Volleyball-Derby Prinzenpaar sticht König

"Wir wollten ein bisschen mehr zeigen, hatten aber oft keine Lösung": Hier scheitern die Herrschinger Griffin Shields und Artem Sushko (vorne) am Hachinger Block (von links Douglas Da Silva und Hugo da Silva).

(Foto: Claus Schunk)

Während sich Haching nach dem 3:0 wohlig rekelt, bereiten sich Herrschings Volleyballer auf ein kleines Playoff-Finale gegen Königs Wusterhausen vor.

Von Sebastian Winter, Unterhaching

Sie hat dann doch nicht ganz gestimmt, diese Zahl: 1513 Zuschauer. Am Abend nach dem klaren 3:0 (25:21, 25:21, 25:21)-Erfolg der Alpenvolleys Haching gegen Herrsching berichtete Alpenvolleys-Sportdirektor Mihai Paduretu im Hachinger VIP-Raum, dass die Halle beim Bundesliga-Derby nicht völlig ausverkauft war - aber fast. Rund 1350 Zuschauer hätten die Partie gesehen. Auch wenn ein paar Stehplätze freigeblieben waren: So einen stimmungsvollen Rahmen hat es lange nicht gegeben bei einem Spiel in Unterhaching, wo die in Innsbruck ansässigen und trainierenden Alpenvolleys etwa die Hälfte ihrer Heimspiele austragen. Und diese Erkenntnis war für die Verantwortlichen wohl nicht minder wichtig als der sportliche Erfolg. Denn das Gelingen ihres rot-weiß-blau-roten Zweckbündnisses machen sie ja auch davon abhängig, ob es von den Zuschauern angenommen wird. Und das war - in Innsbruck wie in Unterhaching - bislang eher selten der Fall.

An diesem Abend schon. Auch Herrschings König war natürlich da, und er hatte rund 150 Anhänger im Gefolge. Mit seinem Megafon machte er außerdem ziemlich viel Lärm. Und er wurde nicht müde, in die Halle zu rufen: "Ohne Herrsching wär' hier gar nix los!" Aber das stimmte so auch nicht ganz. Die Alpenvolleys wurden eifrig, wenn auch nicht gar so euphorisch beklatscht. Und sie stellten dem König ihre Prinzessin Susanne II. und Prinz Matthias I. entgegen - das Prinzenpaar der Hachinger Faschingsgesellschaft Gleisenia.

Nach nicht einmal 90 Minuten Spielzeit jubelten die Saison-Adligen dann mit den Alpenvolleys, Herrschings Zuspieler Johannes Tille hatte den letzten Aufschlag des Spiels ins Netz gehauen. Ein bitteres Ende aus Sicht des 21-Jährigen, der sich über die Silbermedaille für den wertvollsten Spieler seines Teams nicht wirklich freuen konnte. Stefan Chrtiansky hingegen, der sonst so nüchtern analysierende Trainer der Alpenvolleys, vermeldete einigermaßen pathetisch: "Der König ist gefallen." Auch Alpenvolleys-Manager Hannes Kronthaler zeigte sich zufrieden - mit dem Spiel und dem Drumherum: "Heute bin ich glücklich. Bei Herrsching weiß man ja nie, was kommt, Genie oder Wahnsinn."

Genie war es diesmal sicher nicht. Jedenfalls ist das im Vergleich zu den meisten bisherigen Aufeinandertreffen zwischen den beiden ungleichen Klubs recht einseitige Duell schnell erzählt. Die Herrschinger hatten immer wieder gute Phasen, jeweils bis zur Hälfte eines Satzes hielten sie mit oder führten gar, 13:11 im ersten, 10:7 im zweiten Satz. Doch ihre Freude währte nie besonders lang, weil sie immer wieder am Hachinger Block oder sich selbst scheiterten. "Uns fehlt in solchen Spielen einer, der das Heft in die Hand nimmt und einfach mal draufhaut", sagte Herrschings Teammanager Fritz Frömming. Einer wie auf der anderen Seite Pawel Halaba oder Kirill Klets; der russische Diagonalspieler war mit 17 Punkten mit Abstand Topscorer.

Dass Kapitän Lukas Bauer (Sprunggelenkverletzung) nur zu einem Kurzeinsatz kam und der angeschlagene Nicholas West nur einen Satz spielte, half Herrsching auch nicht. Die anderen mühten sich, Libero Ferdinand Tille zeigte bei der Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte (mit Generali Haching hatte er dreimal den DVV-Pokal gewonnen) spektakuläre Abwehraktionen, aber insgesamt wirkten die Gäste, je länger die Sätze dauerten, immer gehemmter vom Druck der Alpenvolleys. "Wir wollten ein bisschen mehr zeigen, hatten aber oft keine Lösung, auch ich nicht. Ich wurde gleich geblockt, danach war die Leichtigkeit weg", sagte Außenangreifer Tim Peter.

Sein Trainer Max Hauser fand die Niederlage gar nicht so schmerzhaft: "Ich sehe das relativ relaxed. Die Alpenvolleys wollen deutscher Meister werden und Champions League spielen, wir nicht absteigen." Hauser übertreibt es mit der Untertreibung. Vom Abstieg sind die Herrschinger ein gutes Stück entfernt, ihnen geht es darum, sich auf Platz sieben oder acht für die Playoffs zu qualifizieren. Drei Punkte Vorsprung haben sie als Siebte allerdings nur noch vor dem Neunten Königs Wusterhausen, auf den sie nach der nun folgenden zweieinhalbwöchigen Pause treffen, dafür das leichtere Restprogramm. "Das wird ein kleines Finale. Aber ich mache mir keine Sorgen, wenn wir weiter so trainieren", sagte Hauser, der sich nach strapaziösen Wochen einen dreitägigen Winterurlaub mit der Familie gönnt - in der Nähe von Innsbruck übrigens.

Die Alpenvolleys hingegen, die nun die Tabelle mit drei Punkten Vorsprung auf Friedrichshafen anführen, spielen schon am Mittwoch beim deutschen Meister Berlin. Das Spitzenspiel wird zugleich eine Standortbestimmung für den Emporkömmling - noch nie hat er in der Hauptstadt gepunktet. "Wir fahren nach Berlin ohne Angst und mit dem Ziel, dort zu gewinnen", sagt Kronthaler, der sich zugleich auf mögliche Playoffs gegen Herrsching freut. Ein guter Monat ist es noch bis zum Viertelfinale Ende März, und wenn die Sterne günstig stehen, könnte es dann tatsächlich wieder zum Derby kommen. Es wurden sogar schon Gespräche geführt, ob die Herrschinger ihr Heimspiel, das sie ja nicht in ihrer zu kleinen Nikolaushalle austragen dürfen, nach Unterhaching verlegen statt wie üblich nach Vilsbiburg.