlimmer fand. Und so stand am Ende das 0:3, das die Alpenvolleys den Berlinern ihrerseits im Hinrunden-Spiel zugefügt hatten. Kronthaler bewertete die Zahlen des Abends als nicht allzu dramatisch: "Wir haben gewonnen, die haben gewonnen, da muss man jetzt nicht so traurig sein."

Über die kleinen Zahlen wird dagegen zu reden sein: Zwölf Eigenfehler im Angriff, gepaart mit einer 20 Prozent niedrigeren Effektivität als Berlin (59) fasste Chrtiansky als "schlecht" und "unter unserem Niveau" zusammen. Eine Schwierigkeit bleibt das Qualitätsgefälle im Außenangriff, wo Halaba und Hugo gesetzt sind. Der Kader werde - und müsse - sich dennoch nicht verändern, stellte Kronthaler klar, was auch daran liegt, dass die Schulterverletzung des ehemaligen Diagonalangreifers Thomas Hodges so schwer ist, dass er keinesfalls zurückkehren wird.

Eine Abreibung wie in Berlin muss man im Fall der Alpenvolleys jedoch immer vor dem historischen Hintergrund des Projekts betrachten. Vereinfacht gesagt wechselte Kronthaler mit dem österreichischen Abo-Meister Innsbruck ja genau zu diesem Zweck in die deutsche Liga: um potenziell endlich wieder zu verlieren. Auch für die Liga ist das aktuelle Spitzenquartett, in dem jeder jeden schlägt, ein Gewinn. Vor fünf Jahren nutzten Titel-Anwärter, sobald die Playoffs in Sichtweite kamen, jeden freien Tag, um sich in Italien die nötige Wettkampfhärte zu holen. Nun sagte Chrtiansky über das anstehende spielfreie Wochenende, er wolle seiner Mannschaft frei geben, "zum Durchatmen".