Volleyball Gemäßigter Feiermodus

Um jeden Ball gekämpft: Blocker Alpar Szabo (re.) zeigt mit Herrschings Außenangreifer Artem Sushko (hinten) und Zuspieler Johannes Tille eine überzeugende Leistung gegen den Favoriten Lüneburg.

(Foto: Oryk Haist/imago)

Mit Mittelblocker Alpar Szabo holen die Herrschinger einen Punkt gegen Lüneburg und sichern die Playoffs. Dort ziehen sie wegen der zu kleinen Nikolaushalle wieder um - eventuell nach Unterhaching.

Von Katrin Freiburghaus, Herrsching

Es dauerte nicht lange, bis die Bundesliga-Volleyballer der WWK Volleys Herrsching nach der 2:3 (25:21, 18:25, 20:25, 25:19, 12:15)-Niederlage gegen Lüneburg am vergangenen Samstag von der ersten Enttäuschung in einen gemäßigten Feiermodus umschalteten. 128 Minuten lang hatten sie sich einen sehenswerten Schlagabtausch mit ihren norddeutschen Gästen geliefert. "Wir haben heute über weite Strecken an unserem Maximum gekratzt, es hat vieles funktioniert, es war okay", sagte Kapitän Lukas Bauer. Obwohl am kommenden Wochenende noch das Auswärtsspiel in Rottenburg und die Playoffs anstehen, herrschte beim Klub vom Ammersee zumindest für diesen Abend wohlig-zufriedene Abschiedsatmosphäre.

"Wir haben schon noch ein bisschen was vor", betonte Trainer Max Hauser. Dass er die obligatorische Abschiedsrede trotzdem bereits vor der entscheidenden Saisonphase hielt, liegt daran, dass die Herrschinger mit dem einen Zähler gegen den in der Tabelle 20 Punkte besseren Pokalfinalisten aus Lüneburg zwar den Playoff-Einzug perfekt machten, ihre Heimspiele wegen der nicht regelkonformen Halle in der K.o.-Phase allerdings nicht zu Hause am Ammersee austragen dürfen. Am liebsten wäre ihnen deshalb ein Viertelfinal-Duell mit den derzeit zweitplatzierten Alpenvolleys, denen sie ihr Heimrecht abtreten würden, um in Unterhaching zumindest ein Auswärtsspiel im Münchner S-Bahn-Bereich zu haben.

Dass es dennoch ein ausgelassener Abend wurde, hatte damit zu tun, dass Trainer Max Hauser die 1000 Zuschauer unmittelbar nach dem Spiel wissen ließ, "dass wir auf jeden Fall auch nächstes Jahr da sein werden". Am Standort Herrsching, wo Erstliga-Volleyball in den vergangenen Jahren aus finanziellen Gründen immer wieder auf der Kippe stand, ist das keine überflüssige Information.

Nachdem es nun sicher weitergeht, ist die Personalsuche für die kommende Saison offiziell eröffnet. Wobei es Hauser in vielen Fällen das Liebste wäre, seine aktuellen Spieler blieben einfach da. Der 35-Jährige betonte nicht nur erneut, dass "wir dieses Jahr wirklich ein richtiges Team sind", es stehen auch einige im Kader, die im vergangenen Herbst als Wundertüte kamen und sich bestens einfügten.

Mittelblocker Alpar Szabo ist so einer. Der Ungar wurde in seinem Heimatland mit zwei unterschiedlichen Klubs insgesamt fünfmal Meister und hatte zuletzt in Finnland gespielt. Block-Kollege Bauer nennt den 28-Jährigen "sautalentiert" und "einen kompletten Mittelblocker", der trotz seines Alters "längst noch nicht am Maximum" sei. Lüneburgs Coach Stefan Hübner wählte Szabo am Samstag zu Herrschings wertvollstem Spieler, "weil er immer irgendwie beteiligt war, wenn Herrsching das Momentum gekriegt hat". Tatsächlich gelangen dem 2,03-Meter-Mann seine elf direkten Punkte allesamt in Phasen, in denen es für Herrsching gut lief. Allerdings tauchte er auch in jenen Phasen ab, in denen die Gäste aufdrehten.

Hauser grummelte womöglich auch deshalb ein bisschen, als er auf Szabos Spitzenposition im ligaweiten Vergleich bei direkten Blockpunkten angesprochen wurde. Hauser hält diese Statistik für "überschätzt", weil sie nur sehr bedingt eine Aussage darüber zulässt, wie effektiv ein Blocker das eigene Feld vor gegnerischen Angriffen schützt. Im Angriff sei Szabo effektiv, dort "kann er ein, zwei Dinge perfekt, die wir deshalb mega einsetzen", sagte Hauser, "aber wenn er ein höheres Level spielen will, muss er da variabler werden". Insgesamt ist der Mann mit Bart und Glatze zugleich einer der konstantesten Herrschinger in dieser Saison.

Es ist ein Klischee, dass Lehrer mit ihren größten Talenten oft am härtesten ins Gericht gehen, aber ein bisschen was ist an den meisten Klischees ja dran. In den vergangenen Wochen kritisierte Hauser Szabo, der seiner Ansicht nach im Vergleich zum Saisonstart "ein bisschen nachgelassen" hätte, am Samstag aber lobte er ihn schließlich doch noch. Er müsse an seinen Schwächen arbeiten, "aber er arbeitet halt auch dran", räumte er ein. Und natürlich würde er Szabo gerne in Herrsching halten, weil er nicht nur "ein sehr guter Spieler" sei, sondern ihn menschlich überzeuge. "Guter Humor, sehr intelligent", sagte er. Szabo gelingt am Spieltag zudem eine Mischung aus positiver Motivation und großer Ruhe. Er selbst fühlt sich wohl am Ammersee. Die Familie könne er mit dem Auto besuchen, die teaminterne Stimmung sei die "beste, die ich in meiner Karriere bisher erlebt habe". Das alles heißt bisher aber: nichts. Szabo ist Profi, Volleyball sein Beruf, auch das schließt das Konzept Erstliga-Volleyball mit ein.