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Volleyball:Gute Argumente

Volleyall, CEV Cup, Hypo Tirol AlpenVolleys - Zenit St. Petersburg Im Bild Jerome CROSS (Hypo Tirol AlpenVolleys, 3). Un; Volleyball

„Sehr viel Potenzial“ bescheinigt Georg Grozer Hachings Jérôme Cross (im Bild), der sonst hinter Paulo Costa da Silva auf Einsätze wartet.

(Foto: Markus Fischer/imago)

Die Alpenvolleys demonstrieren gegen das Spitzenteam aus St. Petersburg ihre Konkurrenzfähigkeit - und entdecken Diagonalangreifer Cross als echte Alternative.

Es gibt Spiele, die exemplarisch für die Entwicklung eines Vereins stehen. Etwas in dieser Größenordnung war der Dienstagabend für die Volleyballer der Hypo Tirol Alpenvolleys Haching. Das transalpine Bündnis aus Innsbruck und Lizenzgeber Unterhaching bot der russischen Spitzenmannschaft von Zenit St. Petersburg beim 2:3 im Viertelfinal-Hinspiel des CEV-Pokals nicht nur beeindruckend Paroli, sondern schaffte es vor allem, die ausverkaufte Halle in Unterhaching für sich einzunehmen: Nach dem Abpfiff standen die Zuschauer minutenlang auf den Tribünen und feierten die starke Vorstellung ihres Teams.

Die Kombination aus sportlicher Konkurrenzfähigkeit und Euphorie beim Publikum war nicht nur ein Meilenstein in der Verzahnung beider Standorte, die zu Beginn des zunächst auf drei Jahre angelegten Projektes ja eher zögerlich vonstatten gegangen war. Sie liefert den Alpenvolleys auch gute Argumente für die geplante Fortsetzung ihrer internationalen Zusammenarbeit in der Volleyball Bundesliga (VBL).

Sollte sich auch die Liga für eine Fortführung aussprechen, wird die Unterhachinger Halle bald ein Thema werden. Der Bestandsschutz läuft aus, und Platz für 1512 Zuschauer ist nach den Statuten der VBL zu wenig. Liga-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung hatte schon einmal durchblicken lassen, dass eine Ausnahmegenehmigung nicht ausgeschlossen wäre. Der durchaus eventwürdige Charakter der Partie gegen St. Petersburg dürfte ihn in seiner Einschätzung eher bestärken, obwohl Alpenvolleys-Libero Florian Ringseis zumindest den Zuschauerandrang ein bisschen relativierte. Man müsse schon auch berücksichtigen, "dass hier heute ein Georg Grozer in der Halle gestanden hat". In der Tat war der ehemalige deutsche Nationalspieler und Ausnahme-Angreifer in Diensten der russischen Gäste ein Zuschauermagnet und noch lange nach dem Spiel der gefragteste Mann in der Halle.

Im College war der Kanadier "Superstar mit Nixtun", sagt Manager Kronthaler über Cross

Grozer posierte für zahllose Fotos und schickte anschließend noch eine Bewerbung in eigener Sache um die Welt. Er werde "sicher nicht in St. Petersburg bleiben", sagte er. Wohin er sich verändern wolle, ließ der 35-Jährige offen: "Vielleicht Italien, Brasilien, China, Südkorea. Mal schauen, was der Corona-Virus anstellt." Grozer war jedoch nicht der einzige Diagonalangreifer, der am Mittwoch Aufsehen erregte. Weil Paulo Costa da Silva wie schon am vergangenen Wochenende in Friedrichshafen wegen einer Zerrung in der Schulter pausierte, spielte bei den Alpenvolleys wieder der 24-jährige Jérôme Cross. Er bekam von Grozer "sehr viel Potenzial" bescheinigt, wichtiger war für die Alpenvolleys aber wohl die Erkenntnis, "dass er jetzt eine vollwertige Option ist", wie Manager Hannes Kronthaler sagte.

Dass Cross Potenzial hat, wussten sie schon bei seiner Verpflichtung. Der Kanadier war im Sommer als Entwicklungsspieler und klare Nummer zwei hinter Costa da Silva direkt vom College geholt worden. "Dort war er der Superstar mit Nixtun", sagt Kronthaler leicht überspitzt. Seither habe er sich umstellen müssen und erstmals in seiner Karriere alle Rahmenbedingungen, aber auch die ganze Intensität einer Profi-Mannschaft "genossen". Zwar sei die Verletzung von da Silva "nicht gut" gewesen, die zwei überzeugenden Auftritte von Cross hätten aber immerhin bewirkt, "dass sowohl er als auch die Mannschaft kapiert haben, dass wir auch mit ihm gut spielen können".

Das Spiel der Alpenvolleys war bislang voll auf Costa da Silva, den Topscorer der Liga, zugeschnitten. Zuspieler Danilo Gelinski sagte, dass er eine Weile gebraucht habe, um sein Passspiel an Cross anzupassen. Nach "im Prinzip seinen ersten beiden Spielen als Profi wissen wir jetzt, dass wir zwei Diagonalangreifer haben", sagte der Brasilianer. Cross wird am kommenden Samstag im Spitzenspiel gegen Frankfurt, das sich punkt- und satzgleich mit den Alpenvolleys um den zweiten Tabellenplatz streitet, ins zweite Glied zurückweichen. Dass er nun eine ernstzunehmende Alternative für taktische Wechsel ist, hat seine Situation dennoch verändert.

Aus College-Zeiten war er daran gewöhnt, immer zu spielen. "Das macht schon was mit deinem Kopf, wenn du nicht mehr spielst", gab Cross am Dienstag zu, auch wenn er betonte, dass "völlig offensichtlich ist, warum Paulo die Nummer eins ist". Ohne Not wird Cross kaum noch ein weiteres Spitzenspiel bestreiten. "Aber wir spielen ja nicht nur Spitzenspiele", sagte Kronthaler. Dass sich Verletzungen häufen, wo mangels Alternativen nie rotiert wird, ist kein Geheimnis. Wenn es nach den Alpenvolleys geht, soll die Schlussphase bekanntlich lang werden - und im Finale enden.

© SZ vom 27.02.2020
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