bedeckt München 21°

Volleyball:Fehltritt vor der Ziellinie

Bedingt zufrieden: Grafings Trainer Markus Zymmara hatte sich mehr Punkte im Osten erhofft. Nach dem Saisonende hört er als Chef an der Seitenlinie auf.

(Foto: Christian Endt)

Grafings Volleyballer holen nur drei von sechs möglichen Punkten in Delitzsch und Gotha - und machen das Rennen um den Zweitligatitel wieder spannend. Klar ist, dass danach ein großer Umbruch ansteht. Auch Trainer Zymmara macht nicht mehr weiter.

Von Sebastian Winter, Grafing

Grafings Volleyballer haben einige Erfahrung auf Auswärtsreisen in pandemischen Zeiten gesammelt. So hatten sie organisatorisch keinerlei Probleme mit ihrem letzten Doppelspieltag in der Ferne in dieser Saison. Am vergangenen Samstag stand das Gastspiel in Delitzsch an, nach dem 3:0 (25:11, 25:16, 26:24)-Erfolg ging es für die Mannschaft von Trainer Markus Zymmara direkt weiter ins Hotel nach Gotha, wo sie tags darauf das auf dem Papier ungleich schwerere Sonntagsspiel gegen die Blue Volleys zu absolvieren hatte. "Wir haben spät gefrühstückt, bis 11 Uhr, das Mittagessen haben wir uns daher gespart", sagte Zymmara, der dafür viel Videoanalyse mit seiner Mannschaft machte. Sie half allerdings nicht, der Zweitliga-Tabellenführer Grafing verlor überraschend 1:3 (24:26, 25:23, 19:25, 23:25) gegen den Fünften Gotha.

Dieses Wochenende war ja von einer besonderen Konstellation geprägt: Grafing hätte zum zweiten Mal nach 2018 Meister werden können, unter der Bedingung, dass der TSV beide Spiele klar gewinnt und sein Verfolger SSC Karlsruhe am Samstag in Gotha oder am Sonntag in Delitzsch patzen würde. Doch die Baden Volleys gewannen ihre beiden Spiele. Im Gegensatz zu Grafing, das nach acht Siegen in Serie die erste Niederlage kassierte und kurz vor der Ziellinie bedenklich stolperte.

Trotz des leichteren Restprogramms steht Grafing nun unter Druck

Zwei Grafinger Siege wären zwei Spiele vor dem Saisonende die Vorentscheidung im Titelrennen gewesen. Doch nun rücken die Baden Volleys (63 Punkte) Grafing (65) bedrohlich nahe. In den beiden ausstehenden Partien in zwei Wochen in Bliesen und am 1. Mai zu Hause gegen Kriftel ist Zymmaras Mannschaft - trotz des leichteren Restprogramms - nun unter Druck.

Dass die Grafinger um den Titel mitspielen werden, war schon seit Monaten klar, trotz der lange verzerrten Tabelle. 22 von 26 Spielen haben sie immerhin bislang gewonnen. Ihre Ambitionen untermauerten sie auch am Samstag, als sie Delitzsch in den ersten beiden Sätzen nicht den Hauch einer Chance ließen. Bis zum 8:1 im ersten Satz gelangen den Grafingern sechs direkte Blocks, nach den drei Sätzen standen 19 TSV-Blockpunkte in der Statistik - ein sehr außergewöhnlicher Wert. Im letzten Durchgang wurde es auch deshalb spannend, weil Zymmara viel wechselte, um Kräfte zu sparen für die Sonntagspartie. Doch gegen Gotha wirkten die TSV-Akteure am Sonntag in den entscheidenden Momenten fahrig statt ausgeruht, oft scheiterten sie am Block - und an ihrer fehlenden Courage.

Mit einem Generationswechsel wird auch ein Konzeptwechsel einhergehen - der ist nicht für alle machbar

Zymmara dürfte das anstehende spielfreie Wochenende nun auch nutzen, um der Mannschaft klar zu machen, was nun auf dem Spiel steht; auch wenn der TSV längst klargemacht hat, dass er aus strukturellen und finanziellen Gründen nicht in die erste Liga aufsteigen will.

Nach der ersehnten Meisterschaft steht dem Team ohnehin ein großer Umbruch bevor. Stützen wie Hauptangreifer Julius Höfer und Zuspieler Fabian Wagner werden wohl aufhören, auch Trainer Zymmara wird sich nach nur einem - höchst erfolgreichen - Jahr von der Seitenlinie zurückziehen. "Es wird einen Generationswechsel geben, und damit verbunden auch einen Konzeptwechsel. Zeitlich sehe ich mich daher nicht mehr in der Lage, die Cheftrainer-Funktion auszuführen", sagte Zymmara am Sonntag der SZ. Neue Talente sollen sich entwickeln in der zweiten Liga, daher dürfte auch der Trainingsaufwand deutlich umfangreicher werden als die zwei wöchentlichen Einheiten bisher. Das ist für Zymmara neben seinem Beruf als Ingenieur aber nicht machbar - und auch nicht für manch erfahrenen Grafinger Spieler, der sich gern mit dem Titel verabschieden würde. Die Entscheidung ist nun vertagt auf Ende April oder Anfang Mai.

© SZ
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema